- Empfang am Wasserbahnhof mit (v.l.): Oberbürgermeister Marc Buchholz, Stadtdechant Michael Janßen, Präses Dr. Thorsten Latzel, Superintendent Gerald Hillebrand und Assessorin Dagmar Tietsch-Lipski (Foto: privat)

Mülheim an der Ruhr. Was Hoffnung gibt: Orte, die eine Heimat bieten, und Politik, die sich kümmert

Großer Bahnhof am Wasserbahnhof: Präses Dr. Thorsten Latzel machte auf seiner #kanutourderhoffnung Station in Mülheim und wurde an der Schleuseninsel von Superintendent Gerald Hillebrand, Stadtdechant Michael Janßen und Oberbürgermeister Marc Buchholz empfangen. Weitere Stationen von Präses Latzel in Mülheim waren: eine Rettungsübung mit der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes und der Notfallseelsorge am Stadthafen und ein Besuch bei der Ambulanten Gefährdetenhilfe der Diakonie.

Nach den Überflutungen des vergangenen Sommers, die auch das Mülheimer Ruhrufer nicht verschonten, konnte Präses Latzel gleich bei der Ankunft am Wasserbahnhof die Ergebnisse der Wiederherstellungsarbeiten vor Ort in Augenschein nehmen. Die Bewahrung der Schöpfung war eines von drei Themen, welche den Präses auf seiner Kanutour quer durch das rheinische Kirchengebiet bewegten. Außerdem boten seine Stationen an Ruhr, Rhein, Wupper und weiteren Flüssen neue Perspektiven auf die Fragen von sozialer Gerechtigkeit und Armut sowie den Aufbruch der Kirche, sagt Präses Dr. Latzel in einem Video zum Abschluss der Tour.

Am Stadthafen, nur einen Spaziergang von der Kanu-Anlegestelle am Wasserbahnhof entfernt, begleitete der Präses gemeinsam mit seinen Gastgeber:innen eine Rettungsübung der Wasserwacht des Deutschen Roten. Das Deutsche Rote Kreuz ist regelmäßiger Kooperationspartner der Notfallseelsorge und auf diese Weise der kirchlichen Arbeit verbunden. „In den vergangenen Tagen gab es mehrere Nachrichten über Unfälle bei Touren auf dem Wasser. Deshalb bin ich umso dankbarer für alle Menschen, die sich für die Sicherheit anderer einsetzen“, gibt Präses Latzel seine Eindrücke auf Instagram (https://www.instagram.com/reel/CfosgECFzDa/) wieder.

Beim Besuch in der Teestube der Mülheimer Diakonie erlebte der Präses ganz beispielhaft, „wie wir als Diakonie und Kirche für Menschen in schwierigen Lebenslagen da sein können“. Die Ambulante Gefährdetenhilfe der Diakonie bietet Menschen in Wohnungsnot ebenso professionelle wie lebenspraktische Unterstützung. Die Teestube, auf deren Hof das abendliche Grillen zum Abschluss der Etappe stattfand, ist dabei eine niedrigschwellige Anlaufstelle. Hier können Klient:innen essen, die Waschmaschine und Dusche der Hygienestation zu nutzen und natürlich Kontakt zu den weiterführenden Angeboten der Diakonie aufnehmen.

Menschen, die ihre Arbeit „mit Herzblut machen“, sagt Präses Dr. Thorsten Latzel in seinem Videotagebuch, hat er kennengelernt und so „Soziale Gerechtigkeit“ als ein zentrales Thema des Abends ausgemacht. Gerade mit Blick auf die aktuelle Krise, in der neben einer Politik, die sich um die Menschen kümmert, auch zivilgesellschaftlicher Zusammenhalt nötig sei, wollten Kirche und Diakonie ihren Beitrag leisten, dass dies gut gelingen kann.

Praktische Beispiele aus der Arbeit des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr gibt es beim Beisammensein zuhauf. Immerhin waren die Grills auf dem Hof der Ambulanten Gefährdetenhilfe – der Obdachlosenhilfe des Diakonischen Werkes – aufgebaut. Ebenfalls zu Gast waren Klienten der Therapeutischen Wohngemeinschaft (TWG) – einer Einrichtung für Männer mit besonderen sozialen Schwierigkeiten. Und weil Christ:innen, wie Präses Latzel sagt, Menschen sind, „die gemeinsam essen“, saß er direkt neben Klient:innen der Diakonie Mülheim und kam mit ihnen ins Gespräch, hörte Lebensgeschichten, von Drogenerfahrungen, aber auch von Zukunftsplänen.

„Wir freuen uns sehr, dass sich Präses Latzel so viel Zeit genommen hat, um mit den Menschen – Klient:innen wie Mitarbeitende – zu sprechen und mehr von der Situation vor Ort zu erfahren“, sagt Superintendent Pfarrer Hillebrand. Und Diakonie-Geschäftsführerin Brigit Hirsch-Palepu ergänzt: „Als Teil der Evangelischen Kirche in Mülheim versteht sich das Diakonische Werk als Ausdruck gelebter Nächstenliebe. Wir setzen uns für Menschen ein, die oft übersehen und überhört werden. Unsere Fachkräfte sind aber auch Ansprechpartner:innen für Familien, Schüler:innen, Schwangere, Migrant:innen, Geflüchtete. In jedem Fall zeigen Perspektiven und begleiten die Menschen auf ihrem Weg. Denn für uns ist ganz klar: Wir sitzen alle in einem Boot.“

„Bei uns gehören alle selbstverständlich dazu“ – mit diesem Satz fasst Präses Dr. Thorsten Latzel seine gesammelten Eindrücke auf der Ruhr zwischen Essen und Mülheim zusammen. „Ich mag dich, denn du bist anders“, das sollten Menschen in den Kirchengemeinden erfahren. Außerdem brauche es eine Politik, die sich um die Menschen kümmert, eine Zivilgesellschaft, die zueinandersteht, „und wir als Kirche und Diakonie wollen unseren Beitrag leisten, dass das gut gelingen kann“, sagt er in einem Video zum dritten von sieben Tagen auf sechs Flüssen im Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Notwendigkeit der Verwandlung von Kirche und Gesellschaft ist das Grundthema seiner diesjährigen Tour.

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