Sieger Ovtcharov (l.) und Finalist Duda (Foto: MaJo-Foto)
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Düsseldorf. International, WTT Feeder Düsseldorf

Mit Einzeltriumphen für Dimitrij Ovtcharov und Xiaona Shan sowie zweiten Plätzen für Benedikt Duda und das DTTB-Duo Kilian Ort/Cedric Meissner endete am Freitagabend der gemeinsam von Gastgeber Borussia Düsseldorf und dem Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) organisierte WTT Feeder Düsseldorf. Nach der Weltpremiere im vergangenen Dezember und zwei Folgeturnieren im Januar war es nunmehr bereits das vierte Event der Basisturnierserie, das erfolgreich im Deutschen Tischtennis-Zentrum (DTTZ) über die Bühne ging. Für den Februar stehen schon die Turniere Nummer fünf und sechs im Düsseldorfer Terminkalender.

Ovtcharov überlässt Duda im Finale keinen Satzgewinn

Auch wenn drei der vier Sätze nur mit zwei Punkten Unterschied endeten: Mit seinem 4:0-Erfolg setzte sich der topgesetzte Weltranglistenneunte Dimitrij Ovtcharov im Endspiel überraschend deutlich mit 13:11, 11:9, 11:5 und 12:10 gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Benedikt Duda durch. Denn während Ovtcharov bis zum Finale zweimal über sieben und zweimal über die Distanz von sechs Sätzen musste, hatte der Weltranglisten-36. Duda seine vier Matches allesamt im Schnelldurchgang gewonnen. Der Turniersieger freute sich nach dem Titelgewinn: “Ich konnte mich im Finale gegen Benne gegenüber den anderen Spielen noch einmal deutlich steigern und habe mein bestes Tischtennis gespielt, was ich gegen Benne in seiner aktuellen Form auch muss, wenn ich gewinnen möchte. Glückwunsch an Benne für ein starkes Turnier und eine tolle Entwicklung in den letzten Wochen und Monaten. Ich bin sehr happy, das Turnier gewonnen zu haben.”

Duda, der vor drei Wochen beim WTT Contender in Slowenien das Halbfinale erreicht hatte, zog trotz der Niederlage gegen seinen ständigen Trainingspartner ein insgesamt positives Turnierfazit: “Gegen Akkuzu im Halbfinale habe ich wie auch alle anderen Matches im Turnier sehr gut gespielt. Gegen Dima waren drei Durchgänge sehr knapp und ich hatte meine Satzbälle, vor allem im vierten Durchgang bei meiner 10:8- und 7:4-Führung war eine Chance da. Wer weiß, wie es läuft, wenn ich die nutze. Ich werde daraus lernen und Dima beim nächsten Mal wieder attackieren. Aber er hat im Finale auch sehr gut gespielt.” Nach der Niederlage war der Team-WM-Silbermedaillengewinner schnell wieder zum Scherzen aufgelegt: “Ich habe am Montag noch im Training gegen Dima gewonnen. Vielleicht hätte ich das besser nicht machen sollen.”

Im Halbfinale am Vormittag hatten sich beide Deutschen in starker Verfassung präsentiert. Der Bergneustädter Benedikt Duda ließ dem Franzosen Can Akkuzu, der sich gestern im Achtel- und Viertelfinale gegen die DTTB-Asse Ruwen Filus (Fulda-Maberzell) und Kilian Ort (Bad Königshofen) behauptet hatte, beim 11:8, 12:10, 11:4 und 11:8 keine Chance und hatte zumeist selbst auf die besten Bälle seines Gegners die besseren Antworten parat. Der für Neu-Ulm spielende Olympiadritte Dimitrij Ovtcharov kam zwar in den langen, kraftraubenden und sehenswerten Ballwechseln gegen Panagiotis Gionis wie alle Konkurrenten des Griechen mächtig ins Schwitzen, ernsthaft in die Gefahr einer Niederlage geriet der zweimalige Europameister beim 11:8, 8:11, 11:5, 7:11, 10:12, 11:7 und 11:2 trotz eines zwischenzeitlichen 2:3-Satzrückstandes gegen den Abwehrkünstler aber nicht.

