Noemi Rothe (r.) und Frank Bienkowski (m.) mit Superintendentin Dr. Barbara Schwahn (Foto: Furchheim)

Krefeld/Kreis Viersen. „(Ehrenamtliche) Seelsorge – neue Energie für Kirchengemeinde- und Kirchenentwicklung“ – damit befasste sich die Frühjahrssynode des Evangelischen Kirchenkreises Krefeld-Viersen am Samstag in Krefeld. „Wie wollen wir nach und mit Corona Kirche sein“, leitete Superintendentin Dr. Barbara Schwahn zu Beginn der Tagung im Seidenweberhaus den Vortrag ein. Seelsorge sei gefragter denn je, das habe sich während der vergangenen zwei Jahre deutlich gezeigt. „Seelsorge“ war auch zentrales Thema zuvor im Gottesdienst in der Alten Kirche, den Pfarrerin Doerthe Brandner aus Hüls und Pfarrer Christian Dierlich aus St. Tönis leiteten.

„Seelsorge ist Aufgabe aller Christ:innen“, betonte Pfarrerin Ulrike Mummenhoff, Dozentin für

Seelsorge am Pastoralkolleg Villigs, in ihrem Impulsvortrag. Nach Martin Luthers Verständnis sei Seelsorge nicht an Pfarrpersonen und Hauptamtliche gebunden. Dabei sei wichtig, zu unterscheiden, „Wir sind Seelsorgende, keine Therapeuten.“ In einem Referat auf der Landessynode der Ev. Kirche im Rheinland im Januar sei diese Unterscheidung noch einmal verdeutlicht worden: „In der Therapie geschieht ein Gespräch zwischen Klient und Therapeut. In der Seelsorge ist mit Gott ein weiterer Teilnehmer dabei, der die Gesprächssituation mitträgt oder auch beeinflusst.“

Mummenhoff betonte, dass dort wo Seelsorge erfahren wird, sie wertgeschätzt wird. Das zeige beispielsweise die Studie einer Reha-Einrichtung. 85 Prozent der Patienten waren der Ansicht, dass Seelsorge Einfluss auf ihre gesundheitliche Verbesserung hatte. Ehrenamtliche Seelsorge habe schon lange Tradition. Etwa in der Telefonseelsorge, ebenso wie in der Notfallseelsorge, die beide inzwischen mehrheitlich von Ehrenamtlichen getragen werden. Nach ihrer Ausbildung weiter begleitet und unterstützt durch Hauptamtliche, Fortbildungen und Supervisionsgruppen. Seelsorge-Ausbildungen für Ehrenamtliche werden zunehmend angeboten – und die Kurse seien ausgebucht. Es sei bemerkenswert, wie viele neue Menschen damit erreicht würden. Und es sei erstaunlich, dass der Großteil der ehrenamtlichen Seelsorgenden zu Beginn ihrer Ausbildung überhaupt keine Gemeindeanbindung gehabt habe. Diese sei erst während der Ausbildung entstanden. Einsatzorte für ehrenamtliche Seelsorge gebe es genug: in Gemeinde oder etwa bei der Entlassung aus dem Krankenhaus im Übergang zum häuslichen Umfeld, ob in Altenheimen oder in der Hospizarbeit. Wichtig sei auch, dass Seelsorgeausbildung sowie Fortbildungen und Supervision finanziell durch den Kirchenkreis abgesichert sind. Und Seelsorge über ihn beauftragt wird. Denn dann können sie sich auf das Seelsorgegeheimnis berufen. „Seelsorge ist etwas Wunderbares“, unterstrich Pfarrerin Mummenhoff.

Die Synode beschloss die Bildung eines kreiskirchlicher Seelsorgeausschuss, in dem Seelsorgenden aus allen Bereichen miteinander beraten sollen: ebenso aus Gemeinden, wie aus den anderen Seelsorgefeldern in Krankenhaus, Schule und JVA sowie Telefon- und Notfallseelsorge. Auch der Bereich Rettungsdienst / Polizei soll im Ausschuss vertreten sein.

Berichte aus den Regionen

Die Bildung der Regionen im Kirchenkreis, wie im Herbst 2020 beschlossen, ist weiter vorangeschritten. In der Region An Niers und Nette wird ab 1. Januar 2023 die Evangelische Kirchengemeinde An der Nette entstehen, aus der Fusion der Kirchengemeinden Bracht-Breyell und Kaldenkirchen. In Krefeld wird über die Gründung einer Gesamtkirchengemeinde, vermutlich mit Gemeindebereichen, diskutiert. In Meerbusch wollen mit Büderich und Osterath zwei der drei Gemeinden zum 1. Januar 2024 fusionieren. In der Region Viersen und der Region Kempen-St. Tönis-Anrath-Vorst-Willich, ebenso wie in den anderen Regionen, vernetzen sich die Gemeinden zunehmend und kooperieren verstärkt miteinander. Wobei Kempen, St. Hubert und Tönisberg bereits zum 1. Januar 2021 fusionierten.

