Als Präsent überreichte Bürgermeister Christoph Tesche (r.) an die Redner des Mai-Empfangs, Mark Rosendahl (Mitte) und Olaf Kröck (l.), das neue Ruhrfestspielhaus-Puzzle, das am 1. Mai beim Volksfest auf dem Hügel für den guten Zweck zum Preis von 20 Euro verkauft wird (Foto: Stadt RE)

Recklinghausen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der kriegerische Angriff Russlands auf die Ukraine waren die bestimmenden Themen beim traditionellen Arbeitnehmerempfang, zu dem Bürgermeister Christoph Tesche am Dienstag, 26. April, Vertreter*innen der Gewerkschaften, aus den Personal- und Betriebsräten sowie aus Politik und Verwaltung eingeladen hatte.

„Zwei Jahre mussten wir wegen der Corona-Pandemie leider auf diese Veranstaltung verzichten. Mir ist es wichtig, diese Plattform vor dem Tag der Arbeit auch weiter beizubehalten und freue mich, dass es in diesem Jahr endlich wieder klappt. Der Arbeitnehmerempfang hat eine lange Tradition und die werden wir fortsetzen“, begrüßte der Bürgermeister die Gäste.

Bezug nahm Christoph Tesche in seinem Grußwort auf das Motto des DGB zum 1. Mai 2022. „Dieser lautet ‚GeMAInsam die Zukunft gestalten‘ und bringt sehr gut auf den Punkt, wie wir die Herausforderungen, vor denen wir stehen, bewältigen können“, sagte der Bürgermeister. Der völkerrechtswidrige Angriff auf die Ukraine und die dort verübten Kriegsverbrechen hätten die Welt aus den Angeln gehoben. „Ich erlebe um mich herum, wie gerade die Menschen aus der Kriegsgeneration diese Ereignisse in besonderer Weise bewegen. Dass plötzlich wieder Ängste hochkommen, die uns 70 Jahre lang fremd waren.“

Bei der Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie sieht der Bürgermeister alle gesellschaftlichen Gruppen gefordert. „Gerade in Vereinen und Verbänden ist vieles weggebrochen. Die Akteurinnen und Akteure tun sich schwer, die Strukturen aufrechtzuerhalten. Diese sind aber wichtig, wenn wir auch künftig ein friedliches und gutes Leben in Wohlstand haben wollen. Und ja, dazu können und werden auch die Gewerkschaften ihren Beitrag leisten.“

Mark Rosendahl nahm den Ball in seiner Rede dann auch dankend auf. „Es ist unverkennbar, dass wir gerade eine Zeitenwende erleben. Ein Eroberungskrieg in Europa war für uns alle vor noch wenigen Wochen unvorstellbar. Wir erleben gerade eine großartige Hilfsbereitschaft, wenn es darum geht, Flüchtlinge aus der Ukraine zu betreuen und zu versorgen. Vieles wurde auch direkt über die Belegschaften organisiert“, sagte der DGB-Regionsgeschäftsführer. Er schlug allerdings auch nachdenkliche Töne an. „Man darf schon die Frage stellen, warum Flüchtlingen aus Somalia oder Syrien nicht eine so große Hilfsbereitschaft entgegengebracht wurde. Der Gedanke von Solidarität und Nächstenliebe sollte nicht von Herkunft oder Nationalität abhängig sein. Vielmehr haben wir die Pflicht, Menschen zu helfen.“

Rosendahl erklärte, dass der DGB nicht nur mit den Menschen in der Ukraine solidarisch sei, sondern auch die Sanktionen gegen Russland mittrage. „Abgelehnt wird von uns aber ein Gasembargo. Das ist moralisch schwierig, aber ein Verzicht auf russisches Gas führt nicht zum gewünschten Ergebnis, dem Ende des Krieges. Es hätte aber massive Auswirkungen auf unsere Wirtschaft. Kommunale Versorger müssten den Weg in die Insolvenz antreten, die chemische Industrie ihre Produktion einstellen und ganze Lieferketten würden unterbrochen. Wir brauchen aber eine Wirtschaft, in der weiter Wertschöpfung stattfindet. Nur so bleibt Europa stabil und wir sind in der Lage, beim Aufbau der Ukraine helfen zu können.“

In seiner engagierten Rede beschäftigte sich der DGB-Regionsgeschäftsführer auch mit den Auswirkungen der Corona-Krise. „Durch das Kurzarbeitergeld haben wir dafür gesorgt, dass die Wirtschaft nicht zusammengebrochen ist. Zudem ist es gelungen, den Missbrauch von Werkverträgen in der Fleischindustrie einzuschränken. Die Kontrollen reichen aber hier noch nicht aus, müssen noch schärfer werden.“ Als Erfolg wertete Rosendahl, dass die wichtigen gesellschaftlichen Gruppen in Recklinghausen erfolgreich gegen Coronaleugner*innen und Querdenker*innen zusammengestanden hätten. „Die Linie der Vernunft wurde beibehalten und die breite Basis der Gesellschaft hat sich hinter unsere Initiative gestellt“, sagte der DGB-Vertreter.

Ruhrfestspiel-Intendant Olaf Kröck bekannte in seinem Redebeitrag, dass das diesjährige Motto des Kulturfestivals („Haltung und Hoffnung“) auch eine Antwort auf diejenigen sei, die Verschwörungstheorien verbreitet und versucht hätten, die Diskussionen über den Umgang mit der Corona-Pandemie zu nutzen, um die Gesellschaft zu spalten. „Da wurde ganz gezielt Angst verbreitet. Die Pandemie hat viele Defizite unserer Gesellschaft gezeigt. Diese wollen und werden wir auch mit unserem Programm aufrufen“, kündigte Kröck an. Kunst könne den Blick der Menschen auf Probleme und Herausforderungen schärfen. „Gute Kunst hat keine Antworten, sondern stellt Fragen.“

Im vierten Jahr seiner Intendanz ist Olaf Kröck froh, dem treuen Publikum der Ruhrfestspiele endlich wieder ein komplettes Programm präsentieren zu können. 650 Künstler*innen aus 20 Ländern werden 90 Produktionen zeigen. 200 Veranstaltungen locken auf den Hügel und zu anderen Spielstätten. Noch gibt es für viele Events und Aufführungen des Kulturfestivals Tickets.

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