Xiaona Shan holt Titel: “Kämpfen lohnt sich eben immer”

Im zweiten Anlauf hat es Xiaona Shan nun endlich geschafft. Zehn Monate nach ihrer Finalniederlage beim ersten Januar-Feeder 2022 gegen Barbora Balazova (Slowakei) sicherte sich die Weltranglisten-22. in ihrer Wahlheimat Düsseldorf den Titelgewinn im Damen-Einzel durch einen ungefährdeten 11:4, 11:2, 11:6 und 11:9-Endspielerfolg über die 60 Plätze im ITTF-Ranking hinter ihr notierte Natalia Bajor. Die Polin hatte in der Vorschlussrunde mit einem 4:3-Erfolg über Japans Top-Talent Miwa Harimoto überrascht, das gestern im Viertelfinale die an Position eins gesetzte Weltranglisten-14. Nina Mittelham (Berlin) aus dem Turnier befördert hatte.

Doch gegen das taktisch klug und ungemein sicher aufspielende Penholder-Ass fand Bajor im Finale nie ein probates Rezept und kam nur im vierten Durchgang in die Nähe eines Satzgewinns. Xiaona Shan hatte zuvor in einem hochklassigen Halbfinalmatch auch die starke Japanerin Miyu Nagasaki mit 4:3 besiegt. Die 39-jährige EM-Dritte lieferte der 19 Jahre jüngeren japanischen Linkshänderin einen großen Kampf und wandelte gegen die Nummer 43 des ITTF-Rankings einen 0:2- und 2:3-Satzrückstand noch in einen verdienten Sieg um.

Die mit Bedenken über ihr Leistungsvermögen in den Feeder gestartete Turniersiegerin zeigte sich nach dem Finale rundum zufrieden: “Ich bin eher skeptisch in das Turnier gegangen, denn ich hatte am Anfang gar keine gute Form, war zudem etwas müde und auch relativ stark erkältet. Ich habe dann aber einfach von Spiel zu Spiel gekämpft und im Laufe des Turniers für mich selbst etwas überraschend immer besser zu meinem Spiel gefunden. Kämpfen lohnt sich eben immer – und jetzt freue ich mich total über den Turniersieg.”

Trotz Silber: Kilian Ort/Cedric Meissner nicht ganz zufrieden

Bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt im Doppel sicherte sich das Duo Kilian Ort/Cedric Meissner auf Anhieb die Silbermedaille. Der Bad Königshofener Ort, u.a. Gewinner des WTT Contender Budapest 2021 und Dritter beim Feeder II im Januar (jeweils mit Tobias Hippler), und der Deutsche Mixed-Meister Meissner (mit Yuan Wan) aus Bad Homburg unterlagen im Finale der seit Jahren eingespielten polnischen Kombination Maciej Kubik/Samuel Kulczycki. Die Jugend-Europameister von 2021 setzten sich mit 13:15, 11:2, 12:10 und 12:10 durch, wehrten bei 9:10 im vierten Durchgang einen Satzball der Deutschen zum 2:2-Ausgleich ab und nutzten anschließend sofort ihre erste Chance zum Turniersieg. Kilian Ort haderte im Anschluss an das Finale: “Ganz zufrieden können wir nicht sein, denn wir hatten im Endspiel unsere Chancen und hatten zuvor im Turnier auch schon besser gespielt. Aber alles in allem geht der Sieg für die Polen schon in Ordnung. Wir haben ja zum ersten Mal überhaupt zusammen Doppel gespielt, dafür war es insgesamt ganz gut, vor allem in der ersten Runde gegen Benne Duda und Drinkhall.”

Auch im Einzel hatte der an Position sieben gesetzte Franke gestern im Viertelfinale unglücklich mit 3:4 gegen Can Akkuzu verloren: “In diesem Match hatte ich ebenfalls meine Chancen, habe aber leider bei 2:2 und 10:6 den wichtigen fünften Satz verloren. Deshalb kann ich nicht zufrieden sein, dafür bin ich viel zu ehrgeizig. Ich weiß, es steckt noch einiges mehr in mir drin. Deshalb freue ich mich schon auf die nächsten Trainingswochen und dann hoffe ich, dass im kommenden Jahr auf internationalem Parkett die Ergebnisse wieder besser werden.”

