(Foto: nestwärme e.V.)
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Trier. nestwärme e.V. bietet geflohenen Familien tatkräftige Unterstützung in Kooperation mit Partnern wie alliance4ukraine in Deutschland und LUkraine in Luxemburg

Nach über fünf Monaten geht der Krieg in der Ukraine unverändert weiter: Nach wie vor versuchen Menschen aus den besonders umkämpften Kriegsgebieten ihre Familien unter anderem in Deutschland in Sicherheit zu bringen, andere sind bereits hier und benötigen weiterhin intensive Unterstützung im Alltag. nestwärme hat sein Hilfsnetzwerk bereits Ende Februar aktiviert und zieht eine Zwischenbilanz: „Wir konnten durch unsere schnelle Reaktion, unsere Expertise, unsere Einrichtungen, unser großes Netz an Ehrenamtlichen und nicht zuletzt durch Kooperationspartner wie die RTL-Stiftung, die Marienburg-Stiftung, und private Spender:innen bisher vielen Geflüchteten helfen. So haben wir mehr als 350 Personen, im Regelfall Familien mit beeinträchtigen Kindern, in unterschiedlicher Frequenz und Intensität betreut, ihnen teilweise Rast- und Schutzräume geboten und sie in langfristige Unterkünfte weitervermittelt“, erklärt Petra Moske, Gründerin und Vorsitzende des Sozialunternehmens. „Als aktives Mitglied des Bündnisses Alliance4Ukraine als Koordinationsplattform sowie im Rahmen der Kooperation mit LUkraine in Luxemburg sind wir nicht nur bundesweit, sondern auch international aktiv. Seit Mai kommen nicht mehr so viele Geflüchtete an, doch die Familien, die bereits hier sind, und auch deren Helfer:innen brauchen weiter unsere Unterstützung. Die Integration in das Gesundheits-Sozialsystem und in unsere Zivilgesellschaft ist ein Prozess, der noch andauert“, so die Expertin, die als Gründerin von nestwärme seit über 20 Jahren an der Seite von Familien in besonders herausfordernden Lebenssituationen steht.

Ein Schwerpunkt von nestwärme sind Familien mit schwerkranken und behinderten Kindern, nestwärme betreut und setzt sein Netzwerk in Krisensituationen aber auch für humanitäre Hilfe ein. Ein Fokus bleiben dabei ukrainische Familien mit beeinträchtigten Kindern. So schrieb Bohdan Viliura, der mit seiner Frau Olesia, dem an Autismus erkrankten Sohn und der Tochter aus Mariupol geflohen ist in einem Brief kurz nach seiner Ankunft in Trier an das nestwärme Team: „Danke, dass ihr uns aufgenommen habt. Wir freuen uns mit Tränen in unseren Herzen.“

Ein wesentliches Hilfsangebot ist die seelische und psychosoziale Unterstützung für Geflüchtete, aber auch für die Helfer:innen wie z.B. Dolmetscher:innen. So bietet nestwärme (Online-)Sprechstunden zu den Themen Umgang mit Ängsten und Sorgen, dem Gefühl der Ohnmacht und Verlust an. Die Experten im Bereich Resilienz (seelische Gesundheit) stehen in Zeiten der Krise mit Trauma-, Trauer- und Resilienz-Coachings zur Seite und begleiten die Geflüchteten über sämtliche Kommunikationskanäle – sieben Tage die Woche. In Kooperation mit der Hilfsorganisation LUkraine aus Luxembourg starten ab Mitte August Präsenz-Kurse zum Thema seelische Gesundheit für ukrainische Familien, die in Luxemburg oder in der Großregion Trier / Saarland leben. Die Online-Sprechstunden und Coachings stehen auch den Familien zur Verfügung, die den Schritt zurück in ihr Heimatland trotz des weiter andauernden Krieges wagen. Die Helfer:innen von nestwärme lassen sie mit ihren Ängsten nicht allein und halten beispielsweise über Messenger-Dienste Kontakt: „Es ist ständig Luftalarm, viele gehen nicht in den Bunker. Aber ich habe zuviel Angst und gehe hinein – ich vermisse euch“, schreibt beispielsweise Oksana Posternak, die nach mehreren Wochen Aufenthalt bei nestwärme in Trier jetzt wieder in Kiew arbeitet.

