Prof. Dr. Marcus Jäger mit Tim Wennemann dem ersten Patienten des neuen FastTracks-Verfahrens am St. Marien Hospital Mülheim an der Ruhr (Foto: Katharina Landorff SMH)

Mülheim an der Ruhr. Innovation beim Gelenkersatz: St. Marien-Hospital Mülheim setzt seit 1. Juli 2022 FastTrack in der Endoprothetik ein  

Nach einem Jahr Vorbereitungszeit setzt das Contilia EndoProthetikZentrummax (EPZ) seit 1. Juli 2022 eine Innovation beim Gelenkersatz ein: FastTrack. Damit sollen Patient:innen mit neuer Hüft- und Knieprothese wieder schneller auf die Beine kommen. Der erste Patient ist Tim Wennemann.

Direktor und Universitätsprofessor Dr. Marcus Jäger operierte den 36-Jährigen am 20. Juli 2022 und setzte ihm mit einer minimal-invasiven Operationstechnik (DAA)  eine neue Hüftprothese ein. Dabei kam bei dem Patienten das FastTrack-Konzept erstmalig im St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr zum Einsatz. Bereits vier Stunden nach der Operation konnte der 36-jährige Vater von drei Kindern an Unterarmgehstützen unter Vollbelastung laufen und war mobil. Ein Tag nach der Operation übte er unter krankengymnastischer Anleitung bereits das Treppensteigen und wird nur drei Tage nach der Operation in die weitere Rehabilitation entlassen.

Tim Wennemann und der erfahrene Spezialist sind schon gute Bekannte. Die Krankengeschichte des jungen Dinslakeners begann im Alter von 18 Jahren. Nur sehr knapp hatte er seinerzeit eine schwere Leukämie dank Intensiv- und Chemotherapie überlebt. Doch die Nebenwirkungen der damals verabreichten Medikamente führten zu einem Absterben beider Hüftköpfe (sog. Hüftkopfnekrose) mit entsprechenden Schmerzen und Gehbehinderung. Im Jahr 2019 unterzog sich er sich einer konventionellen Operation, bei der das rechte Hüftgelenk ersetzt wurde. Drei Jahre später wurde nun die Gegenseite operiert – diesmal jedoch minimal-invasiv und unter FastTrack-Bedingungen.

„FastTrack” ist ein Konzept der raschen Mobilisierung von Patient:innen nach einem operativen Eingriff: Schnellere Erholung, bessere Genesung und damit weniger Komplikationen wie Thrombosen und Wundinfekte gehören zu den Vorteilen des Verfahrens, das insbesondere in der Hüft- und Knie-Endoprothetik zum Einsatz kommt. Tim Wennemann hat den direkten Vergleich zur ersten klassischen, aber auch schon schonenderen Hüftgelenksoperation vor drei Jahren: „Ich fühle mich sehr gut, ich merke die Operation, aber ich habe deutlich weniger Schmerzen als bei der ersten OP. Außerdem konnte ich bereits am ersten Tag nach der Operation schon Treppenstufen laufen. Das ging sonst erst sehr viel später“, erzählt der sportliche junge Mann am Tag nach der Operation. Sein Ziel ist schnell wieder in den Beruf als Bankkaufmann einsteigen und mit seinen drei kleinen Kindern spielen zu können. Tim Wennemann ist zuversichtlich, dass er es mit FastTrack schafft. Durch seine frühe schwere Erkrankung hat er gelernt auf seinen Körper zu hören. Er treibt moderat, aber jeden Tag Sport und verzichtet auf die gelenkverschleißenden Sportarten. Auch wenn es schwer fällt. Als Prof. Marcus Jäger ihm den Vorschlag mit dem FastTrack-Verfahren machte, haben ihn die Vorteile überzeugt.