Event-Direktor Schilling: “Das Event war ein voller Erfolg”

Auch die vierte Austragung des Düsseldorf Feeder geriet nach der Weltpremiere im vergangenen Dezember und zwei Veranstaltungen im Januar zu einem vollen Erfolg. Gastgeber Borussia Düsseldorf stemmte die ohne Pandemie-Einschränkungen erstmals mögliche maximale Teilnehmerzahl von 88 Damen und 88 Herren mit seinem 60-köpfigen Organisationsteam erneut reibungslos. Event-Direktor Alex Schilling zeigte sich am Finaltag rundum zufrieden und kündigte für den Februar bereits die beiden nächsten Feeder-Veranstaltungen an: “Es ist fantastisch, dass mit Dimitrij Ovtcharov und Xiaona Shan zwei deutsche Athleten die Einzel-Wettbewerbe gewonnen haben, die zudem auch noch in Düsseldorf leben und trainieren. Aber nicht nur die beiden haben Spitzen-Tischtennis gezeigt, wir haben insgesamt tollen Sport gesehen. Auch die gesamten Abläufe haben reibungslos geklappt, die Spielerinnen und Spieler waren zufrieden und die Volunteers haben einen großartigen Job gemacht. Kurzum: Das Event war ein voller Erfolg. Unser Dank gilt allen, die am Gelingen dieses Turniers mitgewirkt haben und unseren Sponsoren ARAG SE und D.Sports sowie unserem Kooperationspartner DTTB. Nun schauen wir mit Vorfreude auf die beiden kommenden WTT Feeder Events im Februar 2023.”

DTTB-Präsidentin Herweg: “Borussia hat das souverän gemeistert”

DTTB-Präsidentin Claudia Herweg war am Finaltag im Deutschen Tischtennis-Zentrum zu Gast. Die Kölnerin war vom Turnier und der Organisation angetan: “Auch die vierte Auflage des Feeder in Düsseldorf war wieder qualitativ herausragend besetzt. Erstmals ohne Einschränkungen durch die Pandemie war das Turnier mit einer Maximalbesetzung von 88 Damen und 88 Herren diesmal auch quantitativ eine Herausforderung, die unser Kooperationspartner Borussia Düsseldorf mit seinem Helferteam hervorragend und gewohnt souverän gemeistert hat. Düsseldorf und das DTTZ haben sich erneut als perfekte Austragungskombination für den Feeder erwiesen.”

 

Die Ergebnisse am Finaltag

Herren-Einzel, Finale

Dimitrij Ovtcharov – Benedikt Duda 4:0 (11,9,5,10)

Halbfinale

Benedikt Duda – Can Akkuzu FRA 4:0 (8,10,4,8)

Dimitrij Ovtcharov – Panagiotis Gionis GRE 4:3 (8,-8,5,-7,-10,7,2)

 

Damen-Einzel, Finale

Xiaona Shan – Natalia Bajor POL 4:0 (4,2,6,9)

Halbfinale

Natalia Bajor POL – Miwa Harimoto JPN 4:3 (-7,12,-8,8,-4,10,7)

Xiaona Shan – Miyu Nagasaki JPN 4:3 (-4,-9,8,9,-6,9,8)

 

Herren-Doppel, Finale

Cedric Meissner/Kilian Ort – Maciej Kubik/Samuel Kulczycki POL 1:3 (13,-2,-10,-10)

 

Damen-Doppel, Finale

Liu Hsin-Ying/Huang Yu-Wen TPE – Choi Hyojoo/Lee Zion KOR 3:2 (5,-4,6,-5,9)

 

Mixed, Finale

Choo Daesong/Lee Zion KOR – Ho Kwan Kit/Lee Ho Ching HKG 3:1 (7,-6,5,9)

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