Buchautor und Kurator Alwin Meyer erläutert VHS-Leiter Dr. Günter Hinken, Kulturdezernent Marc Adomat und Sergej Aruin von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf die Geschichten hinter den Schautafeln seiner Ausstellung (v.l.) (Foto: Stadt Leverkusen)

Leverkusen. Mehr als 200.000 Kinder wurden in Auschwitz-Birkenau mit Giftspritzen getötet, erschossen, totgeschlagen, ertränkt oder vergast. Nur 750 Kinder und Jugendliche im Alter von bis zu 17 Jahren konnten vor 77 Jahren im größten deutschen Vernichtungslager befreit werden. 521 waren 14 Jahre und jünger, darunter befanden sich auch ungefähr 60 Neugeborene, wovon mehrere noch kurze Zeit später an den Folgen von Auschwitz starben. Anlässlich des weltweiten Holocaust-Gedenktages am 27. Januar beleuchtet die Volkshochschule Leverkusen die Schicksale, die sich hinter diesen Zahlen verbergen und zeigt bis zum 25. Februar die Ausstellung “Vergesst uns nicht – die Kinder von Auschwitz”. Wie VHS-Leiter Dr. Günter Hinken betont, setzt die VHS mit dieser Ausstellung ihre traditionsreichen Ausstellungs-, Erinnerungs- und Diskussionsprojekte zum Holocaust-Gedenktag sowie zur Prävention gegen Antisemitismus fort.

Grundlage für die darin erzählten Geschichten sind die jahrzehntelangen weltweiten Recherchen von Alwin Meyer, die er in seinem Buch „Vergiss Deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz“ veröffentlicht hat. Herausgegeben wurde die Ausstellung vom Dokumentations- und Informationszentrum Stadtallendorf in Zusammenarbeit mit dem Autor. „Die Ausstellung ist ungeheuer eindrucksvoll“, so Kulturdezernent Marc Adomat. „Ich freue mich sehr, sie hier in Leverkusen zeigen zu können und den Buchautor und Kurator Alwin Meyer gewonnen zu haben, der die Inhalte mit einem bebilderten Vortrag am Abend vor dem Holocaust-Gedenktag vertiefen wird.“

Die 25 großformatigen Bild- und Schrifttafeln der Ausstellung zeigen Lebensgeschichten und Hintergründe von überlebenden Mädchen und Jungen. Buch und Ausstellung beschäftigen sich mit dem Leben und Überleben vor, in und nach Auschwitz. So zeigen manche Fotos eine unbeschwerte und glückliche Kindheit. Dazu im Kontrast stehen die Abbildungen und Erinnerungen an das Lager sowie die Schwierigkeit des Überlebens und Weiterlebens nach der Befreiung durch die Rote Armee. „Viele der kleinen Kinder wussten nichts über ihre Herkunft. Fast alle waren Waisen, die keinem Erwachsenen vertrauten konnten“, fasst Alwin Meyer aus seinen Gesprächen mit den erwachsenen Überlebenden zusammen. „Es war für einige Kinder lange unvorstellbar, dass Menschen sterben konnten, ohne dass vorher Gewalt angewandt wurde. Erwachsene, die nicht im Lager gelebt hatten, empfanden sie als Menschen, die nichts vom wirklichen Leben verstanden.“

Alwin Meyer lebt in Berlin und wurde 1950 in Cloppenburg geboren. Er beschäftigt sich mit diesem Thema seit er 1972 zum ersten Mal Auschwitz-Birkenau besuchte und ihm dort ein ehemaliger Gefangener von den Kindern im Lager erzählte. „Dass auch Kinder in Auschwitz inhaftiert waren, erschütterte mich bis ins Mark und erfüll-te mich mit tiefer Scham und Traurigkeit,“ sagt der inzwischen 71jährige Autor. So begann er als damals noch sehr junger Mann mit der weltweiten Spurensuche und führte Gespräche mit Menschen, die bei ihrer Befreiung oft noch Kinder waren.

1990 erschien sein erstes Buch zum Thema „Die Kinder von Auschwitz“. Einige Zeit später wurde sein gleichnamiger einstündiger Dokumentarfilm im deutschen, polnischen und tschechischen Fernsehen ausgestrahlt. Außerdem publizierte er seit den 1970er Jahren mehrere Artikel zum Thema. Zuletzt erschienen seine Bücher „Vergiss deinen Namen nicht – Die Kinder von Auschwitz“ (2016), „Geboren in Auschwitz“ (2020) und „Mama, ich höre dich – Mütter, Kinder und Geburten in Auschwitz“ (2021). Am 27. Januar 2022 werden englische Editionen in Großbritannien und in den USA unter dem Titel „Never Forget Your Name – The Children of Auschwitz“ veröffentlicht.

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