Prof. Dr. med. Alexander Kreuter, Chefarzt Dermatologie, Venerologie und Allergologie und Leiter des Hauttumorzentrums an der Helios St. Johannes Klinik Duisburg und der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen (Foto: Helios)

Duisburg/Oberhausen. Weltbienentag am 20. Mai

Eine unachtsame Bewegung und schon ist es geschehen – Bienen und Wespen stechen schnell zu, wenn sie sich bedroht fühlen. Viele Menschen versetzt das in Panik. Schließlich gehen mit dem schmerzhaften Einstich meist unangenehme Rötungen und Schwellungen einher. Noch dazu leiden rund 20 Prozent der Deutschen an einer übersteigerten örtlichen Reaktion auf Insektengift. Bei fünf Prozent der Betroffenen treten sogar Ganzkörperreaktionen wie Ausschlag, Atemnot oder Herz-Kreislauf-Reaktionen auf. Prof. Dr. Alexander Kreuter, Chefarzt der Klinik für Dermatologie an der Helios St. Johannes Klinik Duisburg und der Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen, klärt über die wichtigsten Fragen rund um das Thema auf.

 

Erste Hilfe: Was ist sinnvoll bei einem Bienen- oder Wespenstich?

Viele Menschen versetzen die Stiche von Insekten in Panik. Dazu besteht erst einmal aber kein Grund. Wichtig ist es, Ruhe zu bewahren und schnell, aber besonnen zu reagieren.

  • Setzen Sie sich und kühlen Sie die Einstichstelle mit Kältekompressen oder Eiswürfeln, dies lindert die Schmerzen und den Juckreiz.
  • Generell kann bei Bienenstichen der Stachel mit anhängender Giftblase in der Haut verbleiben. Entfernen Sie diesen rasch mit einer Pinzette oder durch Beiseiteschieben mit dem Fingernagel, ohne die Giftblase zu entleeren.
  • Ebenfalls helfen können Hausmittel wie eine Scheibe Zitrone oder ein Stück rohe Zwiebel, die Sie für ein paar Minuten auf den Stich pressen. Um das Gift zu neutralisieren, kann Hitze, z.B. durch einen sogenannten Stichheiler, helfen.
  • Um den Juckreiz zu lindern, können Sie in der Apotheke zusätzlich rezeptfreie Gels oder Cremes kaufen.
  • Bei Stichen im Mund oder einer bekannten Allergie gegen Bienen- oder Wespengift sollte im Zweifel der Rettungsdienst gerufen werden, insbesondere, wenn Symptomen wie eine geschwollene Zunge, ein geschwollener Hals sowie Atemnot auftreten. Ist der Stachel im Mund, an der Lippe oder der Zunge zu sehen, kann eine andere Person ihn vorsichtig entfernen. Wenn dies nicht schnell und einfach möglich ist, sollten aufgrund der Gefahr einer zunehmenden Schwellung der Luftwege keine weiteren Maßnahmen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes unternommen werden. Im Falle eines Atemstillstandes müssen Wiederbelebungsmaßnahmen bis zum Eintreffen des Notarztes vorgenommen werden.

Zusätzlich wichtig: Wurden Sie im Mundraum von einer Biene oder einer Wespe gestochen, sollten Sie auf keinen Fall etwas trinken, sondern am besten vorsichtig Eiswürfel lutschen oder eiskalte Halsumschläge anlegen, um die Schwellung zu lindern.

 

Ist eine Insektengiftallergie angeboren?

Einige Menschen sind grundsätzlich anfälliger für Allergien, aber nicht alle entwickeln auch eine Allergie gegen Insektengifte. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Oft zeigt sich die Allergie erst nach wiederholten Stichen – es ist also möglich, dass die Körperreaktion beim ersten Stich noch normal ausfällt, sich im Laufe des Lebens aber dennoch eine Allergie entwickelt.

 

Allergisch oder nicht – wie kann man das erkennen?