Konzept eines Eigenbetriebs für evangelische KiTas wird erstellt

Der Beschluss der Synode 2021 hatte bereits die Synodenbeschlüsse von 2015 und 2016 bekräftigt: „Die Sicherung der Arbeit der Kindertagesstätten ist eine Aufgabe der Gemeinschaft der Gemeinden im Kirchenkreis.“ Eine Projektgruppe erhob und analysierte alle relevanten internen Daten und wertete Erfahrungen aus vier externen Modellen von Trägerzusammenschlüssen aus. Sie empfiehlt, einen Eigenbetrieb für Kindertagesstätten im Kirchenkreis zu gründen. Dieses Konzept kann jetzt weiter ausgearbeitet werden: Die Projektgruppe soll, so beschloss die Synode, „bis vier Wochen zu ihrer Herbsttagung 2022 ein beschlussfähiges Konzept zur Ausgestaltung eines Eigenbetriebes für Kindertagesstätten vorstellen. Das Konzept beinhaltet finanzielle, rechtliche, haftungsrechtliche und organisatorische Aspekte.“

So könnte der Eigenbetrieb zum 1. August 2023 starten. Die Synode „empfiehlt den Gemeinden die Trägerschaft ihrer Kitas in den Eigenbetrieb zu überführen. Die Presbyterien der einzelnen Gemeinden sollen bis zur Herbstsynode entscheiden, in welchem Umfang sie sich vorstellen können, Unterstützung bei einzelnen Trägeraufgaben vom Eigenbetrieb abzurufen, und ob sie sich vorstellen können, ihre Kita in den Eigenbetrieb zu überführen“.

Durch die Gründung eines Eigenbetriebs werden die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Gemeinden von Verwaltungsarbeit entlastet. Damit soll das flächendeckende Angebot an evangelischen Kita-Plätzen in Krefeld-Viersen und die ca. 1.700 Plätze erhalten, bei Bedarf sogar ausgebaut werden.

Zahlen zu evangelischen KiTas im Kirchenkreis:

Die kirchlichen Träger im Ev. Kirchenkreis Krefeld-Viersen betreiben 23 Kitas mit 85 Gruppen mit insgesamt 1.695 Plätzen (Kita-Jahr 2022/2023).

Die kirchlichen Träger beschäftigen direkt in den Kindertagesstätten 383 Mitarbeiter:innen.

Das ist die deutliche Mehrheit der im kirchlichen Bereich hauptberuflich angestellten Mitarbeitenden.

Für die Kindertagesstätten wendet die Gemeinschaft aller Einrichtungen im Kirchenkreis 11,7 Prozent der ihnen netto zur Verfügung stehenden Einkünfte aus Kirchensteuern auf. Mit jedem so investierten Euro generieren die Träger 8,70 Euro oder mehr an weiteren öffentlichen Mitteln.

In den letzten tatsächlichen Abrechnungen kostete jeder Kita-Platz pro Jahr im Schnitt 895 Euro aus Kirchensteuermitteln, bzw. pro Gemeindeglied im Kirchenkreis 15,35 Euro.

Ökologischer Fußabdruck der Gemeinden

Auf dem Weg zum ökofairen Kirchenkreis befindet sich Krefeld-Viersen. Die Gemeinden haben mit Unterstützung von Klaus Armonies, Umwelt- und Energiebeauftragter des Kirchenkreises, Energiekennzahlen ihrer Gebäude erhoben. Zudem wurden Daten im Grünen Datenkonto bewertet. „Durch diese Vorlage wissen wir zum ersten Mal, wie der ökologische Fußabdruck in Gemeinden aussieht“, betont Armonies. Bis 2035 sollen, so eine Vorgabe der Landeskirche, alle Gebäude klimaneutral sein. Dazu müssen die Gemeinden bis 2027 entscheiden, welche Gebäude sie behalten wollen.

Wahlen ins Leitungsgremium

Noemi Rothe wurde bei der Kreissynode in eine ständig stimmberechtigte Position gewählt. Im vergangenen Jahr war sie in den Kreissynodalvorstand (KSV) gewählt worden, als Stellvertreterin. „Die Zukunft der Kirche ist mir wichtig. Ich möchte, dass Kirche weiter existiert“, meinte die 23jährige aus St. Hubert bei ihrer Vorstellung. Neu im KSV ist Frank Bienkowski aus Lobberich, der die Stellvertreter-Position von Rothe einnimmt. Der Unternehmensberater möchte etwas zurückgeben, was er an Hilfe in schwerer Zeit erhalten habe. Die Wahl und Neuwahl war notwendig, da Rüdiger Leibauer aus der Ev. Kirchengemeinde Grefrath aus zeitlichen Gründen aus dem Gremium ausschied.


Die Synode des Ev. Kirchenkreises Krefeld-Viersen besteht zurzeit aus 131 Synodalen. Ihr gehören an: die Mitglieder des Kreissynodalvorstandes, Delegierte der 23 Gemeinden, aus kirchlichen Einrichtungen und Arbeitsfeldern sowie berufene Mitglieder. Der Ev. Kirchenkreis Krefeld-Viersen erstreckt sich von Nettetal an der Grenze zu den Niederlanden bis an den Rhein und umfasst die Stadt Krefeld, den Landkreis Viersen und Meerbusch. Ihm gehören knapp 92.000 evangelische Christinnen und Christen an. Die Kreissynode ist das Leitungsgremium des Kirchenkreises. Ihm stehen Kreissynodalvorstand und – an seiner Spitze – die Superintendentin vor.

Der Kreissynodalvorstand wird von der Kreissynode gewählt und mit der Leitung des Kirchenkreises und der Durchführung der Beschlüsse beauftragt. In der Regel kommt der Kreissynodalvorstand in monatlichen Sitzungen zusammen. Der Kreissynodalvorstand besteht aus sieben Personen: drei Pfarrer/Pfarrerinnen und vier Gemeindemitglieder. Sie werden „Synodalälteste“ genannt. Zudem gibt es stellvertretende Mitglieder.

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