„Ich kann und will einfach nicht nachvollziehen, dass die Bahn nicht einmal in der Lage ist, den RE 8 zumindest während der Spitzenzeiten fahren zu lassen“, so Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (Foto: Rhein-Kreis Neuss)
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Rhein-Kreis Neuss. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke hat Kontakt zur Deutschen Bahn geknüpft und heftige Kritik am fünfwöchigen Totalausfall der Regional-Express-Linie 8 geübt. „Gerade jetzt, direkt nach den Sommerferien, ist das ein Tiefschlag für tausende Berufspendler und Schüler. Das ist eine Unverschämtheit“, so Petrauschke nach einem Gespräch mit Werner Lübberink, dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn in Nordrhein-Westfalen.

Zuvor hatte die Bahn angekündigt, den RE 8 wegen der angespannten Personalsituation bis zum 18. September komplett einzustellen. Besonders betroffen sind etwa Passagiere, die von Grevenbroich nach Köln oder Mönchengladbach reisen wollen. „Das ist mehr als schlecht. Ich kann und will einfach nicht nachvollziehen, dass die Bahn nicht einmal in der Lage ist, den RE 8 zumindest während der Spitzenzeiten fahren zu lassen. Da zeigt sich doch ein eklatantes Organisationsversagen“, zürnt Petrauschke. Dieses Organisationsversagen führe zwangsläufig zu überfüllten Waggons auf den anderen Linien, „und das ist das Letzte, was wir in Corona-Zeiten brauchen“.

Petrauschke kritisierte Lübberink gegenüber nicht nur die Vollständigkeit der Zugausfälle, sondern auch die schlechte Kommunikation darüber: „Da stehen Reisende montags an leeren Bahnsteigen, und in den zuständigen Kreis- und Rathäusern weiß man von nichts – das ist eine Informationspolitik aus dem vergangenen Jahrhundert“, so der Landrat. Er forderte „die schnellstmögliche Wiederherstellung der RE-8-Verbindung zwischen unseren Städten“.

Lübberink räumte nach dem Gespräch in einem längeren Brief an Petrauschke ein, dass der Ausfall „für unsere Fahrgäste sehr unbefriedigend“ sei und skizzierte die Langfristmaßnahmen, mit denen die Bahn derartigen Missständen künftig begegnen möchte. Eine Task Force beschäftigt sich demnach mit der Überprüfung der Schichtmodelle, Schulungsmaßnahmen bei den Disponenten in den Leitstellen, dem neuen Ausbildungsberuf „Kaufmann für Verkehrsservice, Disposition (w/m/d)“ und anderen Vorhaben. „Trotz der aktuell angespannten Situation sind wir zuversichtlich, dass wir mit der aufgesetzten Task Force sowie mit den oben aufgezeigten Maßnahmen den richtigen Weg eingeschlagen haben“, so der Konzernbevollmächtigte.

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