"Wo es heute noch Grün gibt, soll in den kommenden zehn Jahren Wohnraum auf 90.000 m2 und Gewerbeflächen auf 23.000m2 entstehen. Tausende von Menschen würden hier auf engstem Raum leben", beschreibt das informelle Netzwerk „Parkstadt Mülheim - aber richtig!“ (Foto: Mahrholdt)
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Mülheim an der Ruhr. Petition an Mülheimer Stadtspitze: Zu dichte und zu hohe Bebauung verhindern!

Über 3100 Bürgerinnen und Bürger protestieren gegen die vom österreichischen Investor Soravia und der Stadt Mülheim vorgelegten Pläne einer künftigen Bebauung des ehemaligen Tengelmann-Areals. Sie kritisieren in einer Petition an die Stadtspitze vor allem die in ihren Augen viel zu dichte und zu hohe Bebauung des insgesamt 13 Hektar umfassenden Geländes. Viele von ihnen haben sich zu einem informellen Netzwerk „Parkstadt Mülheim – aber richtig!“ zusammengeschlossen. Am Freitag, 23.09.2022, endete die von der Stadt Mülheim an der Ruhr auf sechs Wochen angelegte Anhörungsphase zu dem Projekt.

„Unsere Petition zeigt in deutlichster Weise die Sorgen und den Unmut der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, die keine erdrückende Beton-Bebauung zwischen den historisch gewachsenen Stadtteilen Speldorf und Broich haben wollen“, sagt der Initiator der Online-Petition, Prof. Dr. Gerald Lux. Mehr als 2900 der über 3000 Unterzeichner stammten aus Mülheim. Der Online-Protest werde trotz der beendeten städtischen Anhörungsphase weiterlaufen. Man könne sich der Petition unter dem Link https://www.openpetition.de/petition/online/parkstadt-muelheim weiterhin bis zum 08.10.2022 anschließen. „Die Stadt Mülheim ist auf einem gefährlichen Irrweg, wenn sie weiterhin diese Hochhausstadt unterstützt und den im Laufe der kommenden Wochen im Stadtrat zu beschließenden Bebauungsbauplan ermöglicht.“

Ziel der Protestierenden sei es, die Verabschiedung dieses Bebauungsplanes zu verhindern. Er würde Hochhäuser von bis zu 60 m Höhe und eine Wohnbebauung von insgesamt 90.000 m2 zuzüglich Gewerbe- und Nutzflächen ermöglichen. Lux: „Eine solche Bebauungs- und Wohndichte hat es in Mülheim noch nie gegeben. Die Landesbauordnung NRW definiert Hochhäuser als Gebäude von über 22 m Höhe. Die vorliegende Planung sieht zahlreiche solcher Häuser auf engstem Raum vor, die deutlich höher als 22 m und deshalb als Hochhäuser zu werten sind, und nicht – wie vielfach kommuniziert – nur drei.“

Unabhängig von der Online-Petition haben sich auch zahlreiche Mülheimerinnen und Mülheimer direkt an das Planungsamt gewandt und gegen die vorliegenden Pläne des österreichischen Immobilieninvestors Einspruch erhoben. Dazu gehören auch Anwohnerinnen und Anwohner des Veilchen- und des Nelkenweges in Speldorf, die auf ein absehbares Verkehrschaos während der auf mindestens 10 Jahre veranschlagten Bauzeit hinweisen und dramatische soziale Veränderungen in ihrem Stadtteil befürchten. Auch sie treten für eine Nutzung des Geländes in klimafreundlich sinnvollen und menschlichen Dimensionen ein.

So könnte zwischen den Stadtteilen Broich und Speldorf ein modernes, zukunftsweisendes, klima- und umweltfreundliches Quartier in verträglicher Größenordnung entstehen. „Wir sind keinesfalls gegen eine Bebauung und neue Nutzung dieses städtebaulichen Filetstücks“, sagt Lux. „Diese muss aber tragfähige Antworten auf Zukunftsfragen wie den Klimawandel und den demografischen Wandel geben. Eine rein kapitalorientierte und finanzoptimierte Bebauung, wie sie hier vorgeschlagen wird, ist nicht akzeptabel.“

Planskizzen und städtebauliche Vorschläge, welche übergeordnet die Stadtteile Speldorf und Broich verbinden und das Tengelmann Gelände für Wohnen, Gewerbe, Forschung und Lehre sowie für Erholung vorsehen, sollten in alternativen Konzepten in Auftrag gegeben werden. „Hier müssen Stadtplaner Ideen entwickeln, die in die richtige Richtung weisen“, sagt Lux. Diese Vorschläge gilt es dann in einem ergebnisoffenen und öffentlichen Prozess zu diskutieren. Es geht allerdings nicht, die überdimensionierten Planungen eines Immobilienunternehmens ohne angemessene Berücksichtigung der Bedürfnisse und Interessen der bestehenden Anwohnerschaft durchzuwinken. Hier muss der Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr seine Funktion als gewählte Bürgervertretung ernst nehmen.“

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