FastTrack-Chirurgie ist ein Ende der 1990er-Jahre in Dänemark entwickeltes umfassendes Behandlungskonzept. Ziel ist eine rasche Wiederherstellung und Erholung nach einer Operation und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt. Das Verfahren zeichnet sich durch für Patient:innen optimierte Prozesse und strukturierte Behandlungspfade rund um den Eingriff aus. Prof. Dr. Jäger: „Wir begleiten den Patienten bereits vor der Operation und unterstützen ihn nach erfolgreichem Eingriff schnell wieder die Selbstständigkeit zu erreichen. Hierfür kommen wissenschaftlich belegte innovative Maßnahmen, die auf die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten punkt- und passgenau zugeschnitten sind zum Einsatz. Dies beginnt schon vor der Operation zum Beispiel durch eine physiotherapeutisch begleitete Gangschulung sowie eine instrumentierte Ganganalyse und dauert bis zur Entlassung“, so der Endo-Prothetik-Experte mit eigenem Lehrstuhl.

Im Contilia EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung werden am St. Marien-Hospital Mülheim mehre jährlich Hundert Hüft- und Knieersatz-Operationen durchgeführt. Wesentliche Fortschritte in der Anästhesie und Intensivmedizin sowie die Entwicklung von gewebeschonenden, minimal-invasiven Operationstechniken, hochwertige Implantate, eine qualitativ kompetente Physiotherapie sowie die ein optimiertes Aufnahme- und Entlassmanagement haben nun die Voraussetzungen geschaffen, FastTrack auch bei uns in der Endoprothetik einzuführen“, erklärt Prof. Dr. Marcus Jäger.

Ein wichtiger Aspekt sind schonende Narkoseverfahren, die Patient:innen deutlich weniger belasten. Eine bedeutende Rolle spielen hierbei moderne Rückenmarks- und Regionalanästhesien. Auch die sogenannte lokale Infiltrationsanästhesie (LIA) kommt zum Einsatz. Dabei injiziert der Chirurg während des Eingriffs ein Lokalanästhetikum direkt in das Operationsgebiet – etwa in die Gelenkkapsel, Bänder oder die Muskulatur. Durch die punktgenaue Betäubung ist der Patient:in sofort nach dem Eingriff wieder wach, hat aber keine Schmerzen. „Die oder der Operierte können schon am gleichen Tag aufstehen und mit ersten physiotherapeutischen Übungen beginnen“, so Prof. Marcus Jäger. Gleichzeitig schone die minimal-invasive Chirurgie mit ihren kleinen Zugängen und Schnitten die Muskulatur und erlaube damit von Anfang an einen größeren Bewegungsumfang und Dank der erhaltenen Muskulatur eine gute Eigenkontrolle über das Gelenk.

Das Ziel sind bestmögliche Ergebnisse für jede Patientin und jeden Patienten. Alle Behandlungsschritte werden eng aufeinander abgestimmt und ggf. neu definiert. „Alles kommt dabei auf den Prüfstand”, so Jäger. Dies erfordere ein Umdenken aller Beteiligten, etwa von Ärzt:innen, Pflegekräften, Physiotherapeut:innen und Sozialdiensten. Auch die Rolle der Patient:innen ändere sich: Sie würden früher in die Behandlung einbezogen. Umfassende Patientenschulungen setzten schon Wochen vor dem Eingriff an und bereiteten das Lernen vor, erklärt Jäger. „Unter Anleitung von Physiotherapeuten üben die Patient:innen frühzeitig das Gehen an Unterarmgehstützen und kräftigen ihre Muskulatur“, erzählt der Direktor des EPZ und der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr.

Mit dem neuen Verfahren FastTrack können im St. Marien-Hospital Mülheim eine schnellere Rekonvaleszenz nach dem Eingriff, weniger Komplikationen und ein kürzerer Krankenhausaufenthalt beim Gelenkersatz ermöglicht werden. Kontakt zum Contilia EndoProthetikZentrum: 0208 305-2202, s.brinkmann@contilia.de

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