Dr. med. Barbara Strey (Foto: Helios)

Duisburg. Eine Süßwarenfirma ruft Produkte wegen Salmonellenbelastung zurück. Ein Grund, um sein Wissen über diese kleinen Bakterien und vor allem ihren Übertragungsweg etwas aufzufrischen. Denn auch wenn in diesem Fall der Verzehr von Lebensmitteln ursächlich scheint, krankmachende Erreger gelangen vielfach auch auf anderen Wegen, etwa über kontaminierte Schneidebretter, in unseren Körper.

Salmonellen sind stäbchenförmige Bakterien aus der Familie der Enterobakterien. Sie lösen beim Menschen Magen-Darm-Erkrankungen aus und führen durch ihre Vermehrung im Darm vor allem zu Durchfall. Der häufigste und entsprechend bekannteste Weg führt über Eier oder Eiprodukte, die nicht durchgegart sind, aber auch über Speiseeis oder rohes Fleisch. Pflanzliche Lebensmittel können tatsächlich ebenfalls von Salmonellen besiedelt sein. „Vor allem, wenn auf Schneidebrettern rohes Fleisch bearbeitet wird und anschließend Gemüse auf dem gleichen Brett geschnitten wird“, erklärt Dr. med. Barbara Strey, Chefärztin der Gastroenterologie an der Duisburger Helios St. Johannes Klinik in Alt-Hamborn.

Auch sogenannte Schmierinfektion von Mensch zu Mensch aufgrund von mangelnder Hygiene können ebenfalls zu einer Infektion führen, etwa wenn man Bakterien mit der Hand aufnimmt und die Hand dann Mund oder Nase berührt.

Eher selten kommt es zu einer Übertragung durch Tierkot – doch auch hier ist mangelnde Hygiene ursächlich. Vor allem Reptilien können Salmonellen-Ausscheider sein und sind deswegen für Haushalte mit Kleinkindern eher nicht geeignet.

 

Symptome einer Salmonelleninfektion

Meist geht die Erkrankung mit plötzlichem Durchfall, Bauchschmerzen, Unwohlsein und selten auch mit Erbrechen einher. Oftmals haben die Betroffenen zudem eine erhöhte Temperatur. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer Blutstrominfektion, einer Sepsis, mit schwerem Krankheitsverlauf kommen. „Nach Aufnahme der Erreger bricht die Erkrankung relativ schnell aus – nach sechs bis 72 Stunden, meistens jedoch nach 12 bis 36 Stunden. Aber auch danach scheiden Erkrankte noch eine ganze Weile Salmonellen aus, in Einzelfällen bis zu mehreren Monaten“, so Strey.

Besonders sehr kleine Kinder und abwehrgeschwächte Menschen sind gefährdet, denn der Verlust an Flüssigkeit und Salzen macht sich bei ihnen besonders schnell bemerkbar. Um das möglichst effektiv wieder auszugleichen, gibt es in Apotheken sogenannte Elektrolytlösungen, die in Wasser aufgelöst werden und die unbedingt in die Hausapotheke gehören. Dauert die Durchfallerkrankung länger an und geht mit starkem Erbrechen und Fieber einher, sollten vor allem anfällige Menschen ärztliche Hilfe suchen.

 

Faktencheck Salmonellen

  • Salmonellen werden durch Einfrieren nicht abgetötet
  • Bei Temperaturen zwischen 10 und 47°C Grad Celsius fühlen sie sich besonders wohl
  • rohes Fleisch und Eier sowie Produkte mit rohen Eiern wie Mayonnaise immer lückenlos kühlen und nie in der Sonne stehen lassen
  • Schneidebretter zwischen den unterschiedlichen Zutaten gut reinigen
  • Speiseeis nicht wieder einfrieren
  • Auf ausreichende Garzeiten bei Temperaturen >70 Grad achten
  • Wasser für Säuglingsnahrung immer auf mindestens 70°C erhitzen
  • Erkrankte sollten kein Essen für andere zubereiten bis sicher ist, dass sie keine Salmonellen mehr ausscheiden

 

Hygiene im Haushalt schützt

Was aber kann ich selbst tun, um die Gefahr einer Übertragung von Salmonellen oder anderen Erregern im Haushalt zu verringern? Auch wenn es dazu keine Spezialreiniger braucht, einige Grundregeln helfen, denn vor allem in der Küche – und nicht wie oft angenommen in der Nähe der Toilette – lauern viele Keime. Eine gründliche Reinigung benutzter Küchengeräte beugt daher möglichen Infektionen vor. Auch alte Plastikbrettchen, die bereits viele Schnittfurchen haben, sind ein wahres Paradies für Bakterien und sollten ersetzt werden, genauso wie Geschirrtücher und Schwämme alle ein bis zwei Tage ausgetauscht werden sollten.

 

Weitere Tipps für einen keimarmen Haushalt (bitte beachten: für Haushalte mit immungeschwächten oder pflegebedürftigen Personen gelten ggfls. noch strengere Vorgaben)

  • Spülbürsten sollten regelmäßig bei mind. 60 Grad in der Spülmaschine gereinigt, Schwämme und Tücher mindesten alle zwei Tage ausgetauscht und ebenfalls bei 60 Grad gewaschen werden.
  • Vorratsschränke zweimal im Jahr reinigen und dabei Lebensmittelvorräte auf Haltbarkeit und Schädlingsbefall überprüfen, möglichst fest schließende Vorratsbehälter verwenden.
  • Reinigen Sie Ihren Kühlschrank alle vier Wochen. Dabei reicht es, wenn Sie das Gerät mit Essigreiniger/Essigwasser auswischen.
  • Abfallbehälter wöchentlich mit warmem Wasser und Reinigungsmittel säubern.
  • Verwenden Sie unterschiedliche Putzlappen, um Bad und Toilette zu reinigen. Putzen Sie zuerst das Waschbecken, dann das WC.
  • Keine aggressiven Mittel, wie z.B. Desinfektionsmittel verwenden, denn die Wirkstoffe gelangen in die Umwelt und greifen dort das bakterielle Gleichgewicht an oder führen sogar zu Resistenzen
  • WC-Bürsten ebenfalls regelmäßig mit dem genutzten Reinigungsmittel säubern (z.B. im Siphon)
  • Duschtücher sollten Sie höchstens dreimal benutzen. Handtücher, mit denen Sie ihr Gesicht trocknen, und Waschlappen sollten Sie noch öfter waschen – idealerweise nach jeder Nutzung bei 60 Grad.

 

Eine Maßnahme gilt aber für das Krankenhaus wie den Alltag gleichermaßen – die sorgfältige Händereinigung. Denn etwa 80 Prozent aller Infektionskrankheiten übertragen wir über die Hände.

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