v.l. Jörg Reßing, Klaus Horstmann, Helmut Czichy, Ludwig Hermanns, Steffi Sakowitz, Tristan Auwlaers (Foto: privat)

Kreis Wesel/Hünxe. Der Kreis Wesel startet das Pilotprojekt „Herdenschutz für Pferde“ auf dem Hof Reßing in Hünxe. Am Freitag, 11. März 2022, informierten Vorstandsmitglied Helmut Czichy (Bereich Umwelt, Kreis Wesel), Klaus Horstmann (Fachdienstleiter für Naturschutz und Landwirtschaft, Kreis Wesel) und Ludwig Hermanns (Koordinationsbereich Nachhaltige Landwirtschaft, Kreis Wesel) vor Ort über das Projekt. Im Rahmen eines praktischen Zaunbauseminars der Firma Patura, mit Unterstützung der Familie Reßing und den Mitgliedern von Wikiwolves NRW, wurde eine Weide mit rund einem Kilometer wolfsabweisenden Zaun eingezäunt. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Wesel finanziert die Materialkosten von rund 11.000 Euro zu 100 Prozent. Für die verbleibenden Weiden wird Familie Ressing eine Förderung bei der Landwirtschaftskammer NRW nach den neuen Förderrichtlinien Wolf beantragen.

Helmut Czichy: „Spätestens seit dem Urteil des Verwaltungsgerichtes Düsseldorf vom Mai 2021 wissen wir, dass ein hinreichender Herdenschutz im Wolfsgebiet die erfolgversprechendste Maßnahme ist. Nach den zahlreichen Rissen an Kleinpferden haben wir den Hof Ressing für das Pilotprojekt ausgewählt, da in der Nähe der Weiden regelmäßig Wölfe gesichtet worden sind. Mit der Installation des Zauns setzen wir eine konkrete Herdenschutzmaßnahme Pferde um. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass Wölfe in eine Pferdekoppel eindringen und gegebenenfalls auch Kleinpferde reißen können. Es wächst die Zuversicht, dass es zukünftig weniger zu kritischen Begegnungen mit dem Wolf kommt.“

Klaus Horstmann: „Wolfsabweisende Zäune für Pferde sehen anders aus als die für Schafe. Die Höhe muss 1,40 Meter betragen. Auch, um die Pferde vor dem Ausbrechen zu bewahren. Außerdem sind die Drähte mit Kunststoff ummantelt, damit sich die Pferde nicht verletzen. Was wir hier umsetzen, haben wir nicht selbst erfunden, sondern stammt aus den Erfahrungen, die im Herdenschutzprojekt Niedersachsen gesammelt und dort sehr erfolgreich umgesetzt worden sind. Wir haben uns bereits zu einem frühen Zeitpunkt mit den dortigen Verantwortlichen in Verbindung gesetzt und uns ausgetauscht. Hier sehen Sie das praktische Ergebnis.“

Insgesamt sechs Litzen befinden sich jeweils auf 20, 40, 60, 80, 110 und 140 Zentimetern Höhe. Ludwig Hermanns ergänzt: „Das Besondere an diesem Zaun ist, dass der kunststoffummantelte Draht durch extrem starke Federn permanent auf Spannung gehalten wird und selbst in dem Fall, dass ein Pferd in den Zaun gerät und diesen zur Seite drückt, der Zaun in die ursprüngliche Position und Spannung zurückgeholt wird. Dies erhöht die Ein- und Ausbruchsicherheit des Zaunes enorm. Zusätzlich sind unterhalb der Tore ein Schutz sowie an den Toren selbst zusätzliche Litzen angebracht, die ein Untergraben sowie Übersteigen verhindern sollen.“

Die Idee für dieses einmalige Projekt ist bereits Anfang 2021 geboren. Hintergrund war, dass die Förderrichtlinien Wolf bis zu diesem Zeitpunkt nur Herdenschutzmaßnahmen für Schafe, Ziegen und Gehegewild vorsahen.

„Wir haben aber auch andere Weidetierhaltungen im Wolfsgebiet wie Pferde- und Rinderhaltungen, die sich mit einem hinreichenden Herdenschutz auseinandersetzen und die wir unterstützen müssen“, so Klaus Horstmann weiter. „Wir wollen mit dem Projekt anderen Weidetierhaltungen zeigen, wie ein funktionierender Herdenschutz aussehen kann. Uns treibt an, dass wir die Weidetierhaltung insgesamt erhalten wollen. Denn wir dürfen es uns nicht leisten, einzelne Tierhaltungen zu verlieren, nur, weil diese beim Herdenschutz nicht unterstützt werden.“

Ludwig Hermanns fügt hinzu: „Wir wollen aber auch eigene Erfahrungen mit dem Herdenschutz vor Ort sammeln, die wir an alle Weidetierhaltungen weitergeben können. Um unser Ziel als Ganzes zu erreichen, wollen wir ein weiteres Projekt mit einem rinderhaltenden Betrieb angehen und umsetzen. Dort stehen wir aber noch ganz am Anfang.“

Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Wesel hat das Pilotprojekt Anfang 2021 gestartet. Seit Januar 2022 fördert das Land NRW wolfssichere Zäune für Ponys und Kleinpferde. Anträge können bei der Landwirtschaftskammer NRW gestellt werden.

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