Krisenstabsleiter Jürgen Harks und Bürgermeisterin Bettina Weist präsentieren das Logo der Energiesparkampagne (Foto: Stadt Gladbeck)
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Gladbeck. Die Energiekrise macht auch vor Gladbeck nicht Halt: Der von Bürgermeisterin Bettina Weist einberufende Krisenstab „Energie“ hat sich in seiner ersten Sitzung am Dienstag, 9. August, auf erste Maßnahmen verständigt. Über diese wurde auch der Ältestenrat mit allen im Rat vertretenen Fraktionen am Mittwoch, 10. August, informiert.

Die Verwaltung hat in den vergangenen Tagen verschiedene Szenarien durchgespielt und einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, der neben bestehenden Einsparmaßnahmen kurz- und mittelfristig die Wärme- und Energiekosten der städtischen Liegenschaften minimieren soll und somit auch einen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe des Energiesparens leistet. Zudem wurde eine Energie- und Wärmesparkampagne ins Leben gerufen, die auch alle Gladbecker:innen für das Thema sensibilisieren soll. „Unter dem Titel ‚Gladbeck dreht runter. Für Klima, Wirtschaft und uns alle.‘ bündeln wir zukünftig alle Wärme- und Energiesparmaßnahmen sowie unterstützende Angebote für unsere Bürger:innen“, erläutert die Bürgermeisterin.

Denn die Stadt ist laut Bettina Weist in zweifacher Weise gefordert: „Wir wollen als Stadtverwaltung mit gutem Beispiel voran gehen. Angesichts der explodierenden Energiepreise müssen wir Energie sparen und Kosten senken. Mit Blick auf die allgemein angespannte Versorgungslage ist es aber auch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Hier sind alle Bürger:innen ebenfalls gefordert, verantwortungsbewusst mit Wärme und Energie umzugehen.“ Dies sei, so die Bürgermeisterin, auch eine Frage der Solidarität: „Die Krise zu meistern, kann nur gelingen, wenn wir alle solidarisch sind und nicht nur auf den eigenen Geldbeutel schauen. Wir müssen auch sparen, damit unsere Betriebe und Unternehmen bei einer akuten Gasmängellage nicht vom Netz genommen werden und wir so Arbeitsplätze erhalten.“ Rund 30 Unternehmen aus Gladbeck und Bottrop haben sich vor diesem Hintergrund ebenfalls in dieser Woche auf Initiative von IHK, der ELE Verteilnetz GmbH (EVNG), dem Betreiber der Gasnetze in Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen, und der Städte Bottrop und Gladbeck im Gladbecker Ratssaal getroffen. Dabei sollten gemeinsam Wege gefunden werden, wie durch Einsparungen, Umstellung auf andere Energieträger, freiwillige Abschaltungen, vorgezogene Betriebsferien oder ähnliche Maßnahmen so viel Gas eingespart werden kann, dass Abschaltungen ganzer Unternehmen nicht erforderlich sind. In dem sehr intensiven und konstruktiven Gedankenaustausch wurde deutlich, dass in allen Unternehmen bereits sehr intensiv über Lösungen nachgedacht wird. Die Gespräche sollen in zwei Wochen fortgesetzt werden sollen.

Die Stadt Gladbeck geht nach aktuellen Schätzungen in den nächsten fünf Jahren von einem Mehraufwand von rund zehn Millionen Euro zur energetischen Bewirtschaftung ihrer Liegenschaften aus. Um die Kostensteigerungen abzumildern, wurde nun ein umfangreiches Sofortmaßnahmenpaket verabschiedet. Der städtische Krisenstab unter der Leitung von Jürgen Harks, Abteilungsleiter Umwelt, will durch die Maßnahmen Energieeinsparungen von bis zu 18,5 Prozent erreichen. „Hierbei handelt es sich jedoch um Schätzwerte, die stark abhängig vom Nutzer:innenverhalten sind und durch eine sukzessive Umsetzung nicht unmittelbar Auswirkungen zeigen werden“, merkt Krisenstabsleiter Jürgen Harks an.

