Vertreter aller am Projekt beteiligten Akteure, die gemeinsam von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren werden (Foto: SWD)
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Dormagen. Straßen, die bei Starkregen zu reißenden Bächen werden, weil das Kanalsystem die Wassermengen nicht aufnehmen kann: Bilder wie diese sind eng verknüpft mit dem verheerenden Unwetter im Sommer 2021, das Teile NRWs verwüstete und etliche Menschenleben forderte. Kommunen allerorts rüsten sich spätestens seit dieser Erfahrung dafür, solchen extremen Wetterlagen besser begegnen zu können.  „Wir können zwar das Wetter nicht beeinflussen, aber mit technischen Lösungen eine Art Vorwarnsystem schaffen, damit wir vorausschauender agieren können“, erklärt Thomas Wedowski, Betriebsleiter der Technischen Betriebe Dormagen (TBD).

Die technische Lösung besteht in Sensorik. Aktuell werden stadtweit die ersten von insgesamt 30 Sensoren in Straßeneinläufen – sogenannten Senken – verbaut. In einem Pilotbetrieb erproben die TBD dann gemeinsam mit der Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen (SWD) im Kontext der Smart Industrial City mehrere Anwendungsszenarien, die dabei helfen, Prozesse zu verbessern und Einsparungen vorzunehmen.

„Routinemäßig erfolgt die Reinigung der ca. 9.200 Senken im Stadtgebiet mehrmals im Jahr, insbesondere Ende des Jahres, wenn das Laub von den Bäumen fällt. Über den Untersuchungszeitraum von mehr als einem Jahr erwarten wir Erkenntnisse darüber, ob die derzeitigen Reinigungsintervalle optimiert werden können“, führt Moritz Rechenberger, Leiter Stadtentwässerung der TBD, aus. Ein weiterer Effekt sei, dass Überstauereignisse bei Regen aus den Messdaten ablesbar sein werden. Daraus wiederum lassen sich im besten Fall Maßnahmen ableiten, die die Resilienz der Infrastruktur bei Starkregen erhöhen könnten.

Die Sensoren erfassen in definierten Zeitabständen den Füllstand der Senken. Die Daten werden über LoRaWAN-Gateways – Funknetze – an das Kanalinformationssystem der TBD sowie im weiteren Verlauf auch an die Urbane Datenplattform (UDP) übertragen, die aktuell hierfür vorbereitet wird. Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Umgebungseigenschaften und Füllgeschwindigkeiten der Senken zu erkennen.

„Innerhalb der UDP möchten wir die Messdaten dann mit weiteren Datensätzen zusammenbringen. Dazu zählen beispielsweise Wetterdaten oder Rheinpegel-Messstände. Die Kombination aller Daten soll uns dabei helfen, Starkregenereignisse lokal besser zu managen. Aus der Gesamtheit der Daten aus Sensoren, Wetterdaten und Starkregengefahrenkarten lassen sich zukünftig hochwassergefährdete Bereich besser definieren. Als Ergebnis ist eine frühzeitige Sensibilisierung der Bevölkerung und der Rettungsdienste möglich“, gibt André Heryschek, Leiter Strukturwandel und Smart City bei der SWD, einen Einblick in den praktischen Nutzen des Datenmodells.

Die Kanal-Netz GmbH aus Meerbusch begleitet das Pilotprojekt. Geschäftsführerin Elisabeth Schloten freut sich, die Daten darüber hinaus für mögliche KI-Modelle nutzen zu können. Unterstützt wird das Projekt vom CHEMPARK-Betreiber CURRENTA, der im weiteren Verlauf auch eigene Daten von Grundwasser- und Rheinpegel-Messständen einbringen wird. „Wir teilen Daten miteinander und natürlich auch die aus dem Pilotprojekt gewonnenen Erkenntnisse, sodass alle Seiten profitieren werden“, betont SWD-Smart City Manager Christoph Reitenberger.

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