Es geht um Trauer, Abschied und um Hoffnung: „Der „Raum der Stille“ im Hospiz am Blumenplatz ist jetzt neu gestaltet (Foto: Hospiz am Blumenplatz / Nadia Joppen)

Krefeld. „Wir sind froh, dass wir dank dieses Förderers den Raum der Stille umgestalten konnten“: Prof. Roland Besser (Vorsitzender Hospiz Stiftung Krefeld) und Hospiz-Leiter Alexander Henes können den Gästen und ihren Angehörigen jetzt einen den heutigen Bedürfnissen angepassten Rückzugsraum für Abschied, Trauer und Hoffnung anbieten. In den vergangenen Monaten ist der „Raum der Stille“ nach einem Konzept der Innenarchitektin Katharina Höfer, Büro raumkonzept in Duisburg, umgestaltet worden. Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Raumplanung für soziale Einrichtungen wie Pflegeheime oder Hospize. Sie wolle „passgenaue Räume“ entwerfen, sagt sie: „Das ist bei der Arbeit mit Menschen, die man nach ihrem Bedarf fragen kann, nicht schwer. Bei Nutzergruppen, die gesundheitlich oder emotional stark beeinträchtigt, multimorbide, vom Sterben eingenommen etc. sind, also Menschen in sog. ‚Ausnahmesituationen‘, braucht es empirische Grundlagen, um über das schlichte ‚es gut meinen‘ hinaus zu kommen.“ Dabei helfe die Architekturpsychologie.

Im konkreten Fall hat der Zuschnitt des „Raums der Stille“ – keine 20 m² Grundfläche und dabei 3,50 m hoch – Vorgaben gesetzt: „Die Raumkubatur vermittelt schon viel ‚Oben‘. Im christlichen Weltbild geht jemand in den Himmel (nach oben), über die Grenze, und die An- und Zugehörigen bleiben ‚unten‘ zurück“, so die Duisburger Innenarchitektin. Die bevorstehende Grenzerfahrung sei Thema der Menschen, die im Raum der Stille Zuflucht suchen – ob sie im Begriff sind, selbst zu gehen oder jemanden gehen zu lassen.

Im Raum wird dieses Grenzthema erlebbar: An allen Wänden umlaufend ist auf gut zwei Meter Höhe ein 4 cm breiter, grauer Streifen, der den Raum teilt und das „Unten“ zu einer Mulde macht. Die Farb- und Materialauswahl verleiht dem „Unten sein“ Gewicht und versieht das „Oben“ mit Licht, als Zeichen der Hoffnung jenseits der Grenze. Der untere Teil der Wände ist in einem hellen Erdton/ Sand gestrichen, oberhalb sind alle Wände weiß. Unten gibt es eine Sitznische, in der man, durch die geringe Deckenhöhe von gut zwei Metern, ähnlich wie in einem Strandkorb, behütet ist. Ein Rückzugsort, von dem aus man die von dort aus sichtbare Grenze erleben und wirken lassen kann. Oberhalb der Nische ist ein erhellter, etwas verborgener Hohlraum. Über all der Zurückgezogenheit und Trauer ist Licht. Der Boden mit moccabraunem Naturfaserteppich ist eine Geste für Erde, festen Boden, mit Anmutung von Sicherheit. Über einen Richtungswechsel in der Teppichstruktur ist in der Raummitte ein Kreis (1,5 m Durchmesser) erkennbar. Er lädt ein, auch in dieser wohl schwersten Lebenssituation, einen Standpunkt einzunehmen, die Nische zu verlassen, sich zu stellen und dann wieder Schutz zu suchen.

Im Rahmen seines bürgerlichen Engagements wurde die Finanzierung des Projektes von dem Krefelder Unternehmer Peter Benger übernommen. Er hat die Umgestaltung intensiv begleitet und dem Raum mit seinem Lebensmotto „Der Wandel ist die einzige Konstante im Leben“ ein Leitmotiv gegeben.

„Der Raum strahlt ein hohes Maß an Ruhe und Stille aus, in dem die Trauernden sich mit ihrem Verlust in einer würdevollen Atmosphäre auseinandersetzen können und existenzielle Fragen – Warum, warum jetzt?, wie geht es weiter? auf sich wirken lassen können“, meint er.

Die Idee der Förderung ist aus einer privaten Bekanntschaft mit dem Hospizleiter Alexander Henes entstanden. Der Förderer hat selbst schon als junger Mensch seinen Vater verloren. „Man empfindet den Verlust wie ein schwarzes Loch, aber das Leben geht weiter.“. In diesem Sinn soll der Raum der Stille eine Unterstützung bei der Trauerarbeit leisten. Peter Benger möchte die Spende als Geschenk mit bleibendem Wert für die Allgemeinheit verstanden wissen.

InfoKlick: www.hospiz-krefeld.de

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