Die Baustelle Brücke Turmstraße (Foto: Stadt Aachen/Timo Pappert)
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Aachen. Das waren ein paar aufregende Tage zwischen Claßenstraße und Professor-Pirlet-Straße: Im Mai wurde die alte Brücke an der Turmstraße unter großem Spektakel für viele Schaulustige abgerissen. Rund 200 LKW Ladungen waren nötig, um die insgesamt 4000 Tonnen Betonschutt abzutransportieren. Anschließend mussten die Oberleitungen für den Bahnbetrieb wiederhergestellt werden.

Aber auch nach dem großen Fall der maroden Brücke ging es für die Beteiligten des Aachener Stadtbetriebs, des Ingenieurbüros Doser, Kempen, Krause und des ausführenden Bauunternehmens Hochtief nicht minder aufregend weiter: Im Juni hatten bereits die ersten Arbeiten begonnen – zunächst mussten die Oberleitungen für den Bahnbetrieb wiederhergestellt werden. Seitdem wurde weiter fleißig gearbeitet und das Areal für den Neubau vorbereitet.

Trotz vieler Herausforderungen weiter im Zeitplan

Die beiden Widerlager, auf denen auch die neue Brücke aufliegen wird, mussten teilweise entfernt werden. Das bedeutet, dass Beton stückweise herausgetrennt und abgetragen werden musste, um die Oberleitungen und Schienen der Bahnstrecke nicht zu gefährden. An der oberen Turmstraße, an der Ecke Professor-Pirlet-Straße, sind diese Arbeiten bereits abgeschlossen. So nah am Bahnverkehr zu arbeiten, war für das Team vor Ort eine besondere Herausforderung, allerdings kein Hindernis: „So ist das, wenn man im Bestand arbeitet. Mit der Situation sind wir gut umgegangen. Wir sind immer noch im Zeitplan“, sagt Walter Heitmann, Oberbauleiter der Firma Hochtief.

Brückenelemente aus der Kaiserzeit

Auf der Seite in Richtung Claßenstraße war noch mehr Fingerspitzengefühl gefragt. „Man weiß nie, was einen erwartet, wenn man ins Erdreich vordringt.“, sagt Heitmann. Unter dem Widerlager verbarg sich ein ungewöhnlicher Fund: Alte Widerlagerreste aus Beton einer Brücke aus der Kaiserzeit, etwa 1910, waren noch erhalten. „Die Verwendung von Beton zu dieser Zeit war noch sehr ungewöhnlich.“, erklärt Heitmann. Durch diese Erkenntnisse wurde eine Anpassung der bisherigen Pläne nötig. Aber auch diese Arbeiten werden in den kommenden beiden Wochen abgeschlossen sein.

Es geht aufwärts

Jetzt geht es im wahrsten Sinne des Wortes aufwärts. „Ab jetzt sehen wir die Brücke wachsen“, sagt Heitmann. Die nötigen Bohrpfähle für den neuen Mittelpfeiler zwischen den Bahngleisen sind bereits gesetzt. Dieser Pfeiler wird sechs Meter hoch und dreißig Meter lang werden. Für diese Arbeiten wurden im September noch zwei Sperrpausen der Deutschen Bahn genutzt.

In diesem Jahr wird es noch eine weitere Sperrpause der Bahn geben, vom 17. Dezember ab 1 Uhr bis 18. Dezember um 21 Uhr. Im März 2023 richtet die Deutsche Bahn an allen vier Wochenenden Sperrpausen ein. Dann kommen die Träger für den Überbau und werden auf Widerlager und Mittelpfeiler aufgelegt.

Schließlich wird, wenn der Überbau fertig ist, die Straße angeglichen, da die neue Brücke dreißig Zentimeter höher sein wird. Dann kann auf der Turmstraße wieder gefahren werden. „Wir freuen uns auf Ende 2023, wenn wir die Turmstraße für den Verkehr wieder freigeben werden“, sagt Gisela Weiß, Abteilungsleiterin Straßenunterhaltung und Brückenbau im Aachener Stadtbetrieb.

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