Stetige Optimierung: Das ist das erklärte Ziel von Lars Galonska, Leiter des Tumorzentrums im Johanna Etienne Krankenhaus. Die jüngsten Auszeichnungen sind ein Ansporn (Foto: © St. Augustinus Gruppe)

Neuss. Besondere Auszeichnung für das Johanna Etienne Krankenhaus

Es ist ein Meilenstein für das Johanna Etienne Krankenhaus und für die Region: Die Further Klinik wurde gerade gleich zweifach für ihre herausragende Arbeit in der Krebsbehandlung ausgezeichnet. Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) erteilte dem „Etienne“ erstmals das Zertifikat „Onkologisches Zentrum“. Basierend darauf ernannten das Land NRW und die Bezirksregierung Düsseldorf die Klinik sogar zum onkologischen Spitzenzentrum. Damit hat das Johanna Etienne Krankenhaus die Möglichkeit, Zentrumszuschläge zu beantragen, die wiederum den Patienten zugutekommen.

„Neben uns haben das nur sechs andere Kliniken in der Bezirksregierung geschafft“, sagt Geschäftsführer Paul Kudlich. „Dass wir als vergleichsweise kleines Haus auf einer Stufe mit den Universitätskliniken Düsseldorf oder Essen stehen, macht uns sehr stolz.“ Um das zu erreichen, sei ein Kraftakt nötig gewesen, betont Lars Galonska, Leiter des Tumorzentrums. „Wir mussten unsere Prozesse und Abläufe überprüfbar schriftlich darstellen und wurden dann intensiv von vier Auditoren zwei Tage lang auf Herz und Nieren geprüft“, so der Mediziner. Insgesamt zog sich dieser Prozess über mehrere Monate hin. Rund 20 Mitarbeiter des „Etienne“ waren im Kernteam mit dem Thema befasst. An der eigentlichen Aufgabe – die Klinik und ihre Strukturen so auszubauen, dass die Onkologie entsprechend stark geworden ist – arbeitet das Krankenhaus allerdings schon seit mehreren Jahren. Und dabei wiederrum sind laut Kudlich bis heute rund 300 Personen eingebunden. „Dazu gehören Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Sparten. Neben den Onkologen auch die Chirurgen, Pneumologen, Psycho-Onkologen, Pflegefachkräfte – um nur einige wenige zu nennen“, sagt der Geschäftsführer. Dieses interdisziplinäre Selbstverständnis und die fachübergreifende Zusammenarbeit seien Aspekte, die von den Experten der DKG besonders gelobt wurden. Sie erlauben einen ganzheitlichen Blick auf jeden Patienten.

Konkret gibt es fünfmal in der Woche eine Tumorkonferenz, in der Experten aus unterschiedlichen Abteilungen das Krankheitsbild jedes Patienten besprechen, mit allen individuellen Besonderheiten und Möglichkeiten. Daneben geht das „Etienne“ auch innovative Wege. So führte es vor rund drei Jahren als eine der ersten Kliniken die sogenannten onkologischen Vertrauenspersonen ein. „Jedem Krebspatienten wird von Anfang an ein fester Ansprechpartner zur Seite gestellt, der sich um alle möglichen Fragen kümmert und immer ein offenes Ohr hat. Das sind alles examinierte Pflegefachkräfte mit speziellen Weiterbildungen“, erklärt Galonska. Und dieses Angebot bestehe sogar auch nach der Behandlung und Entlassung aus der Klinik. „Man darf nicht vergessen, was es für den Menschen bedeutet, eine Krebsdiagnose zu bekommen und wie wichtig die Seele auch bei der Genesung ist“, weiß der Oberarzt. Deshalb seien auch Psychoonkologen zentrale Ansprechpartner bei der Bewältigung dieses einschneidenden Erlebnisses. „Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht und bekommen immer wieder positive Rückmeldungen dazu“, freut sich Galonska.

Ihm sei es ein großes Anliegen, sich nicht auf der getanen Arbeit auszuruhen, sondern sich stetig weiterzuentwickeln. „Aus diesem Wunsch heraus sind wir auch den mühsamen Weg der DKG-Zertifizierung gegangen. Dahinter steckt jede Menge Arbeit, aber letztendlich ist dieser Prozess so wertvoll, weil wir von den Fachexperten zurückgespiegelt bekommen, wo wir uns noch verbessern können – und genau das wollen wir für uns und unsere Patienten.“


Wie wertvoll eine solche Auszeichnung ist, belegt eine ganz aktuelle Studie der AOK und vier regionaler Krebszentren. Betrachtet wurden umfangreiche Daten aus den Jahren 2009 bis 2017 – mit dem Ergebnis, dass die Sterblichkeit bei acht untersuchten Krebsarten in Zentren mit dem Zertifikat der DGK signifikant im zweistelligen Prozentbereich niedriger ist als in Häusern ohne Zertifikat.
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