Bauhaus Künstler Heiner Knaub (1904-1975): Kinder im Schnee, 1947, Gouache auf Papier ( Heiner Knaub / © Galerie Jutta Kabuth)

Gelsenkirchen. Vom 24.09. – 30.11.2022 präsentiert die Galerie Jutta Kabuth mit Hauptsitz in der Wanner Str. 4 in Gelsenkirchen ausgewählte Werke des Nachlasses des Bauhaus Künstler Heiner Knaub. 

Heiner Knaub (* 1904 in Eberbach; † 1975 ebenda) studierte von 1928 bis zu seinem Diplomabschluss 1931 am Bauhaus Dessau. Bei Wassily Kandinsky lernte er abstrakte Formelemente und analytisches Zeichnen, bei Oskar Schlemmer Aktzeichnen und bei Paul Klee die primäre Gestaltung der Fläche. Im weiteren Verlauf seines Studiums wendet er sich der Baulehre zu. Von 1931-1933 studierte er an der Kunstakademie München bei Max Doerner. Nach dem Studium wurde Knaub künstlerischer Leiter der Drinnbergschen Glaswerkstatt in Mannheim., später war er Lehrer an der Gewerbeschule II in Heidelberg. Sofort bei Kriegsbeginn eingezogen, kam er als Soldat in Russland und Rumänien. Während des Krieges verstarb seine erste Frau, sein Atelier wurde von Bomben total zerstört und ein Großteil seiner Arbeiten vernichtet. Schwerkrank kehrte er nach Kriegsende zurück in seine Heimatstadt, wo er als Künstler kaum mehr öffentlich in Erscheinung trat. Erst posthum entdeckte seine Heimatstadt Eberbach und später Heidelberg Knaub als Künstler.

Das Bauhaus hatte sich zum Ziel gesetzt, Klarheit, Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit unter Überwindung des Historismus sowie das Zusammenwirken von Kunst und Industrie im Sinne umfassender Lebensgestaltung. Charakteristisch war die Aufhebung der Grenze zwischen Künstler und Handwerker und das Verständnis von Gestaltung als universellen Grundbegriff fürs Leben. Der Künstler sollte Formgestalter sein, ob als Architekt, Maler oder Fotograf.

Mit der Reduzierung auf die Grundformen Quadrat, Kreis und Dreieck sowie auf die Grundfarben rot, blau und gelb revolutionierte die damals vorherrschende Kunstrichtung.

Bauhaus Künstler Heiner Knaub, Boote, 1971, Gouache auf Karton ( Heiner Knaub / © Galerie Jutta Kabuth)

Der künstlerische Nachlass Heiner Knaubs, den die Galerie Jutta Kabuth in ausgewählten Arbeiten vorstellt, zeigt sich die schnörkellose, einfache und abstrakte Gestaltung – ganz im Sinne der Bauhaus Tradition. Ausgehend von seinen frühen Arbeiten aus den Jahren 1947 / 1948 bis hin zu seinem Spätwerk aus den Jahren 1971-74 zeigt sich die, stark vom Konstruktivismus beeinflusste Formensprache eines Kandinskys und Klees, welche das jeweilige Bildmotiv in konstruktive Spannungen aus Linienmustern und Farbflächen übersetzt. Raum und Gegenstand werden gleichermaßen in Struktureinheiten zerlegt und mit diesen kompositorischen Bauelementen erstellt Knaub ein artifizielles flächenhaftes Ordnungssystem, das das Motiv nicht mehr der perspektivischen Raumansicht unterwirft. Innerhalb dieser freien Raumordnung komponiert er sein Kombinationsspiel körperlicher Formen und Farben.

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