(Foto: Robert Poorten/EVK Düsseldorf)

Düsseldorf. EVK-Kardiologe und Physiotherapeut informieren über die tückische Krankheit

Anfang Mai machen Experten jährlich auf den Schlaganfall aufmerksam. Dann finden bundesweit Veranstaltungen rund um die Erkrankung statt. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe macht dieses Jahr über die Bedeutung von täglicher Bewegung als Vorbeugung gegen einen Schlaganfall aufmerksam, informiert auch über die große Rolle von Bewegung für Schlaganfall-Patienten.

Ein Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Pro Jahr erleiden rund 200.000 Menschen deutschlandweit erstmals einen Schlaganfall, zudem 70.000 weitere Menschen einen wiederholten Schlaganfall. Alle drei Minuten ereignet sich in Deutschland ein neuer Schlaganfall, alle neun Minuten stirbt ein Schlaganfall-Patient.

Ein krankes Herz erhöht das Schlaganfall-Risiko. Herzerkrankungen zählen zu den häufigsten Schlaganfall-Ursachen überhaupt. Dies gilt vor allem auch für das Vorhofflimmern.

Schlaganfälle und Herzinfarkte haben häufig die gleiche Ursache. Beide lebensbedrohliche Erkrankungen werden in vielen Fällen durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht, das ein Gefäß verstopft. Die von der Durchblutung abgeschnittenen Bereiche sind dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gewebe stirbt ab, es kommt zum Infarkt. Steckt das Gerinnsel im Herzen fest, ist ein Herzinfarkt die Folge. Wird das Blutgerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn getragen, droht ein Schlaganfall.

Mit Prof. Dr. Christian Meyer, Chefarzt der Kardiologischen Klinik im EVK Düsseldorf und Frank-P. Bossert MAS, Leiter des Institutes für Physiotherapie im EVK Düsseldorf befragen wir zwei Experten, um den Zusammenhang von Herz und Schlaganfall besser zu verstehen. Und auch um deutlich zu machen, wie wichtig Physiotherapie bei einer Erkrankung ist.

Herz und Schlaganfall: wie hängt beides zusammen?

Prof. Dr. Christian Meyer: Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauferkrankungen können die Herzfunktion und den Blutfluss im Herzen beeinträchtigen und damit das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Vorhofflimmern – die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung – spielt hierbei eine zentrale Rolle. Ein Gerinnsel im Herzen ist dabei die häufigste Ursache für einen Schlaganfall. Dieses Gerinnsel entsteht häufig dadurch, dass der Herzrhythmus aus dem Takt geraten ist.

 

Warum spielt gerade das Herz eine so große Rolle bei einem Schlaganfall?

Prof. Dr. Christian Meyer: Herzkreislauferkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache weltweit. Ursachen für einen Schlaganfall wie auch das Vorhofflimmern nehmen im Alter zu. In der Gruppe der 80-Jährigen sind etwa 10 Prozent vom Vorhofflimmern betroffen. Wir gehen heute davon aus, dass Schlaganfälle auf Grund einer Minderdurchblutung des Gehirns bei jedem fünften Schlaganfallpatienten im Zusammenhang mit einem Gerinnsel aus dem Herzen steht. Die Anzahl der Schlaganfälle im Zusammenhang mit Vorhofflimmern hat dementsprechend in den vergangenen Jahren zugenommen. Früherkennung von Vorhofflimmern ist wichtiger denn je!  Wer Herzstolpern oder einen unregelmäßigen Puls wahrnimmt, sollte auf jeden Fall zum Arzt, um das abklären zu lassen.

 

Was sind die größten Risiken für einen Schlaganfall?

Prof. Dr. Christian Meyer: Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall. Liegt Vorhofflimmern vor, erhöht sich das Risiko für einen Schlaganfall mit zunehmendem Alter noch einmal deutlich. Dies trifft für Frauen stärker zu als für Männer. Kommt eine eingeschränkte Nierenfunktion oder ein Diabetes hinzu, wird das Risiko noch einmal zusätzlich erhöht. Dabei zur Vorbeugung spielt ein aktiver Lebensstil eine hilfreiche Rolle.

 

Wie kann ich erkennen, ob ich einen Schlaganfall habe?

Prof. Dr. Christian Meyer Die Symptome des Schlaganfalls sind vielfältig. Typisch ist unter anderem eine Beeinträchtigung des Sehens, des Sprechens, und auch in der Bewegung. Bei derartigen Symptomen sollte sofort gehandelt werden und eine neurologische Abklärung stattfinden.

 

Wie kann ich vorbeugen, die Risiken minimieren?

Frank-P. Bossert MAS: Zunächst durch den Ausschluss möglicher Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Übergewicht. Dann spielt Bewegung als Vorbeugung die wichtigste Rolle. Wir empfehlen täglich mindestens 30 Minuten moderate körperliche Aktivität wie z.B. zügiges Gehen an fünf Tagen der Woche oder mindestens 20 Minuten intensive körperliche Aktivität wie z. B. Laufen an drei Tagen einer Woche.

 

Kann ich nach einem Schlaganfall wieder ein normales Leben führen? Auch mit Sport?

Prof. Dr. Christian Meyer: Das Ziel nach einem Schlaganfall ist es, die Lebensqualität wiederherzustellen. Inwieweit dies möglich ist, hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere dem Ausmaß des Schlaganfalles. Dabei werden die Empfehlungen für Aktivität und Sport stets eng im behandelnden ärztlichen und therapeutischen Team abgestimmt.

 

Welche Rolle spielt Physiotherapie bei einem Schlaganfall-Patienten?

Frank-P. Bossert MAS: Unabhängig von der Phase, in der sich ein Schlaganfallpatient befindet, ist regelmäßige Physiotherapie der wesentliche Bestandteil für die Wiedereingliederung in das tägliche Leben.

 



Weiterführende Infos:

www.evk-duesseldorf.de/kardio
www.schlaganfall-hilfe.de
www.herzstiftung.de

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