Eröffneten die Ausstellung "Flucht und Vertreibung gestern und heute 1945-2015" in der Sparkasse Schwelm-Sprockhövel: Bürgermeister Stephan Langhard, der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Christoph Terkuhlen, Kayi Schlücker, Vorsitzende des Schwelmer Integrationsrates, und Schwelms Gleichstellungsbeauftragte Anke Steger (Foto: Stadt Schwelm / Heike Rudolph)

Schwelm. Die zeitlose Dramatik des Themas „Flucht und Vertreibung“ zeigt eine gleichlautende Ausstellung, die jetzt in der Sparkasse Schwelm-Sprockhövel eröffnet worden ist und die von heute an bis zum 9. April in der dortigen Kundenhalle in der Hauptstraße 63 zu sehen sein wird.

 

Die Ausstellung konzentriert sich auf Flucht und Vertreibung in den Jahren 1945 bis 2015 und stellt Schicksale von geflüchteten Frauen u.a. aus Schlesien, Nigeria, Togo, Indien und Syrien vor. Doch selbstverständlich wird angesichts der russischen Invasion in der Ukraine und die dadurch ausgelösten Flüchtlingsströme das aktuelle Geschehen immer mitgedacht.

Eingeladen hatten zur Eröffnung der Präsentation der Integrationsrat der Stadt Schwelm und die Stadt Schwelm in Zusammenarbeit mit der Schwelmer Gleichstellungsbeauftragten und dem Stadtmarketing.

Für Bürgermeister Stephan Langhard erzählt die Ausstellung – eine Leihgabe der Gleichstellungsstelle der Stadt Ennepetal – „vom Totalverlust des Lebens, das man bis gestern geführt und geliebt hat. Wir können überhaupt nicht nachempfinden, was es bedeutet, das nackte Leben retten zu müssen. Wir können auch nicht nachempfinden, was es heißt, neu anfangen zu müssen, wie ein unbeschriebenes Blatt zu sein, wo man zuhause doch man selbst war“.

In früheren Zeiten habe sich die Geschichtsschreibung ausgiebig mit der Analyse des zurückliegenden Kriegsgeschehens befasst. Die Zerstörung der Städte sowie Flucht und Vertreibung seien eher als Kollateralschäden verstanden worden, die sich in den jeweiligen Nachkriegsordnungen schon „irgendwie“ auflösen würden. Das sei nun anders.

Die Ausstellung erschüttere, mache aber auch Mut, so das Stadtoberhaupt, weil sie die einzigartige Lebensleistung der betroffenen Frauen belege, dem Leben nach Flucht und Vertreibung wieder eine Richtung zu geben, Fuß zu fassen in einer neuen Heimat.

Es sei an uns, den Menschen zu helfen, und dies geschehe aktuell auch in Schwelm, wo bereits geflüchtete Ukrainier/innen eingetroffen seien und wo schon viele Unterstützer/innen auf verschiedenen Ebenen tätig seien.

Für Christoph Terkuhlen, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Schwelm-Sprockhövel, war es selbstverständlich, für die Präsentation der eindrucksvollen Ausstellung Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Denn „das Thema lag unserer Gesellschaft immer schon vor Augen: Das Leid von zur Flucht gezwungenen Menschen, die ihr bisheriges Leben und ihren Besitz unfreiwillig aufgeben, sich auf eine gefahrvolle Reise und in eine ungewisse Zukunft begeben mussten“.

Er hoffe, so Christoph Terkuhlen weiter, „dass sich in den folgenden Wochen viele Menschen diese Bilder und Lebensgeschichten ansehen und sich dadurch auf Fragestellungen einlassen, die sonst unseren Alltag vielleicht eher weniger berühren“. Es sei richtig und wichtig, sich mit der Situation der Vertriebenen und Geflüchteten intensiver auseinanderzusetzen, „weil dadurch unsere Gesellschaft gestärkt wird“.

Mit eindringlichen Worten wandte sich Kayi Schlücker, die Vorsitzende des Integrationsrates, an die Besucher/innen: „Krieg bedeutet unermessliche Grausamkeit, Angst, Verletzlichkeit, Trauer, Trauma, Flucht und Tod!“ Dabei sei doch „jedes Leben unantastbar!“

Sie selbst musste vor Jahren aus Togo in den Kongo und wieder zurück fliehen und fand schließlich in Schwelm eine neue Heimat. Sie sprach sich für eine unkomplizierte Aufnahme von Flüchtlingen aus Krisengebieten aus und beschrieb den noch jungen Schwelmer Integrationsrat als Brücke für Menschen mit Migration in ein neues Leben; das Gremium bringe Betroffene, Verwaltung und Politik zusammen.

Kayi Schlücker appellierte an alle: „Lassen Sie uns Menschen mit Migrationserleben nicht als Last sehen; jeder Mensch ist ein Gewinn, jeder ist ein ungefasster Diamant. Lassen Sie uns all seine Facetten entdecken!“

Schwelms Gleichstellungsbeauftragte Anke Steger lenkte den Blick auf den Anlass zur Ausstellung, nämlich den Internationalen Frauentag, an dem Frauen mit ihren Forderungen nach Geschlechtergerechtigkeit in die Öffentlichkeit gehen und mit Nachdruck auf die immerwährende Verletzung von Frauen- und – damit Menschenrechten – hinweisen würden.

„Menschen jeden Geschlechts fliehen vor Kriegen, vor politischer Verfolgung Umweltkatastrophen, Hunger und Armut. Frauen fliehen darüber hinaus aber auch vor sexualisierter Gewalt, häuslicher Gewalt, Zwangsheirat, Zwangssterilisierung, Zwangsprostitution und Genitalverstümmelung“. Und Anke Steger weiter: „Frauen fliehen auch vor dem brutalen Fakt, im Krieg immer auch als ,zu besetzendes Land‘ behandelt zu werden. Fluchtwege sind für Frauen riskanter und auch Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland und überall auf der Welt bieten oft keinen Schutz vor erneuten Übergriffen – das haben wir gelernt“.

Über den Internationalen Frauentag hinaus gelte es, genau hinzuschauen, sensibler zu werden, zu lernen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. „Wir müssen uns in Politik und Gesellschaft einbringen und einmischen, um die Situation von Geflüchteten und ganz besonders die Situation von geflüchteten Frauen zu verbessern“.

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