Im ersten Schritt dreht die Stadt Gladbeck die Temperatur runter: In den städtischen Gebäuden und Büroräumen, darunter auch die Schulen, wird im Zuge der Sofortmaßnahmen die Raumtemperatur auf den zulässigen Mindestwert von 20 Grad Celsius gesenkt. Die städtischen Kindertagesstätten werden vorerst nicht eingeschränkt. Geheizt wird nur noch in der klar definierten Heizperiode vom 1. Oktober bis zum 30. April des Folgejahres. Die Lüftungsanlagen in den Turn- und Sporthallen werden außerhalb der Heizperiode vollständig abgeschaltet, außerhalb dieses Zeitraumes wird die Temperatur auf 17 Grad gesenkt. Eine Absenkung der Wassertemperatur im Hallenbad auf 26,5 Grad sowie auf 30 Grad in den Lehrschwimmbecken wird ebenfalls umgesetzt. Die Heizungsanlagen in städtischen Liegenschaften werden nun nach und nach hydraulisch abgeglichen, um eine energieeffiziente und bedarfsgerechte Wärmeverteilung sicherzustellen. Auf den Einsatz von Klimageräten, Heizlüftern oder ähnlichen mobilen Elektrogeräten wird in städtischen Gebäuden vollständig verzichtet. Auch bei der Dauer der Innen- und Außenbeleuchtung der Gebäude sowie der Straßenbeleuchtung wird mögliches Einsparpotenzial geprüft. Die Stadt erwägt zudem, in den Herbst- und Winterferien Service- und Betriebszeiten nur auf notwendige Dienstleistungen vor Ort zu beschränken und stärker auf Home Office zu setzen, um in diesen Zeiträumen alle Wärmeerzeugungs- und Lüftungsanlagen abzuschalten. Trotz der Einschränkungen sollen alle Einrichtungen nutzbar bleiben, eine vollständige Schließung von Liegenschaften aus Gründen des Energiemangels ist aktuell nicht vorgesehen. „Die Nutzer:innen müssen sich aber an vielen Stellen auf weniger Komfort einstellen“, betont Jürgen Harks. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, könnten zusätzliche Maßnahmen umgesetzt werden, wie die temporäre Schließung von energieintensiven Objekten.

Begleitende Maßnahmen zur Aufklärung und Sensibilisierung für energiebewusstes Verhalten bei den Nutzer:innen öffentlicher Gebäude und den Bürger:innen der Stadt Gladbeck wurden ebenfalls im Rahmen der Kampagne „Gladbeck dreht runter“ initiiert. Als ersten „Baustein“ hat die Stadt Gladbeck „Die Broschüre für clevere Energiesparer:innen“ veröffentlicht, die bei der Umweltabteilung der Stadt Gladbeck, in der Gladbeck Information sowie digital unter www.gladbeck.de/energiesparen erhältlich ist. Gezielte Schulungen für Hausmeister und städtisches Personal sind in Planung, auch sollen kurzfristig zusätzliche Beratungs- und Informationsangebote für Bürger:innen angeboten werden. „Die vorhandenen Beratungsleistungen der Umweltabteilung zur energetischen Optimierung werden bereits intensiv genutzt“, weiß Jürgen Harks. Kurzfristig soll mit zusätzlichen Angeboten, insbesondere im Wärmebereich, auf die aktuellen Herausforderungen reagiert werden. Neben Sanierungsberatungen sollen auch Infoabende für Bürger:innen sowie Unterrichtsstunden oder Wettbewerbe in Schulen und Kitas angeboten werden. Ein erster Termin steht bereits: Am Dienstag, 20. September, findet um 18.30 Uhr eine Informationsveranstaltung zum Thema „Energiesparen“ im Haus der VHS, Raum 1, statt. Zusätzlich plant die Stadt ab Oktober die Ausgabe von kostenlosen „Wärmesparbeuteln“, die z.B. Duschkopf, Heizungsschlüssel, Thermocards, Tipps zum Wärme- und Energiesparen sowie Anleitungen für die Anwendung der enthaltenen Artikel enthalten sollen.

„Wir müssen aber auch besonders auf die Menschen achten, die von Armut bedroht sind, wie Seniorinnen und Senioren sowie Familien die die Krise besonders hart trifft. Dabei wollen wir betroffene Gladbecker:innen bestmöglich mit Informationen und Beratungsangeboten unterstützen, damit wir alle gut gemeinsam durch die kalte Jahreszeit kommen“, betont Bürgermeisterin Bettina Weist auch den sozialen Aspekt.

Neben den Angeboten der Umweltabteilung wird auch das Amt für Soziales und Wohnen am Mittwoch, 28. September, von 10 bis 12 Uhr gemeinsam mit dem Seniorenbeirat eine Informationsveranstaltung für Seniorinnen und Senioren zu den Themen Erhöhung der Energiepreise, Nachzahlungen, drohende Stromsperren sowie Energieeinsparmöglichkeiten im Fritz-Lange-Haus durchführen. Diese Veranstaltung soll den Auftakt für weitere Beratungsangebote besonders für Seniorinnen und Senioren sein, die gemeinsam durch den Seniorenbeirat und die Seniorenberatung angeboten werden, und auch in kleinerem Rahmen in den Seniorenbüros Nord und Süd stattfinden sollen.

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