Ajdin Reiz (r.) in seinem Kampf gegen den Ungarn Pal Olah (Foto: Sedat Sahan)

Krefeld. Acht Siege, vier davon durch K.o. und ein Unentschieden. So klingt die eindrucksvolle Bilanz von Profiboxer Ajdin Reizovic. Der 25-Jährige ist jedoch nicht nur im Boxring ein Champion: An der Hochschule Niederrhein steht er kurz vor seinem Bachelorabschluss im Studiengang Maschinenbau mit Schwerpunkt Produktionstechnik am Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik.

„Mir war immer wichtig, neben meiner Boxkarriere auch noch etwas Anderes zu machen. Irgendwann ist es mit dem Boxen vorbei und da möchte ich vorbereitet sein“, so Ajdin Reizovic, der sich in der Box-Welt Ajdin Reiz nennt. „Das ist einfacher zu merken“, erklärt der Duisburger, der im Halbmittelgewicht (bis 69,8 Kilogramm) boxt.

Mentor und Freund ist kein Geringerer als der fünfmalige Profibox-Weltmeister Felix Sturm, den er seit Kindertagen kennt. Reiz‘ nächster Kampf steigt am 2. Juli im hessischen Bad Wildungen.

Auf die Hochschule Niederrhein ist er durch einen Informationstag am Duisburger Bertolt-Brecht-Berufskolleg aufmerksam geworden. Seinerzeit war das Formula-Student-Team in Duisburg zu Gast und hatte den hochschuleigenen Rennwagen im Gepäck. „Das fand ich so cool, dass ich mich näher über die Hochschule Niederrhein informiert habe. Schnell war klar, dass ich dort mein Maschinenbaustudium absolvieren wollte“, berichtet der Profiboxer und fügt hinzu: „An der Hochschule Niederrhein ist es sehr familiär, wir kennen unsere Professoren persönlich. Hier kann ich meinen Weg gehen.“

Am Fachbereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik freut man sich über den Erfolg des Boxers. „Wir haben Ajdin Reizovic als sehr engagierten und fleißigen Studenten wahrgenommen. Es ist toll, dass er so ehrgeizig ist und beides unter einen Hut bekommt“, sagt Professor Dr. Norman Lupa, Dekan des Fachbereichs.

Das Zusammenbringen von Sportkarriere und Studium war dabei gar nicht immer so einfach. Bis zu zweimal am Tag trainiert der 25-Jährige in einem Duisburger Box-Camp. Dazu kommen Vorlesungen, Projektarbeiten und Klausuren.

„Meine Kommilitonen haben bei der gemeinsamen Klausurvorbereitung immer Rücksicht auf mich genommen und sich nach meinen Trainingszeiten gerichtet. Dafür bin ich ihnen wirklich dankbar“, so Reiz. „Wenn die Klausurphase und die intensive Phase der Kampfvorbereitung in die gleiche Zeit fielen, habe ich mich öfters gefragt, ob ich das noch alles schaffe. Aber ich habe einen starken Willen und es deswegen hinbekommen. Und wenn ich das schaffe, können andere Profisportler das auch schaffen“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht.

Momentan schreibt er seine Bachelorarbeit beim TÜV Nord in Duisburg. Eine eigene TÜV-Prüfstelle ist neben dem WM-Gürtel im Halbmittelgewicht der große Traum des Ajdin Reiz: „In der 7. und 8. Klasse war für mich klar, dass ich eines Tages für den TÜV arbeiten wollte. Das hat mich immer schon fasziniert.“ Entscheiden, welchen Karriereweg er lieber weiterverfolgen möchte, mag sich der sympathische Faustkämpfer nicht: „Ich habe einen Plan A und einen zweiten Plan A. Ich möchte einfach beides erreichen“.

Da ist sie wieder, die Willenskraft. Sportler und Studierende brauchen sie gleichermaßen, um erfolgreich zu sein. Ajdin Reiz hat das verinnerlicht.

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