(Foto: Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e.V.)

Moers. Zur Eröffnung Ausstellung Axel Kasseböhmer

Mit einer Doppel-Premiere beginnt der Grafschafter Museums- und Geschichtsverein in Moers e. V. (GMGV) die Saison auf Rheinpreussen Schacht IV. Ab Sonntag, 15. Mai, öffnet das Bergbaumuseum in der Fördermaschinenhalle nach zweijähriger Corona Pause mit vielen Neuerungen. An diesem Tag ist dort dank der Kooperation mit der Berliner Galerie Sprüth Magers erstmals in Moers eine Ausstellung mit Gemälden des Gerhard-Richter-Schülers Axel Kasseböhmer zu sehen. Aus dem Nachlass des Künstlers, der ein begeisterter Sammler von Bergbau-Utensilien war, stammt auch ein Großteil der neu ausgestellten Exponate, die im Schacht IV ihre Heimat gefunden haben. Ehemalige Moerser Bergleute und Helfer haben die Ausstellungsstücke in aufwendiger Arbeit restauriert und auch das Museum in vielen Bereichen völlig neu konzipiert und umgebaut.

Damit bricht für die in den Jahren 1904/1905 errichteten ehemaligen Schachtanlage Rheinpreussen im Osten von Moers ein neues Kapitel an. Das 48 Meter hohe Doppelstrebengerüst von Schacht IV gilt als das letzte Gerüst dieser Bauart im Ruhrgebiet und ist damit ein wichtiges Denkmal der Industriearchitektur. Seit 1989 steht es unter Denkmalschutz, ebenso wie die benachbarte Fördermaschinenhalle und weitere Bauten der Tagesanlagen. Bislang schon hatte der GMGV die restaurierte Maschinenhalle mit der spektakulären Fördermaschine und Umformeranlage als kleines Bergbaumuseum betrieben, dessen Konzept in drei Ausstellungsbereichen jetzt grundlegend verändert wurde.

So wurde aus dem ehemals eher schlichten Vorführraum ein repräsentativer Empfangs- und Aufenthaltsbereich, in dem auch große Teile der Sammlung Kasseböhmer ausgestellt werden, die mit über 700 Exponaten eine der bedeutendsten Privatsammlungen des deutschen Bergbaus ist. Herzstück ist eine Kollektion von 300 Grubenlampen, die es ermöglicht, über einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren Technologiegeschichte nachzuvollziehen. Einen Teil der Lampen hatte Kasseböhmer, der bis zu seinem Tod an der Akademie der Bildenden Künste in München unterrichtete, in seinem Wohnzimmer aufbewahrt. Dort führte er staunenden Studenten gerne eine Lightshow nach Art des Ruhrgebiets vor.

Tief können Ausstellungsbesucher in die Welt des Bergbaus eintauchen. In den eigens für diese Ausstellung angefertigten Vitrinen werden neben den Grubenlampen auch Sprengstoffe und Zündmaschinen gezeigt, sowie Messwerkzeuge und Karten aus der Markscheiderei und viele weitere originale Exponate rund um den Rheinpreussen Bergbau.

Ein Stockwerk tiefer haben ehemalige Rheinpreussen-Bergleute eine Waschkaue mit Original-Material nachgebaut. „Jüngere Leute wissen oft nicht einmal mehr, dass ,Kaue’ der Begriff für die Umzugsräume der Bergleute ist“, sagt André Thissen, Vorsitzender des GMGV-Arbeitskreises Schacht IV. „Allein das Geräusch, wenn ein Kauenkorb an Ketten hängend und gefüllt mit Wäschestücken schnurrend und klirrend von der Decke herab gelassen wird, erzeugt noch heute bei jedem Bergmann eine Gänsehaut“ . sagt Thissen.

Ebenfalls in neuem Gewand präsentiert eine Sammlung von historischen Rettungsgeräten, wie es sie in Deutschland vergleichbar nur im Bergbaumuseum Bochum und im Deutschen Museum in München gibt. Das älteste der gezeigten Rettungsgeräte wurde ab dem Jahr 1893 im Hamburger Hafen zuerst bei Bränden in Schiffsrümpfen eingesetzt und dann für die Zwecke des Bergbaus weiterentwickelt und als erstes Rettungsgerät für die Rheinpreussen Schachtwehren im Jahr 1895 angeschafft. Ganz bewusst haben die Ausstellungsmacher in diesem Bereich die düstere Atmosphäre des ehemaligen Batterieraums mit seinen schwarz geteerten Wänden belassen und durch entsprechende Beleuchtung noch verstärkt.

