Prof. Ulrich Sprick: "Tiefschlafphasen ermöglichen es dem Hirn aufzuräumen" (Foto: © St. Augustinus Gruppe)

Neuss. Demenz langfristig vorbeugen

Ein guter und tiefer Schlaf mit ausreichend langen Tiefschlafphasen kann dabei helfen, Alzheimer vorzubeugen. „Eine gesunde Lebensweise kann den Verlauf von Demenz positiv beeinflussen und zu mehr Lebensqualität bei Patienten führen“, sagt Prof. Dr. Ulrich Sprick, Chefarzt am Memory Zentrum, dem Demenz-Kompetenzzentrum in Neuss. „Genauso wie ausreichend Bewegung an der frischen Luft, befriedigende soziale Kontakte und Hobbys vorbeugend auf die neurodegenerative Erkrankung wirken, schafft dies auch gesunder Schlaf.“

Vor allem dem normalen Tiefschlaf, einer Schlafphase mit hoher regenerativer Qualität – wird eine besondere Bedeutung bei der Vorbeugung von psychiatrischen und neurodegenerativen Erkrankungen unterstellt. Ist der Tiefschlaf über sehr lange Zeiträume hinweg immer wieder gestört, kann das sogar die Entstehung von Alzheimer begünstigen.

„Tiefschlafphasen ermöglichen dem Hirn sozusagen aufzuräumen und überflüssige Stoffe abzubauen. Während des Tiefschlafes entstehen einfach weniger Ablagerungen im Gehirn. Diese Ablagerungen – auch Plaques genannt – sind an der Entstehung bestimmter Formen von Alzheimer beteiligt“, so Sprick. „Forscher aus den USA konnten in Versuchen mit Mäusen jetzt feststellen, dass gewisse Hirnstrukturen, die bei einer Alzheimer-Erkrankung betroffen sind, im Zusammenhang mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus stehen.“ Werden diese Bereiche experimentell stimuliert, verhindert dies die Entstehung und das Fortschreiten von neurodegenerativen Prozessen. Auf den Menschen mit seinen wesentlich komplexeren Hirnstrukturen lassen sich diese Labor-Ergebnisse bedauerlicherweise nicht unmittelbar anwenden. „Beim Menschen kann man die betroffenen Hirnstrukturen nicht stimulieren, schlichtweg kann man sie ohne einen operativen Eingriff mit den derzeit zur Verfügung stehenden Verfahren nicht erreichen“, bedauert Sprick. Allerdings weist der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie darauf hin, dass jeder selbst etwas für einen guten und tiefen Schlaf tun könne – auch wenn sich eine gesunde Tiefschlafphase nicht einfach herbeiführen lässt. „Eine gute Tiefschlafphase lässt sich zum Beispiel dadurch erreichen, dass man tagsüber genügend Tageslicht tanken konnte“, so Sprick. „Das heißt aber auch, tatsächlich zur hellsten Tageszeit, also mittags, für ein bis zwei Stunden draußen zu sein, und das täglich“. Alkohol oder Medikamente wie Schlafmittel hingegen könnten das Gehirn sogar daran hindern, in die Tiefschlafphase zu gelangen.

Und noch eine Erkenntnis im Zusammenhang mit Schlaf und Alzheimer besteht: Bei Alzheimer-Patienten ist der Schlaf-Wach-Rhythmus häufig gestört. „Im Memory Zentrum arbeiten wir zusammen mit den Patienten daran, wieder in einen geregelten Rhythmus zu finden. Dazu planen wir die Einrichtung eines speziellen Ruheraums, der nachts aufgesucht werden kann. Über die Beleuchtung in dem fensterlosen Raum sollen Patienten dann zukünftig schrittweise über zeitlich versetzte Lichtphasen wieder in einen natürlichen ursprünglichen Schlaf-Wach-Rhythmus kommen“, erklärt Sprick.

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