Elisabeth Liß zeigt Heidemarie und Hans-Jürgen Seemann den Wandbrunnen im 2. Obergeschoss des Rathauses (Foto: Ferdi Seidelt)

Duisburg. Ziemlich genau 36 Meter über dem Körnerplatz zielt eine feuerspeiende Kanone Richtung Paris. Diese krönt einen Neubau anno 1914/16, der nicht etwa als Rathaus, sondern als Höhere Schule für Jungen und Mädchen das Licht der Welt erblickte. Dieses und vieles mehr erfuhren Hans-Jürgen und Heidemarie Seemann, die im Rahmen des Ukraine-Benefiz-Tages von Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Liß eine ungewöhnliche Rathaus-Führung mit eben ihr und ihrem Stellvertreter Ferdi Seidelt gewonnen hatten. Seidelt zeigte sich bei der detaillierten Inspektion des Hohen Hauses als „Rathaus-Erklärer“ sehr sachkundig und überraschte immer wieder mit geschichtlichen Details.

Der heutige Rathaus-Parkplatz, benannt nach dem Schriftsteller und Freiheitskämpfer Carl Theodor Körner, war einst der Schulhof – die Bildungseinrichtung betraten die Jungen und Mädchen von der anderen, hinten liegenden Seite. Die 1934 gebildete, durch Krupp überaus wohlhabende Stadt Rheinhausen war auf der Suche nach einem angemessenen Rathaus, sie entschied sich für die mittlerweile leerstehende Schule, die baulich viele Höhepunkte aufwies (zuerst die Jungen, dann die Mädchen wechselten zum neuen Gebäude an der Schwarzenberger Straße/heute KFR).

Kurz danach wurde südlich noch eine Polizeidienststelle angebaut, das nördlich gelegene Rektor-Haus (später Standesamt) hatte sein „Gegengewicht“. 1952 teilte die aufstrebende Kommune die Turnhalle im Erdgeschoss des Anbaus in zwei Büroetagen, 1954 gestaltete sie die darüber befindliche Aula zum Sitzungssaal um und 1969 zog die Rathauskantine in den Keller. Den heutigen Eingang ins Rathaus schufen die Rheinhauser erst 1970.

Spektakulär war sicherlich der Aufstieg hoch in den Turm, von wo ein atemberaubender Blick weit über die Bezirksgrenzen möglich ist, einschließlich eines Blickes auf die Kanone, die beim Bau des Hauses an den damaligen Feind Frankreich und gleichzeitig an die Waffenschmiede Krupp erinnert.

Ob die Gäste das „Probesitzen“ auf dem Bürgermeister-Podium, den Blick in die kleinen Arrest-Zellen, der denkmalgeschützte Wandbrunnen im Obergeschoss oder das Balken-Labyrinth bis in den Turm besonders beeindruckt hat, wurde bei einem abschließenden Abendessen noch lebhaft besprochen. Überwältigend waren auf jeden Fall die Dimensionen des großen denkmalgeschützten Gebäudes und seine Ausgestaltung im Stil der Schlossbauten des Spätbarocks.

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