Sie unterstützen das neue Aktionsbündnis #daspinkekreuz (v.l.): Silke Mempel, Dr. Roland Nolte, Alexandra Nolte, Labrador Lenny mit pinkem Schal, Nicole Nöthen, Anja Steinhoff, Sabine Günnel und Vera Badder (Foto: privat)
Anzeige

Neukirchen-Vluyn/Niederrhein. Seit Oktober 2021 ist der Hof von Familie Nolte das Zentrum der sonntäglichen Mahnwachen und die Keimzelle kreativer Aktionsideen, die immer größere Teile von Neukirchen-Vluyn pink erstrahlen lassen. Jetzt denken Alexandra und ihr Mann Dr. Roland Nolte zusammen mit vielen Unterstützer:innen größer: Am vergangen Sonntag stellten sie das neue Aktionsbündnis #daspinkekreuz vor. Damit gibt es ab sofort in und über Neukirchen-Vluyn hinaus eine überparteiliche Plattform für Unternehmen, Vereine und Privatpersonen, die mit ihnen gemeinsam ein Zeichen gegen den Abbau von Kies und Sand in seiner aktuellen Form setzen wollen.

Öffentlich, sachlich, konstruktiv, glaubwürdig und entschlossen

Kurzfristig verfolgt #daspinkekreuz weiterhin das Ziel, die Felder in Neukirchen-Vluyn vor dem Kiesabbau zu bewahren. Dazu unterstützt das Aktionsbündnis alle Interessierten bei den Einsprüchen, die bis spätestens zum 29.04.22 beim Regionalverband Rhein Ruhr (RVR) in Essen eingehen müssen. „Doch es geht um sehr viel mehr,“ betont Dr. Roland Nolte. Der 40-Jährige bewohnt mit seiner Frau Alexandra (43) und vier Kindern seit gut sechs Jahren den Hof „Noltanien“ inmitten der vom Kiesabbau betroffenen Flächen. Alpen, Kamp-Lintfort und Rheinberg haben dieselben Probleme, so Nolte. Der Niederrhein leidet insgesamt unter dem Kiesabbau. „Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Regionen, die vom bislang ungeregelten oder maßlosen, profitorientierten Abbau von Rohstoffen betroffen sind, der die Heimat und Lebensgrundlage der dort lebenden Menschen zerstört.“

„Wir sind nicht nur einfach DAGEGEN! Wir sind FÜR eine ganzheitliche Rohstoffwende!“

Dabei geht es den Aktiven nicht um einen pauschalen Widerstand. „Wir sind nicht einfach nur DAGEGEN, das wäre nicht authentisch, nicht realistisch“, betont Nolte. „Wir setzen uns FÜR einen nachhaltigen und generationengerechten Abbau von Sand, Kies und anderen Rohstoffen ein: öffentlich, sachlich, konstruktiv und glaubwürdig, aber jederzeit entschlossen.“ Das Aktionsbündnis will mittelfristig eine stärkere Regulierung, mehr Bürgerpartizipation und innovative Lösungen wie beispielsweise den vermehrten Einsatz zuverlässiger Recyclingmaterialien sowie angepasste Baunormen. Nolte: „Das mittelfristige Ziel muss aus unserer Sicht eine ganzheitliche Rohstoffwende sein. Wir können damit nicht warten, bis das hier vorbei ist.“

Lokal, regional, landesweit? Das Aktionsbündnis denkt groß

Noltanien hat als Keimzelle für Aktionen wie dem Kies-Café, den pinken Baumschals #pinKIES und den pinken Kreuzen bereits wichtige Impulse für die lokale Protestbewegung gesetzt. Doch die Aktiven sind sich bewusst: „Eine Keimzelle kann niemals allein das Herz, Muskel, Arm und Hand sein, um etwas Großes zu bewegen.“

Für das Ehepaar Nolte ist klar: Noltanien bleibt Noltanien, agiert lokal und ist in erster Linie ihr Hof und Zuhause der Familie. „Wir veranstalten hier auch zukünftig unsere Mahnwachen – immer sonntags um 15 Uhr“, erklärt Alexandra Nolte. „Unsere #pinKIES und die pinken Kreuze sind weiterhin die Kernmarken des lokalen Widerstandes, die eng mit uns und unserem Hof verbunden sind. Aber es braucht mehr.“

Damit sich Unternehmen, Vereine und Privatpersonen mit der überörtlichen Idee – unabhängig von einem einzelnen Bauernhof in Neukirchen-Vluyn – identifizieren und solidarisieren können, ist Noltanien ab sofort Teil des Aktionsbündnisses #daspinkekreuz. Gleichzeitig löst es sich aus der örtlich tätigen Bürgerinitiative Mitgestalten-NV.

Roland Nolte: „Nun ist die Zeit gekommen, den Schwung, die Sichtbarkeit und die öffentliche Wahrnehmung zu nutzen, um uns breiter aufzustellen, wenn wir etwas bewegen wollen.“

Schon jetzt gibt es viele Unterstützer:innen, die sich Woche für Woche ehrenamtlich gegen den zerstörerischen Kiesabbau einsetzen: Silke Mempel, Nicole Nöthen, Sabine Günnel, Corinna Stockrahm, Vera Badder und Anja Steinhoff sind nur einige von ihnen. Sie alle tragen die Idee eines größeren Aktionsbündnisses mit: „Es macht Spaß, Teil eines so kreativen und agilen Teams zu sein“, erklärt Nicole Nöthen ihre Motivation. „Jede:r von uns bringt sich ganz unkompliziert mit den eigenen Fähigkeiten, Möglichkeiten, Ideen und Spenden ein.“ Vom Erfolg der neuen Plattform ist auch Anja Steinhoff überzeugt: „Mit den #pinKIES und den pinken Kreuzen identifizieren sich schon jetzt immer mehr Bürger:innen. Wir sind uns sicher, dass sich noch viele weitere Menschen einer gemeinsamen Vision für ein Umdenken im Rohstoffabbau anschließen werden.“

Viele helfende Hände für einen ganzheitlichen, visionären Gedanken

Zahlreiche Anfragen für gemeinsame Aktionen und Events zeugen bereits von einem großen Interesse weit über die Grenzen Neukirchen-Vluyns hinaus. Den Anfang machte Britta Kox von „Alle Dörfer bleiben“ mit einer gemeinsamen Solidaritätsbekundung der Braunkohlegegner:innen. Roland Nolte: „Wir prüfen derzeit weitere Ideen und deren Umsetzbarkeit. Wenn es so weit ist, werden wir diese öffentlich kommunizieren.“ Bis dahin bleibt das Aktionsbündnis im überparteilichen und sachlichen Dialog mit allen, die gesprächsbereit sind, und sammelt in diversen Gesprächen mit Politiker:innen und Experten:innen weitere Argumente, die die formulierten Forderungen unterstützen.

 

InfoKlick: www.daspinkekreuz.de (Website im Aufbau) sowie auf Facebook und Instagram.

Beitrag drucken
Anzeigen