Sie tauschten sich über die Situation in der Ukraine und die Lage der Geflüchteten in Deutschland aus (v.l.): Christian Coenen (Geschäftsführer der Coenen Neuss GmbH & Co. KG), Iryna Shum (Generalkonsulin der Ukraine), Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein), und Dr. Max Lennertz (Vorstand des Vereins Schnelle Nothilfe) (Foto: IHK)

Neuss. „Das hat uns Mut gemacht“

Lebensmittel, Medikamente, Matratzen, Werkzeug – nach der russischen Invasion sind die Menschen in der Ukraine dankbar für Hilfsgüter aller Art. Die Spendenbereitschaft der Bürger und Unternehmen in Deutschland ist enorm – auch im Rhein-Kreis Neuss. „Diese große Hilfsbereitschaft ist überwältigend und hat meinen Landsleuten Mut gemacht“, sagte Iryna Shum. Die Generalkonsulin der Ukraine war zu Gast in Neuss und hat sich mit Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, Christian Coenen, Geschäftsführer der Coenen Neuss GmbH & Co. KG, und dem in der Ukraine-Hilfe engagierten Unternehmer Dr. Max Lennertz ausgetauscht.

Ein Beispiel für die Hilfsbereitschaft der Neusser Wirtschaft ist das Engagement von Coenen, einem Spezialisten für Arbeitsschutz, Betriebseinrichtung und Industrietechnik. „Wir haben mehrere Paletten Schutz- und Arbeitskleidung, Arbeitsschuhe und Atemschutzausrüstung zur Verfügung gestellt – Dinge, die in der Ukraine dringend gebraucht werden, um Schutt wegzuräumen, Leichen zu bergen und Schäden zu beseitigen“, so Coenen. Das Material wurde dann dem Verein Schnelle Nothilfe übergeben, der die Güter in Eigenregie per Lkw in die Ukraine brachte und vor Ort den Menschen aushändigte. „Wir sind in Butscha, Kiew, Charkiw, Riwne, Lwiw und Odessa aktiv“, berichtete Lennertz, Vorstand des neu gegründeten Vereins, der inzwischen 117 Mitglieder hat und bereits 620 Tonnen Material in die Ukraine gebracht hat. „Wir haben hier in Neuss ein fantastisches Netzwerk großzügiger und engagierter Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereit sind, schnell und unkompliziert zu helfen.“

Die Spendenbereitschaft der IHK-Mitgliedsunternehmen sei groß, erklärte Steinmetz. „Es ist allerdings zu befürchten, dass der Krieg noch länger dauern wird. Daher wird es darauf ankommen, dass die Hilfsbereitschaft noch länger anhält.“ Die IHK stehe Unternehmen, die helfen wollten, als Ansprechpartner zur Verfügung und vermittle Kontakte zu Vereinen, Initiativen und Unternehmen, die sich in der Ukraine-Hilfe engagieren.

Mit Blick auf die tausenden an den Niederrhein geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer betonte die Generalkonsulin: „Früher oder später werden viele Geflüchtete arbeiten und Geld verdienen wollen, auch um ihre Familien in der Ukraine zu unterstützen.“ Angesichts des Fachkräftemangels in der Wirtschaft seien engagierte und qualifizierte Mitarbeiter sehr willkommen, entgegnete Steinmetz. Er wirbt bei den Unternehmen dafür, nicht vor den möglichen bürokratischen Hürden zurückzuschrecken.

Als Voraussetzung für eine Anstellung müssen Geflüchtete bei der Ausländerbehörde einen Antrag auf „Vorübergehenden Schutz“ stellen. Sobald der Antrag gestellt ist, wird die sogenannte Fiktionsbescheinigung ausgestellt. Wenn darauf vermerkt ist, dass die Erwerbstätigkeit erlaubt ist, können Unternehmen die Person beschäftigen. Wird ein Arbeitsvertrag abgeschlossen, ist die Anmeldung bei einer Krankenversicherung notwendig. Dies können Arbeitnehmer oder Arbeitgeber erledigen. Die Steueridentifikationsnummer erhält der Geflüchtete nach der Anmeldung bei der zuständigen Meldebehörde automatisch. Der „Vorübergehende Schutz“ gilt nach jetzigem Stand bis zum 4. März 2024.

Steinmetz warb auch für das IHK-Angebot FOSA (Foreign Skills Approval). Dabei können sich Geflüchtete die Gleichwertigkeit ihrer beruflichen Qualifikationen mit deutschen Abschlüssen und Qualifikationen attestieren lassen. „Das trägt dazu bei, dass die geflüchteten Menschen dann hier bei uns auch tatsächlich entsprechend ihrer Fähigkeiten arbeiten können“, erläuterte Steinmetz. „Davon profitieren die Beschäftigten und die Unternehmen gleichermaßen.“

Informationen über Schnelle Nothilfe e.V. sind auf der Website des Vereins zu finden: www.schnelle-nothilfe.de

Ein Überblick über die diversen Angebote der IHK zum Thema „Ukraine“ steht online zur Verfügung: www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/28004

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