Das Sozialunternehmen übernimmt bundesweit auch eine Lotsenfunktion und vermittelt je nach Standort passende Ansprechpartner:innen für lokale Hilfen, beispielsweise für onkologische Patient:innen im Schulterschluss mit SOS Berlin. Am Gründungsstandort Trier werden geflüchtete Familien unter anderem in den eigenen Räumlichkeiten der „ambulanten Brückenpflege“ betreut. Ein Angebot, was neben Familien mit pflegeintensiven Kindern jetzt allen ukrainischen Mitbürger:innen zugänglich ist. Möblierte, barrierefreie Familienzimmer im Stadtzentrum mit eingerichteter Gemeinschaftsküche, Hauswirtschaftsräumen und mehreren Bädern stehen hier als Rast- und Schutzräume zur Verfügung bis nestwärme dauerhaften Wohnraum, der teilweise behindertengerecht sein muss, für die Hilfsbedürftigen organisiert hat. Rund 80 Personen konnten in Trier bereits in langfristige Unterkünfte
weitervermittelt werden. Dabei erfahren sie auch beim Umzug und bei der Beschaffung von geeigneten Möbeln Unterstützung durch das nestwärme-Netzwerk. In Einzelfällen können Geflüchtete aber auch länger bleiben: So wurde Ende Juli eine Familie mit einer mehrfach schwerstbehinderten Jugendlichen am Standort Trier dauerhaft aufgenommen.

Am nestwärme-Standort Rhein Main waren im Juni 48 geflüchtete Familien aus Kiew in einem Hotel untergebracht. Fast alle Kinder sind schwerstbehindert und nestwärme wurde aktiv: Innerhalb von drei Wochen konnte im Schulterschluss mit dem ambulanten Kinderhospizdienst Frankfurt und der Stadt Groß-Gerau für jede Familie ein individuelles Hilfsprogramm aufgebaut werden.

Auch medizinische Unterstützung und materielle Versorgung erhalten (pflegebedürftige) Kinder und Erwachsene: Sie werden zu Arztbesuchen und Therapeuten begleitet oder bei der Anmeldung bei der Krankenkasse unterstützt und erhalten medizinische Hilfsmittel, Medikamente und Hygieneartikel. Für die Kinder wurde mit ukrainischem Fachpersonal in Kooperation mit der katholische Gemeinde St Matthias eine eigene Kinderbetreuung, der „Morgen Treff“ in Trier initiiert, um die Engpässe der Kitas zu überbrücken. Ziel ist das gemeinsame Spielen und Lernen der deutschen Sprache, die Vorbereitung auf Kita- und Schulbesuche sowie die Entlastung und der Austausch der Eltern untereinander. Hierfür wurde ein Leitfaden erstellt, um das Konzept auch an anderen nestwärme-Standorten anbieten zu können.

Zur Unterstützung der Integration und zunehmender Selbstverantwortung organisierte nestwärme in Trier einen eigenen Deutschkurs, steht aber auch mit Dolmetscher:innen beispielsweise bei Behördengängen, der Anmeldung beim Jobcenter und anderen bürokratischen Hürden helfend zur Seite. Darüber hinaus versteht sich nestwärme auch als Ansprechpartner:innen bei Fragen rund um die Bewältigung des Alltags und organisiert bei Bedarf auch Fahrdienste. Und das Gefühl von Nestwärme wird auch Realität bei gemeinsamen Ausflügen und Feiern wie Geburtstagen oder dem orthodoxen Osterfest.

„Wir haben jetzt über Monate erlebt, wie wichtig es ist, dass wir Rast- und Schutzräume bieten können“, kommentiert Petra Moske, „Wir hatten alle Generationen unter einem Dach und die geflüchteten Menschen brauchen nach den emotionalen und körperlichen Strapazen der Flucht durch das Kriegsgebiet zunächst vor allem Ruhe und ein Gefühl der Sicherheit und des Willkommen Seins. Dann muss aber auch Anschlusshilfe erfolgen: Wir müssen die Hilfsangebote entsprechend vermitteln und gemeinsam mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, Stiftungen und Unternehmen ein solidarisches Netzwerk mit Akteur:innen die für ineinandergreifenden Lösungen zur Bekämpfung der Folgen des Krieges stehen.“



Über nestwärme:

nestwärme e.V. wurde 1999 von Petra Moske und Elisabeth Schuh gemeinsam mit betroffenen Eltern, Ärzten und Politikern der Region Trier gegründet. Aus dem ganz spontanen Bedürfnis, in einem konkreten Fall helfen zu wollen, wuchs der Verein zu einem Sozialunternehmen mit einem internationalen Netzwerk, das Familien mit schwerkranken und behinderten Kindern nachhaltig unterstützt. Heute arbeiten rund 100 Mitarbeiter und 1500 ehrenamtliche Nestwärmer an dem Ziel, Familien und Kinder stärker zu machen. Nester und Infopoints gibt es an 13 Standorten in Deutschland, Luxemburg und Österreich. Darüber hinaus betreibt der gemeinnützige Verein in Rheinland-Pfalz ein Kinderkompetenzzentrum mit ambulantem Kinderpflegedienst, ambulantem Kinderhospizdienst, ambulanter Brückenpflege, inklusiver Kinderkrippe und Fachberatung. 2018 wurde unter Präsidentschaft von Sterneköchin Léa Linster nestwärme Luxemburg gegründet.

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