Monika Gebhardt in "Ihrer" Meidericher Kirche (Foto: Reiner Terhorst)
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Duisburg. „Ich war mein Leben lang gerne Gemeindepfarrerin“

Monika Gebhardt ist entspannt. Sie lächelt, sie hat den 25. September im Blick, allerdings mit einem „Hauch von Wehmut“, denn dann wird die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Meiderich nach 34 bewegten und  bewegenden Dienstjahren hier vor Ort in einem Festgottesdienst verabschiedet.

Sie geht in den Ruhestand und sie geht doch nicht. „Ich habe mich von der ersten Sekunde an in Meiderich angenommen, mitgenommen und wohl gefühlt“, sagt sie. In „ihrer“ Kirche, Auf dem Damm, hat sie so manchen Damm gebrochen und die Herzen der Menschen erobert. Längst ist sie selbst Herzens-Meidericherin. „Da ist es doch wohl klar, dass ich hier wohnen bleibe“, betont die im damals selbständigen Bad Godesberg geboren und aufgewachsene „Bald-Ruheständlerin“.

Schon als Kind ist sie gern zur Kirche gegangen, hat die Kinder- und Jugendangebote ihrer Gemeinde als toll empfunden. „Die wurde von einer engagierten Diakonin geleitet, die immer ein offenes Ohr für uns hatte“, erinnert sich Monika Gebhardt gerne. „Da hab sie mal gefragt, wie wird man eigentlich hauptberufliche Jugendleiterin?“

In der Oberstufe am Gymnasium wurde der Berufswunsch dann doch konkreter. Eine Referendarin hatte den Religionsunterricht so lebendig gestaltet, dass sie von da an Pfarrerin werden wollte. Studiert hat sie in Bonn, aber auch in Erlangen und Wuppertal. In Bonn deshalb, weil dort ihr etwas jüngerer Freund noch zur Schule ging und später ebenfalls Theologie studierte.

Ihr Vikariat absolvierte sie auch in Bonn, ihre „Hilfsdienstzeit“ in Düsseldorf. Dann war es an der Zeit, eine „richtige“ Pfarrstelle anzutreten. Monika Gebhardt, inzwischen mit ihrem Freund verheiratet, bewarb sich parallel im saarländischen Neunkirchen und halt in Meiderich. „Beide wollten mich haben“, lacht sie. Dass sie sich für Meiderich entschied und es hier sogar dreieinhalb Jahrzehnte „menscheln“ würde, habe viel mit der Herzlichkeit, Offenheit, Ehrlichkeit und Direktheit der Meidericher zu tun.

„Die haben mich empfangen, als würde ich schon immer zu ihnen gehören, was mir den Einstieg richtig leicht gemacht hat.“ Zudem war die junge Pfarrerin höchst angetan von dem Engagement vieler Ehrenamtler. Ihr Mann, inzwischen ebenfalls Pfarrer, zog mit. Sie teilten sich zunächst die Pfarrstelle.

Nach zwei Jahren trennte sich ihr Mann von ihr. Gebhardt spricht eine Situation offen an, die ihr damals schwer zu schaffen machte. „Ich hatte da echt dran zu knacken“, räumt sie ein, „aber Dank der Unterstützung der anderen Pfarrer und des Zuspruchs aus der gesamten Gemeinde bin aus dem inneren Loch wieder rausgekommen.“ Ein Kollege habe ihr mit auf den Weg gegeben, dass, wenn’s mal schwierig wird,  es nichts bringe, wegzulaufen. Alles, was sie in der Gemeinde und auch darüber hinaus gemacht hat, habe ihr Spaß gemacht. Wieder lacht sie: „Manches mehr, manches weniger.“ Richtig stolz war sie, als ihr ein Gemeindeglied mal ins Ohr flüsterte „Wir wollen, dass Sie länger bei uns bleiben.“

Sie blieb. Zwischenzeitlich hatte sie den Pfarrbezirk gewechselt, die Gemeinden Untermeiderich und Mittelmeiderich wurden eine Gemeinde,  kirchliche Räume und Häuser geschlossen. Monika Gebhardt hat zusätzlich zwölf Jahre evangelischen Religionsunterricht am katholischen Abtei-Gymnasium erteilt. In verschiedenen Chören hat sie gesungen, private Freundschaften geschlossen, mit Presbyteriumsmitgliedern gekegelt. 13 Jahre lang hat sie auch Mutter-Kind-Freizeiten auf Borkum begleitet.

Monika Gebhardt nimmt auf einmal eine robuste Haltung an, verschränkt die Arme und sagt ganz laut: „Ich war mein Leben lang gerne Gemeindepfarrerin. Ich bereue nichts.“

An der einen oder Stelle wird sie in der Gemeinde auch nach der „Offiziellen Entpflichtung“ durch Superintendent Dr. Christoph Urban mitwirken und helfen. Bis zum Jahresende ist aber erst einmal Abschalten angesagt. Sie nimmt sich mehr Zeit für ihren 90-jährigen Vater in Bonn-Bad Godesberg, fährt öfter in das Mobilheim in Holland, das sie sich mit Freunden teilt, und „will rauskriegen, was ich künftig machen werde.“

Zum Abschluss unseres Gespräches lacht sie noch einmal ganz herzhaft: „Auch brauche ich eine neue Festnetznummer, denn die alte ist zu sehr mit der Pfarrerin verbunden.“ Verbunden mit Meiderich bleibt die Ruheständlerin aber in jedem Fall.

Ihr Abbschiedsgottesdienst findet am Sonntag, 25. September, um 14 Uhr in der Meidericher Kirche, Auf dem Damm 8, statt. Beim anschließenden Empfang werden sich viele Gemeindeglieder und Weggefährten persönlich von ihr verabschieden, um sie dann bald wiederzusehen.

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