Christin Becker (Foto: Susie Knoll)

Kreis Kleve. Christin Becker: „Unterrichtsgarantie der Landesregierung gescheitert – Bildungspolitik braucht einen Neustart“

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Eva-Maria Voigt-Küppers und Jochen Ott zeigt, wie massiv der Unterrichtsausfall an vielen Schulen im Kreis Kleve ist. An der GG Freiherr-von-Motzfeld-Schule in Goch sind demnach beispielsweise 10% des Unterrichts im Schuljahr 2018/2019 ersatzlos ausgefallen. Die Landtagskandidatin für den nördlichen und rechtsrheinischen Teil des Kreis Kleves Christin Becker fordert daher, die Schulen personell besser auszustatten.

Viele Schulen im Kreis Kleve leiden unter massivem Unterrichtsausfall. So zeigt es die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage. Das Schulministerium hat auf Anfrage der Sozialdemokraten eine Aufstellung zum Ausfall von Stunden herausgegeben, die auf einer flächendeckenden Erhebung basiert. An der Freiherr-von-Motzfeld-Grundschule in Goch sind im Schuljahr 2018/19 demnach beispielsweise 10 Prozent der Stunden ersatzlos ausgefallen. An der Realschule Westring in Rees waren es 4,1 Prozent. Am Willibrord Gymnasium in Emmerich am Rhein lag die Unterrichtsausfallquote bei 3,9 Prozent. Insgesamt sind in NRW im Schuljahr 2018/2019 etwa 3,3 Millionen Unterrichtsstunden ausgefallen. Für das Schuljahr 2019/2020 liegen die Daten aufgrund der Corona-Pandemie nur unvollständig vor.

„Die Zahlen zeigen: Die Schwarz-Gelbe Landesregierung ist mit dem Versprechen einer Unterrichtsgarantie gescheitert“, sagt Christin Becker: „Es reicht nicht, den Unterrichtsausfall mit einem aufwendigen Verfahren, für das sogar zusätzliches Personal in den Schulen gebunden wird, nur zu messen. Man muss auch was dagegen tun.“ Dabei räumt Becker ein, dass das Thema Bildung schon viel zu lange zu wenig Priorität hatte: „Es sollte jetzt darum gehen, Bildung neu zu denken. Keine Schülerin und kein Schüler hat etwas davon, wenn wir nicht alle bereit sind, über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen.“

Besonders auffällig sei in der Erhebung die ungleiche Belastung der Schulformen, sagt Christin Becker. Haupt-, Real- und Gesamtschulen hätten häufig einen weitaus höheren Ausfall an Schulstunden zu beklagen als die Gymnasien. Auch hier in der Region zeigen sich solche Diskrepanzen. So fielen in der Gesamtschule am Forstgarten in Kleve im Schuljahr 2018/2019 5,0 Prozent der Stunden aus. Am Freiherr-vom-Stein Gymnasium in Kleve waren es nur 1,7 Prozent der Stunden. Auch Schulen in benachteiligten Vierteln seien häufiger von Unterrichtsausfall betroffen. „Wenn immer weniger Personal immer mehr Aufgaben erfüllen und Herausforderungen bewältigen muss, kann das auf Dauer nicht funktionieren- nicht für die Lehrer:innen und nicht für die Schüler:innen“, bringt es Becker auf den Punkt.

Für Christin Becker ist die Erhebung daher ein eindeutiges Indiz dafür, dass NRW umgehend einen echten schulscharfen Sozialindex benötigt. „Dieser zeigt anhand eindeutiger Indikatoren, wo Geld, Lehrkräfte und multiprofessionelle Teams am dringendsten gebraucht werden“, sagt Christin Becker: „Denn Kinder mit größeren Bildungsnachteilen brauchen mehr individuelle Förderung.“

Darüber hinaus macht sich die SPD in Nordrhein-Westfalen für die Einführung der Entgeltstufe A13 als gleiches Einstiegsgehalt für Lehrkräfte aller Schulformen stark. „Eine Grundschullehrerin oder ein Grundschullehrer verdient aktuell zum Berufseinstieg etwa 640 Euro weniger pro Monat als ihre Kollegin oder sein Kollege am Gymnasium. Das ist ungerecht und macht andere Schulformen im Vergleich zu Gymnasien unattraktiv“, sagt Christin Becker. „Dabei legen wir in der Grundschule die so wertvolle Basis für die weitere Schullaufbahn“. Die Regierung in Düsseldorf lehnt den Vorstoß für eine Anpassung der Gehälter bislang allerdings ab.

„Wir werben für einen echten Neustart in der Bildungspolitik von Nordrhein-Westfalen“, sagt die Landtagskandidatin. „Wir müssen das System neu aufstellen. Davon profitieren die Schülerinnen und Schüler auch hier vor Ort.“ Dazu gehört für Christin Becker, die selbst ein schulpflichtiges Kind und eins im Vorschulalter hat, neben einer massiven Personaloffensive auch eine Überprüfung der Bildungsinhalte durch eine Expertenkommission sowie ein New Deal für eine zukunftssichere Finanzierung des Bildungssystems. „Wir brauchen neue Verabredungen darüber, welchen Beitrag die verschiedenen Ebenen – und auch der Bund – dauerhaft für die Bildung in unserem Land leisten sollen“, sagt Becker. „Es geht darum, alle Kraft darauf zu konzentrieren, dass jedes Kind einen Schulabschluss erhält, mit dem es anschließend eine qualifizierte Berufsausbildung machen kann.“

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