Ein Bienenstich ist kurz und schmerzhaft. Es entsteht eine Hautreaktion, die juckt und bis zu 24 Stunden anhalten kann. Von einer Allergie spricht man nur, wenn nicht nur die Stichstelle anschwillt, sondern auch fern vom Stich Beschwerden wie Atemnot oder Lippen- bzw. Zungenschwellung auftreten. Das kann so weit gehen, dass der ganze Körper betroffen ist. Symptome sind beispielsweise Nesselsucht, Übelkeit, Schluckbeschwerden und Atemnot. Im schlimmsten Fall droht ein allergischer Schock mit Bewusstlosigkeit.

 

Sind Bienen also gefährlich?

Zunächst muss man festhalten, dass die meisten Menschen von Wespen, nicht von Bienen gestochen werden. Bienen greifen in der Regel nur an, um sich zu verteidigen. Dafür ist ihr Stich schmerzhafter als der von Wespen, weil der Stachel nach der Attacke in der Haut verbleibt und dadurch mehr Gift in den Körner gelangt. Generell gilt: Wenn sich eine Biene oder eine Wespe nähert, Ruhe bewahren. Hektische Bewegungen schaden eher, als dass sie nutzen. Wer allergisch ist, sollte sich langsam vom Insekt entfernen, bis es weitergeflogen ist.

 

Was tun bei einer Allergie gegen Bienen- oder Wespenstiche?

Allergiker sollten immer ein Notfallset mit sich führen, um im Fall der Fälle reagieren zu können. Eine Möglichkeit, die Allergie langfristig in den Griff zu bekommen, ist die Hypersensibilisierung, jetzt modern Spezifische Immuntherapie genannt. Dabei wird der Körper unter enger Begleitung des behandelnden Arztes langsam an das Gift gewöhnt. In den meisten Fällen verschwindet die Allergie so nach drei bis fünf Jahren.



Wundbehandlung mit Honig – ist das ratsam? Ein kleiner Exkurs
Seit Jahrtausenden wird Honig in der Medizin verwendet. Auch die moderne Forschung beschäftigt sich in zahlreichen Studien mit dem Naturprodukt und seinen heilfördernden Eigenschaften. Dass Honig eine antibakterielle Wirkung besitzt, konnte daher inzwischen tatsächlich nachgewiesen werden. „Er schafft aus verschiedenen Gründen schlechte Bedingungen für Bakterien,“ erklärt Prof. Dr. Alexander Kreuter. „Denn er bildet auf der verletzten Stelle eine Barriere, wodurch verhindert wird, dass weitere Bakterien in die Wunde eindringen können. Durch den hohen Zuckergehalt entzieht Honig der Wunde zudem Wasser, was Erregern schadet.“ Hinzu kommt, dass er einen pH-Wert unter 7 besitzt, rein chemisch betrachtet also eine Säure ist. Je nach Sorte sind auch antibakteriell wirksame Bestandteile enthalten, etwa Enzyme oder das Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal wie im Manuka-Honig.
Kann Honig also bedenkenlos auf offene Verletzungen geschmiert werden? „Eher nicht, denn je nach Sorte unterscheidet sich die antibakterielle Wirkweise. Bei einigen ist der medizinische Nutzen sogar kaum bis gar nicht vorhanden und sie können Schaden verursachen. Handelsüblicher Honig etwa kann Bakteriensporen und Pilze enthalten, die der Wunde schaden würden“, warnt der erfahrene Hautarzt. „Honig aus dem Supermarkt eignet sich also nicht für die Behandlung offener Wunden.“
Im ärztlichen Bereich darf Honig nur verwendet werden, wenn er ausdrücklich als Medizinprodukt ausgewiesen wurde. Dieser sogenannte medizinische Honig wurde mit Gamma-Strahlen sterilisiert und ist damit keimfrei. Studien weisen darauf hin, dass medizinischer Honig gegen resistente MRSA-Erreger wirken kann. Trotzdem ist die Anwendung in der professionellen Wundversorgung umstritten. „Medizinischer Honig soll nicht bei allen Wundarten gleich gut wirken, außerdem geht eine Behandlung im Vergleich zu klassischen Mitteln teilweise mit höheren Schmerzen einher. Ob eine Anwendung sinnvoll ist, muss daher von Fall zu Fall betrachtet werden“, fasst Kreuter zusammen.
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