PD Dr. Holger Grehl (Foto: EVKLN)

Duisburg. Spezialstation für Schlaganfall im Verbund Evangelisches Klinikum Niederrhein und BETHESDA Krankenhaus

Taubheitsgefühl, Sehstörungen, halbseitige Lähmungen, Schwindel oder Sprachstörungen – die Anzeichen für einen Schlaganfall können vielfältig und unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Auch sehr leichte Symptome sollten ernst genommen werden. Denn: jeder Schlaganfall ist ein lebensbedrohlicher Notfall und benötigt schnell eine kompetente Behandlung. Darauf weist PD Dr. Holger Grehl, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Verbund Evangelisches Klinikum Niederrhein und BETHESDA Krankenhaus, zum Tag gegen den Schlaganfall am 10. Mai hin.

Schlaganfall – kurz erklärt

Bei einem Schlaganfall verursacht eine Durchblutungsstörung im Gehirn, dass bestimmte Funktionen des Körpers plötzlich ausfallen. Dabei lassen sich zwei unterschiedliche Ursachen ausmachen. Bei etwa 80 Prozent der Schlaganfälle verschließt ein Blutgerinnsel ein Gefäß; bei gut 20 Prozent platzt oder reißt ein Blutgefäß. In beiden Fällen werden Gehirnzellen nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt und sterben ab. „Die Symptome sind im Wesentlichen die gleichen, aber je nach Ursache ist eine andere Therapie nötig. Ein verstopftes Gefäß muss so schnell wie möglich wieder geöffnet werden, zum Beispiel auch mit Blutverdünnern. Ist aber eine Blutung die Ursache für den Schlaganfall, dann wären Blutverdünner fatal. Mit der Therapie muss auf jeden Fall so schnell wie möglich begonnen werden, sonst sterben zu viele Gehirnzellen ab und es bleiben dauerhafte Schäden. Time is brain – sagen wir dazu“, sagt PD Dr. Holger Grehl.

Stroke Unit: Spezialstation für Schlaganfälle

Die Neurologische Klinik am Standort Evangelisches Krankenhaus Duisburg-Nord in Fahrn verfügt über eine Stroke Unit, einer Spezialstation zur akuten Schlaganfallbehandlung. Stroke Units müssen besondere Qualitätskriterien erfüllen. Dazu zählen zum Beispiel eine medizinisch-technische Ausstattung auf höchstem Niveau sowie ein speziell geschultes Personal, das regelmäßig an Fortbildungen teilnimmt und moderne Therapien einsetzt.

In der Neurologischen Klinik fußt die Schlaganfalltherapie auf zwei Säulen: der Akuttherapie und der Verhinderung eines weiteren Schlaganfalls. Ist ein Blutgefäß verstopft besteht die Möglichkeit zur Lysetherapie. Dabei wird ein spezielles Medikament als Infusion in die Vene gegeben, um das Blutgerinnsel aufzulösen. Allerdings ist die Lysetherapie nur innerhalb der ersten vier bis sechs Stunden nach einem Schlaganfall einsetzbar. Eine weitere Option ist die Thrombektomie, bei der mittels Katheter das Gerinnsel aus dem Gefäß entfernt wird. „Die Patientinnen und Patienten werden auf der Stroke Unit intensiv rund um die Uhr betreut und engmaschig an Monitoren überwacht, über die Werte wie Puls, EKG, Blutdruck oder auch Blutzucker kontinuierlich gemessen und angezeigt werden. Untersucht wird auch, ob es zusätzlich noch Risiko-Faktoren wie verengte Halsgefäße oder Herzrhythmusstörungen gibt, die dann schnellstmöglich behandelt werden. Das ist wichtig um weitere Schlaganfälle zu verhindern, weil das Risiko nach jedem Schlaganfall steigt, statistisch gesehen ist dies in den ersten Wochen sogar am höchsten“, erklärt PD Dr. Holger Grehl. Ebenfalls auf der Stroke Unit beginnen auch schon die ersten Rehabilations-Maßnahmen, wie Logo-, Ergo- und Physiotherapie und es erfolgt eine neuropsychologische Beurteilung für nachfolgende Behandlungen. „Studien belegen auch, dass die Behandlung auf einer Stroke Unit zu einem besseren Therapieergebnis führt. Durch die Kombination aus Akuttherapie, Frühüberwachung und das Erkennen und Behandlung von möglichen Risikofaktoren lassen sich in vielen Fällen Behinderungen und Pflegebedürftigkeit vermeiden“, so PD Dr. Holger Grehl.

Etwa 270.000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich einen Schlaganfall. Es ist nach wie vor die dritthäufigste Todesursache. Die Klinik für Neurologie des Verbunds Evangelisches Klinikum Niederrhein und BETHESDA Krankenhaus ist spezialisiert auf die Diagnostik und Behandlung von akuten und chronischen neurologischen Erkrankungen. Pro Jahr werden dort etwa 1000 Patientinnen und Patienten mit Schlaganfall behandelt.

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