(Foto: stock.adobe.com © Gorodenkoff)
Anzeige

Rhein-Ruhr. Worum geht es im Kern bei absolut jeder Art von Geldanlage? Du investierst Geld, das dir gehört, damit es sich ohne deine eigene Arbeitsleistung (darauf kommt es an!) vermehrt.

  • Du bekommst beispielsweise Zinsen,
  • verkaufst für einen höheren Preis als du eingekauft hast oder
  • es werden Dividenden an dich ausgeschüttet.

Natürlich ist ein solches passives Einkommen hochkomfortabel. Du bekommst in einem Zeitraum X mehr Geld als du es durch deine eigene Arbeit verdienen könntest. Mit den richtigen Investitionssummen, Strategien und einer Prise Glück wäre es sogar möglich, nur von diesen passiven Einkünften zu leben – und deine Tage nur noch mit Dingen zu gestalten, die du gerne machst.

Aber: Praktisch jede Form von Geldanlage enthält ein Verlustrisiko. Dessen Höhe und Umfang unterscheiden sich durch die Art der Anlage. ETFs beispielsweise sind ziemlich sicher, weil deine Einlagen als Sondervermögen geschützt sind. Das, was du investierst, bleibt also selbst im Extremfall erhalten. Bei anderen Investitionsformen sieht es jedoch anders aus; da kannst du mit Pech alles verlieren.

Aus diesem Grund und damit du langfristig stets nur schwarze Zahlen zu vermelden hast, solltest du dich an mehrere Grundregeln halten. Wir verraten sie dir.

1. Investiere niemals geliehenes Geld

Weißt du, warum der Börsencrash 1929 so extreme Auswirkungen hatte? In der vorherigen Boom-Phase hatten viele Anleger sich extra Geld geliehen, um es investieren zu können. Als die Blase damals Ende Oktober platzte, taten es deshalb ebenso zahlreiche Kredite und machten so Banken zahlungsunfähig. Schätzungsweise jeder vierte US-Bürger hatte damals Aktien und ein Großteil davon war auf Pump erworben.

Zwar sorgen Börsenaufsichten heute dafür, dass sich sowas kaum noch wiederholen kann. Dennoch solltest du niemals geliehenes Geld investieren. Denn immer musst du dafür Zinsen zahlen. Deine Investition muss deshalb zwingend Gewinne abwerfen (und zwar idealerweise dauerhaft).

Außerdem schmälern die Zinsen deinen Gewinn: Du beweist Anlagegeschick, aber der, der dir das Geld geliehen hat, heimst einen Teil der Erfolge ein. Plus, überall dort, wo es keinen Einlagenschutz gibt, können Totalverluste drohen. Dann musst du die Rückzahlung komplett selbst übernehmen. Apropos:

2. Nutze stets nur Geld, das du problemlos erübrigen kannst

Einmal angenommen, du verdienst als Angestellter monatlich netto exakt 2.000 Euro. Dann könntest du theoretisch jeden Monat 2.000 Euro investieren. Das klingt für dich etwas abenteuerlich? Stimmt, denn das wäre es in der Praxis tatsächlich.

Wir alle haben in unserem Leben Fixkosten, die wir bestreiten müssen.

  • Miete,
  • Kreditrückzahlungen,
  • Kosten fürs Pendeln,
  • Reparaturrücklagen,
  • Lebensmittel,
  • Strom und Wasser.

Das alles sind Dinge, die auf der Prioritätenliste an der Spitze stehen. Sie musst du begleichen, ganz gleich, was dann noch übrigbleibt.

Daraus ergeht deshalb Regel Nummer 2: Du solltest ausschließlich Geld investieren, das du momentan nicht für derart wichtige Ausgaben benötigst. Wenn du dir für die Geldanlage eine Reise verkneifen oder seltener auswärts essen musst, dann ist das zu verkraften. Müsstest du jedoch den Gürtel deswegen enger schnallen, wäre es fahrlässig. Ergo: Setze nur Geldmittel ein, auf die du planbar verzichten kannst.

3. Schaue auf das große Ganze, nicht die Kleinteile

Stell dir vor, du erwirbst Aktien für 1.000 Euro. Sie legen innerhalb kürzester Zeit zu und bei einem Stand von 2.500 Euro verkaufst du wieder. Macht einen Gewinn von 1.500 Euro. Natürlich lägest du damit über der Freigrenze, es fielen also noch Steuern auf das Geld an. Aber darum geht es in diesem Kapitel nicht:

Hättest du ebenfalls Gewinn gemacht, wenn du zuvor bei einem Aktien-Deal 1.500 Euro verloren hättest, weil der Kurs unerwartet abstürzte? Nein: Du hättest durch das erstgenannte Geschäft bloß deine Verluste ausgeglichen, in der Summe stündest du jetzt bei Null.

Viele Anleger-Neulinge vergessen solche Feinheiten. Sie schauen nur auf die kurzfristigen Gewinne. Dabei musst du hier viel großmaßstäblicher, strategischer denken. Ähnlich, wie jemand, der Sportwetten betreibt, sich mit der komplexen Progressionsrechnung befassen muss, muss es auch jeder Anleger tun.

