Dr. Jens Hellinger in dem neuen E-Fahrzeug der Stadt Marl, das vorwiegend für Fahrten zu den städtischen Baumkontrollen genutzt wird (Foto: Stadt Marl)

Marl. Verhaltensbiologe verfolgt ehrgeizige Ziele – Kommunale Klimaarbeit im Fokus

Mit einem neuen Klimaschutzbeauftragten rüstet sich die Stadt Marl für eine verstärkte Umsetzung der Maßnahmen im Integrierten Klimaschutzkonzept. Dr. Jens Hellinger (48) verfolgt ehrgeizige Ziele: Neben der Bündelung bereits vorhandener Energie- und Klimaschutzprojekte steht insbesondere die Vernetzung der kommunalen Akteure im Fokus.

Klimaschutzkonzept

Dr. Jens Hellinger hat seine neue Stelle im Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit bereits am 1. März angetreten. Mit ihm gewinnt die Stadt einen Wissenschaftler mit breiter Erfahrung im Klimaschutz und großen Interessen an klimatischen Zusammenhängen und deren Folgen für die Ökosysteme. „Mit Begeisterung habe ich fast neun Jahre an der Ruhr-Universität Bochum geforscht. Nun freue ich mich, für die Stadt Marl den Weg in Richtung Klimaneutralität zu organisieren“, so der 48-Jährige. „Der Klimawandel ist weltweit spürbar und auch Marl wird sich in Zukunft noch intensiver mit klimatischen Veränderungen befassen müssen. Deshalb schreiben wir das Klimaschutzkonzept jetzt fort. Das ist eine spannende Herausforderung und es zeigt, dass Marl ambitionierte Ziele hat.“

Forschung zu Blitzlichtfischen

Dr. Jens Hellinger war an der Ruhr-Universität Bochum zuletzt am Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie beschäftigt. Dort untersuchte er unter anderem das Leuchten der Blitzlichtfische in den Korallenriffen des Pazifiks. „Eine spannende Aufgabe, der ich mich mit viel Herzblut gewidmet habe.“ In Marl kümmert sich Dr. Hellinger nunmehr um vielfältige Aufgaben rund um die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Dabei steht auch der Klimapakt Marl ganz vorne auf der Agenda. „Ich möchte den Klimaschutz in Marl stärken und möglichst viele Akteure aus den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zusammenbringen, um individuelle Klimaschutzaktivitäten und Ideen zu bündeln“, sagt Dr. Jens Hellinger. „Nur die Zusammenarbeit von Akteuren aus allen Bereichen ermöglicht es, die Herausforderungen zu bewältigen, vor die uns der Klimawandel stellt.“

Energieeinsparungen

Marl treibt den Klimaschutz bereits mit vielen Maßnahmen voran. So hat die Stadt zum Beispiel hunderte Ampelanlagen, etliche Straßenlaternen oder städtische Gebäude auf moderne LED-Beleuchtung umgerüstet. Auch die Signalsteuerung an Ampeln wurde optimiert, die grüne Welle verbessert oder Ladesäulen für E-Mobilität errichtet. Erst kürzlich wurde ein Elektrokleinstauto für die Baumkontrolle angeschafft. „Wir wollen in den nächsten Jahren viele städtische Verbrenner durch E-Fahrzeuge ersetzen“, sagt Vivien Wiers, stellvertretende Leiterin des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Und: schon bald soll der Waldradweg zu gate.ruhr ausgebaut werden. Der Weg bildet eine zentrale Verbindung im stadtweiten Radwegenetz.

Öffentlichkeitsarbeit

Auch beim Thema Öffentlichkeitsarbeit will die Stadt künftig mehr Präsenz zeigen. „Der Öffentlichkeitsarbeit kommt eine zentrale Bedeutung zu. Nur wenn es gelingt, unsere Konzepte und Projekte gut zu vermitteln, können wir langfristig Veränderungen erreichen“, sagt Andrea Baudek, Dezernentin für Klimaschutz. Nicht zuletzt vergibt die Stadt in diesem Jahr erstmals einen Nachhaltigkeitspreis an heimische Unternehmen. Mit dem Preis werden herausragende Beiträge zur Steigerung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit gewürdigt. Dr. Jens Hellinger ist ein Mitglied in der sechsköpfigen Preisjury. „Ich hoffe auf mutige und innovative Beiträge“, sagt der 48-Jährige. Und Andrea Baudek ergänzt: „Wir freuen uns über das Engagement aller Teilnehmenden, um Marl lebenswerter zu gestalten“.

 

Zur Person:

Dr. Jens Hellinger ist 1974 in Bochum geboren. Seit seiner frühen Kindheit interessiert er sich für die Natur im Ruhrgebiet. „Insbesondere Lebensgemeinschaften in und an Flüssen, Seen und Teichen haben immer eine große Faszination auf mich ausgeübt“, sagt der 48-Jährige. Diese Interessen führten ihn zum Studium der Biologie an der Ruhr-Universität Bochum. Nach dem Abschluss eines Diplomstudiengangs am Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie folgte ein Promotionsstudiengang am selben Institut zum Thema „Magnetfeldwahrnehmung bei Fischen“. Nach der Doktorarbeit forschte der Bochumer am Institut für Vergleichende Sinnes- und Neurobiologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn.

„Mein Interesse für die Natur erstreckt sich neben den heimischen Lebensgemeinschaften auch auf tropische Ökosysteme mit ihren artenreichen Tiergemeinschaften. Daher kehrte ich an den Lehrstuhl für Allgemeine Zoologie und Neurobiologie zurück, um eine Projektgruppe zum Thema Biolumineszenz bei Leuchtfischen aus tropischen Korallenriffen zu etablieren“, so Dr. Jens Hellinger. Hier habe er sich insbesondere mit Fragestellungen aus der Verhaltensbiologie dieser Tiere beschäftigt. Ein weiteres Themenfeld behandelte die Symbiose zwischen Leuchtbakterien und den Leuchtfischen. Im Rahmen seiner Arbeit nahm der Verhaltensbiologe auch Lehrtätigkeiten wahr. Dr. Jens Hellinger: „Dazu gehörte die Organisation von Lehrexkursionen für Studenten an die Korallenriffe des Roten Meers auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten. Im Rahmen dieser Exkursionen kamen auch immer wieder Fragestellungen zum Thema Klimawandel auf, denn die Folgen des Klimawandels sind in den tropischen Riffen besonders deutlich sichtbar.“

 

InfoKlick: www.marl.de/klimaschutz

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