Caritas-Mitarbeiter Rainer Zeitz (im Bild von hinten zu sehen) war im Auftrag von I.S.A.R. Germany Ende Februar/Anfang März an der polnisch-ukrainischen Grenze unterwegs. Aufgrund seiner Erfahrungen in Krisengebieten hat die international tätige Hilfsorganisation den Neuropsychologen runtergeschickt (Foto: I.S.A.R. Germany)

Kreis Kleve. Rainer Zeitz (57) ist nicht nur kaufmännischer Direktor der Palette. Als Neuropsychologe engagiert er sich seit sechs Jahren auch bei I.S.A.R. Germany. Mit dem Vorausteam der international tätigen Hilfsorganisation war er fünf Tage an der polnisch-ukrainischen Grenze unterwegs. In Kleve zurück erhalten Kriegsflüchtlinge nun unentgeltlich Kleidung und andere Bedarfsgüter in der Palette.

Not sehen und handeln. Das ist der Leitspruch der Deutschen Caritas. Für Rainer Zeitz, kaufmännischer Direktor der Palette, eine Selbstverständlichkeit. Drei Tage nach Kriegsbeginn in der Ukraine, am Sonntag, 27. Februar 2022, fuhr er mit weiteren Helfer:innen zur polnisch-ukrainischen Grenze. Sein Auftrag dort: Die Lage beurteilen, sich einen Überblick verschaffen und eine Entscheidungsgrundlage für folgende Frage treffen: Geht das medizinische Team raus oder nicht? „Als Neuropsychologe habe ich zudem mit einigen traumatisierten Menschen vor Ort gesprochen“, sagt Rainer Zeitz.

Rainer Zeitz ist nicht nur langjähriger Mitarbeiter der Caritas Kleve, seit sechs Jahren engagiert sich der 57-Jährige auch bei I.S.A.R. Germany. Das ist eine gemeinnützige Hilfsorganisation, die Abkürzung steht für „International Search and Rescue“. 2003 in Duisburg gegründet kommt I.S.A.R. nach eigenen Angaben weltweit zum Einsatz. 170 Helfer:innen sind inzwischen aktiv. Ihre Aufgabe ist es, internationale Hilfe nach Naturkatastrophen und Unglücksfällen zu leisten. Immer mehr an Bedeutung gewinnt dabei auch der Bereich der humanitären Hilfe. So gab es unter anderem bereits einige Hilfsaktionen in Flüchtlingslagern.

Für Rainer Zeitz war der Ukraine-Einsatz nicht der erste. Im Gegenteil: Er war bereits mit anderen Hilfsorganisationen in den Krisengebieten Jordanien und Syrien als Neuropsychologe ehrenamtlich im Dienst. Für die Caritas Kleve hat er von Oktober 2015 bis März 2016 das Flüchtlingslager am Campingplatz Wisseler See in Kalkar geleitet. „Aufgrund von meinen Erfahrungen hat mich I.S.A.R. Germany auch runtergeschickt“, berichtet Rainer Zeitz. Er erinnert sich noch genau: „Am Samstag fiel die Entscheidung, innerhalb von sieben Stunden muss man dann abmarschbereit sein.“

Rainer Zeitz und die anderen Helfer:innen des sogenannten Vorausteams waren fünf Tage lang an der polnisch-ukrainischen Grenze unterwegs. „Wir sind in Kraukau angekommen und mit der polnischen Feuerwehr zur Grenze nach Medyka gefahren. Dort haben wir 100, 120 Flüchtlinge getroffen, die allesamt gut vom Polnischen Roten Kreuz und der Caritas Polen versorgt wurden“, berichtet Rainer Zeitz. Weiter ging es zum Bahnhof von Przemysl, wo das Team Medikamente hinterließ. „Wir haben zudem einen polnischen Landrat getroffen, der uns wiederum einen Kontakt zu einem ukrainischen Kollegen vermittelte“, sagt Rainer Zeitz. Damit war die Grundlage für die humanitäre Hilfe geschaffen. Das Team verteilte rund 200 Schlafsäcke, Fleecejacken für Kinder und Stromgeneratoren. Auch mietete es eine Lagerhalle an der Grenze an. Von dort aus werden nun die Hilfsgüter verteilt – medizinische Ausrüstung wie Medikamente, Narkosemittel, Infusionen, chirurgisches Besteck, OP-Tisch und -Kleidung, Verbandsmaterial und Beatmungsgeräte. „Auch Powerbanks hat I.S.A.R. im Gepäck. Die Menschen möchten mit ihren Verwandten und Freunden telefonieren“, Rainer Zeitz. Grundlage für die Hilfslieferung sei eine Bedarfsliste der ukrainischen Regierung.

Insgesamt sei die Versorgung der ukrainischen Flüchtlinge in Polen sehr gut. „Stand jetzt sehe ich außer den Hilfstransporten keinen Handlungsbedarf“, sagt Rainer Zeitz. Er erwartet ebenfalls keinen großen Flüchtlingsansturm wie im Jahr 2015: „Die meisten Ukrainer:innen halten sich im Grenzgebiet auf. Sie wollen nah bei ihren Männern bleiben. Diejenigen, die nach Deutschland kommen, haben hier meist auch Verwandte.“

Um diesen Menschen zu helfen, hat der Deutsche Caritasverband deutschlandweit eine Hilfebörse zur Unterstützung geflüchteter Menschen aus der Ukraine eingerichtet. Auch die Caritas Kleve ist aktiv. Sie bietet schon seit Jahren Flüchtlingsberatung in Kleve, Goch, Emmerich, Rees und Kalkar an. „Seit Kriegsbeginn überschlagen sich jedoch die Anfragen zu Hilfen und Rückmeldungen von engagierten Bürgern und Bürgerinnen“, sagt Rita Fergen, Fachbereichsleitung Soziale Hilfen. Zusammen mit der Gemeindecaritas koordiniert sie die humanitären Hilfen im Verbandsgebiet. Unter anderem wurde ein Spendenkonto eingerichtet. Auch eine Kooperation mit der Palette, dem Sozialkaufhaus der Klever Caritas, gibt es seit Anfang März. „Ukrainische Flüchtlinge erhalten in unseren Filialen unentgeltlich Kleidung und andere Bedarfsgüter“, sagt Rainer Zeitz. Das Einzige, was sie dafür benötigen, ist ein Berechtigungsschein, den sie entweder an den Standorten der Caritas, bei den Kommunen in Kleve und Emmerich am Rhein oder bei der Klosterpforte erhalten.

 

Info – Spendenkonten

Die Caritas Kleve hat ein Spendenkonto für Menschen, die aus der Ukraine flüchten und am Niederrhein ankommen, eingerichtet.

Caritasverband Kleve e.V.
Darlehenskasse Münster 
IBAN DE94400602650004066000
BIC GENODEM1DKM
Verwendungszweck* 130P01 Spende Ukraine

*Bei Spenden über 50 Euro stellen wir eine Zuwendungsbescheinigung aus. Dazu bitte Name und Adresse ebenfalls in dem Verwendungszweck notieren.

 

Caritas International, das Hilfswerk der Deutschen Caritas, organisiert die Hilfe im Krisengebiet.

Caritas International
Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe
IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02
BIC: BFSWDE33KRL
Verwendungszweck: CY01026 Ukraine-Krieg

 

I.S.A.R. Germany ist ebenfalls auf Spenden angewiesen. Nähere Informationen gibt es auf www.isar-germany.de

I.S.A.R. Germany Stiftung gGmbH
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE25 3702 0500 0001 1825 00
BIC: BFSWDE33xxx

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