Ob du langfristig wirklich ein zusätzliches passives Einkommen generierst (also dauerhafte Gewinne erzielst), zeigt sich erst im Verlauf der Progressionsrechnung. Gewinne einzelner Deals mögen zwar schön sein. Doch erst, wenn du sie mit möglichen vorherigen und zukünftigen Verlusten verrechnest, zeigt sich, ob sich deine Anlagestrategie tatsächlich bezahlt macht.

4. Verfalle niemals in Panik, sondern bleibe cool

Wir müssen ein weiteres Mal den Börsencrash 1929 erwähnen, weil er archetypisch für zahlreiche Formen von Fehlverhalten ist. Zu einem echten Crash wurde er nämlich erst dann, als zigtausende Anleger und selbst abgebrühte Händler Panik bekamen und ihre Aktien abstießen – egal wie viel Verlust sie dabei machten.

Wie gesagt, heute verhindern Sicherheitsmechanismen solche Panikverkäufe. Dennoch solltest du um deiner eigenen Mittel wegen einen kühlen Kopf bewahren. Insbesondere dort, wo deine Investitionen mit dem Auf und Ab an den Märkten verknüpft sind, solltest du dich keinesfalls von kurzfristigen Kursbewegungen zu ähnlich kurzfristigen Handlungen verleiten lassen.

Jede Aktie kann einen kurzen „Stolperer“ nach unten machen; ähnlich jeder Index et cetera. Ebenso kann es bergauf gehen. Beides heißt jedoch nicht, du müsstest dann sofort handeln (im doppelten Wortsinn gemeint). Der Kursverlust kann sich schon in den kommenden Tagen wieder erholen. Umgekehrt könnte der Anstieg noch viel länger andauern.

In beiden Fällen würdest du Verluste machen, respektive dich um (noch) höhere Gewinne bringen, wenn du kopflos deine Investition abstößt. Ein guter Investor behält die Nerven und schaut deswegen auch nicht andauernd auf die Kurse seiner Anlagen. Erneut gilt: Seriöse Geldanlage ist ein Langstreckenlauf, kein Sprint.

5. Bilde stets Rücklagen

Stell dir bitte folgendes Szenario vor: Du hast am Jahresende durch Dividenden und den gewinnträchtigen Verkauf von ETFs 100.000 Euro realen Gewinn gemacht – der Einfachheit halber nach Steuern. Jetzt hast du zwei Optionen:

  1. Du gehst ins Autohaus und steckst das ganze Geld in einen Porsche 911 Turbo.
  2. Du nimmst 50.000 Euro und legst sie in ein bombensicheres, aber auf jeden Fall kurzfristig auslösbares Finanzprodukt an; selbst wenn die Zinsen nur gerade eben die Inflationsrate halten. Nur vom Rest gönnst du dir etwas.

Variante 1 mag sicher charmanter klingen. Variante 2 ist jedoch eines seriösen Investors deutlich würdiger. Egal, welchen Star der Szene du dir anschaust, sie alle bilden immer eine Liquiditätsreserve für schlechte Zeiten.

So solltest du es ebenfalls handhaben. Dieses Geld muss nicht einmal nur für Notfälle bestimmt sein, sondern ebenso das Gegenteil. Stell dir vor, du hättest Variante 1 gewählt, bekämst jedoch eine Woche später die Chance, in einen wirklich hochattraktiven ETF zu investieren, der gerade erst aufgebaut wurde.

6. Höre niemals auf vermeintliche „Geheimtipps“

Investment ist heute ein Spiel mit sehr vielen Teilnehmern. Eines, das zudem enorm komplex ist. Angesichts dessen wirst du immer wieder auf Menschen treffen, die dir beinahe buchstäblich das Blaue vom Himmel versprechen. Renditen, die nur noch den Titel „fantastisch“ verdienen oder Sicherheiten, bei denen du dich fragst, warum nicht jeder direkt zugreift.

Folgendermaßen sieht es in der Realität aus: Wenn ein Deal zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist er es mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit auch. Niemand hat Geld zu verschenken. Deshalb hat niemand etwas davon, wenn er bei besonders attraktiven Deals überhaupt andere einweiht – und wenn, dann sicherlich niemanden außerhalb seines Freundes- und Familienkreises.

Frag dich bei solchen Angeboten lieber, warum nicht jeder sofort zuschlägt, wenn sie doch angeblich so gut sind. Und bedenke immer: Das Weitergeben und Ausnutzen von echten Insiderinformationen ist strafbar – in Deutschland und den meisten anderen Staaten.

7. Setze absolut niemals alles auf eine Karte

Wir kommen zum finalen Tipp dieses Artikels. Tatsächlich dürfte es sich bei ihm um den wichtigsten handeln, den du rund um Investitionen und Geldanlage beherzigen solltest: Stecke niemals alles, was du entbehren kannst, in eine einzige Anlage.

Sowas kann gutgehen. Ebenso kann es jedoch das Gegenteil tun. Kein erfolgreicher Anleger wird jemals alle Mittel nur in einen einzigen ETF setzen. Kein Börsenspekulant hält nur Aktien eines Unternehmens.

Streuung mag dich vielleicht um einige Euros bringen. Doch nur sie schützt dich vor Unsicherheiten, die manche Produkte auf anderem Wege einfach nicht bieten können. Gerade wenn du kein seit Jahrzehnten routinierter, mit allen Wassern gewaschener Anlageprofi bist, solltest du das beherzigen.

Beitrag drucken
Anzeige