Bis auf den letzten Drücker wurde an der Ausstellung gearbeitet. Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten noch nicht. Bislang sind die Erläuterungen stellenweise sehr knapp gehalten. „Wir haben zwar ganz bewusst auf zu viel Text in den Vitrinen verzichtet, weil der die optische Wirkung beeinträchtigen würde“, sagt Thissen. Dennoch solle es noch ausführliche Erklärungen geben. Für die Zukunft wünscht er sich versenkbare Touch-Displays, auf denen Besucher über die Geschichte der Gegenstände informiert werden.

„Das ist eine Riesenleistung unserer Bergleute und ihrer Freunde“, sagt Peter Boschheidgen, Vorsitzender des GMGV. „Wenn man durch die Ausstellung geht, spürt man mit jedem Schritt, wieviel Herzblut und Fachkenntnis in die Gestaltung eingeflossen sind.“ Auch finanziell sei das neue Museum, das nur eine kleine Förderung aus dem Heimatscheck-Topf des Landes NRW erhielt, ein Kraftakt gewesen. „Umso stolzer sind wir, das weitgehend mit eigenen Mitteln gestemmt zu haben.“

Neukirchen-Vluynerin Anne Frank, gewesen. Sie schenkte die Sammlung dem Verein, der sich im Gegenzug lediglich verpflichten musste, Teile der Sammlung auszustellen. Vereinsvorsitzender Boschheidgen: „Ganz herzlich möchten wir uns zudem bei der Galerie Sprüth Magers bedanken, die speziell für diese Saison großformatige Ölgemälde von Axel Kasseböhmer zusammengestellt hat.“

 

Eröffnung: Sonntag, 15. Mai, 11 bis 17 Uhr

Night-Preview: Samstag, 14. Mai, 21 bis 23 Uhr

 

Reguläre Öffnungszeiten danach bis Ende Oktober jeweils Sonntags von 13-16 Uhr

Rheinpreussen Schacht IV
Zechenstraße 50
47443 Moers

 

Info Axel Kasseböhmer:

Als Künstler positionierte sich Axel Kasseböhmer zeitlebens abseits von malerischen Moden und Strömungen und hinterlässt ein umfangreiches Werk, das sich durch einen radikalen, konzeptuellen Ansatz zum Malen auszeichnet. Eingebettet in die historische Architektur des Maschinenraumes im Schacht IV werden sechs großformatige Arbeiten aus der Serie Landschaften gelb, grün, die sich unter Verwendung eben dieser Farben mit Themen der Umweltzerstörung auseinandersetzen.

Eine besondere Position nehmen die 18 Leinwände aus der Serie Walchensee ein, die kurz vor Kasseböhmers Tod entstanden. Die Ölfarbe auf diesen Bildern ist nicht nur gemalt, sondern gekratzt, gekämmt und getupft worden. Dabei changiert die Materialität der Farbe zwischen matt und glänzend; transparent und pastos. Das Ergebnis ist ein Panorama, das die Landschaft um den Walchensee und die mit ihr verbundene Idee der Seelenlandschaft spielerisch ins Bild setzt. Es sind Bilder, die gleichzeitig obsolet und über allen Maßen zeitgemäß wirken.

Axel Kasseböhmer (*1952, Herne (Westf.); † 2017, München) lebte und arbeitete in München. Seine Werke wurden in zahlreichen Institutionen ausgestellt, unter anderem Deichtorhallen, Hamburg; Guggenheim Museum, New York; ICA, Boston; Kunsthalle, St. Gallen; Kunstmuseum Düsseldorf; Kunstverein München; Leopold-Hoesch- Museum, Düren; Museum für Moderne Kunst, Frankfurt; Museum Ludwig, Köln; Schirn Kunsthalle, Frankfurt; The Museum of Fine Arts, Boston.

Weitere Infos und Anmeldungen für Sonderführungen: schacht4@gmgv-moers.de

Beitrag drucken
Anzeigen