(Foto: Citymanagement Sterkrade)
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Oberhausen. Der Weg zum neu gestalteten „Kleinen Markt“ ist bisweilen steinig, darüber wurde bereits viel berichtet. Doch viel zu wenige Informationen gab es bisher über den Nutzen des umfangreichen Umbaus mitten in der Sterkrader Innenstadt und die aufwendigen baulichen Maßnahmen unter der Erde. Die Schlagwörter klimagerechter Umbau und Baumrigolen sind immer mal wieder gefallen, aber was genau bedeutet das? Warum ist das nötig und sinnvoll?

Wenn der Platz einmal fertig ist, werden die Besucher:innen nichts mehr davon mitbekommen, was den Bau einst so aufwendig gemacht hat. Denn die Besonderheiten, die den Ort für künftige Starkregenereignisse und Hitzeperioden weniger anfällig machen sind unterirdisch verbaut und der neueste Stand der Technik. „Schwammstadt“-Prinzip wird es genannt. Das bedeutet, das Wasser wird erstmal dort gesammelt und gespeichert, wo es herunterkommt. Dort dient es beispielsweise der Bewässerung der Bäume. Erst wenn so viel Wasser zusammenkommt, dass auch die Speicher voll sind, wird das Regenwasser in die Kanalisation abgeleitet.

Aber wie funktioniert das? Die 12 Bäume sind entweder einzeln oder als Gruppe in Rigolen gepflanzt. Rigolen sind eine mit Bentonitmatten ausgekleidete Art großer Blumenkübel, die in Verbindung mit Wasser undurchlässig werden, sodass die Rigolen das Wasser speichern. Insgesamt können rund 60.000 Liter Wasser unter dem Kleinen Markt gespeichert werden. Weiteres Wasser wird in dem darüber befindlichen Aufbau aus Lava und Tonsubstrat gespeichert. Das sind noch einmal rund 180 Kubikmeter Speichervolumen. Damit das Oberflächenwasser von dem gesamten Platz seinen Weg in die Rigolen  findet, muss zum einen ein besonderes Gefälle auf dem Kleinen Markt eingehalten werden und zum anderen dienen die Abläufe als Sammler und haben einen Zulauf zu den Rigolen. Dass das System funktioniert, davon ist Stefan Nolzen, der Bauleiter der beauftragten Baufirma überzeugt. „Die Bäume wurden noch nicht einmal gewässert, aber alle sind toll angegangen und tragen volles Laub“, stellt er zufrieden fest.

Mittlerweile besteht die Baustelle deutlich länger als alle geplant haben. Es kam leider zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten. Besonders hart hat es bisher die Geschäfte an der nördlichen Seite des Kleinen Marktes getroffen. Über Monate waren Optiker, Haushaltswarengeschäft, Fotogeschäft, Eisdiele, Nagelstudio, Friseur und Handyladen nur eingeschränkt zu erreichen, auch wenn sie dauerhaft für ihre Kund:innen geöffnet hatten. Aber die wechselnden Sackgassensituationen und die Zuwegung über Stege waren für viele Besucher:innen nicht zu überblicken. „Die Bürger:innen mussten große Strapazen auf sich nehmen, um auf den Behelfswegen in die Geschäfte zu finden“, bedauert Monika Stietzel vom Haushaltswarengeschäft Spickermann.

Da halfen auch die zahlreichen Versuche einer regelmäßig angepassten Beschilderung für die aktuelle Wegeführung nichts. Seit dem „Spiel- und Sportwochenende“ ist der Durchgang von Kaufland bis zur Bahnhofstraße nun dauerhaft durchgängig. „Das muss unbedingt so bleiben“, fordert Robbie Schlagböhmer von der Sterkrader Interessengemeinschaft, denn mit Nachdruck machen die Anlieger:innen mittlerweile auf die deutlichen Beeinträchtigungen auf ihre Geschäfte aufmerksam. Auch wenn sich die Baufirma seit Anbeginn der Baustelle bemüht, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, es ist nun einmal eine Baustelle. Und derzeit verläuft die Verbindung von Kaufland zur Steinbrinkstraße über eine Baustelle, auch wenn bereits über die Hälfte der Fläche gepflastert ist.

Bei den regelmäßigen Bauzaungesprächen, die das Stadtteilbüro auf Wunsch der Anlieger:innen in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Fachbereich Straßen- und Kanalbau führt, wurde die Frage aufgeworfen, warum das Pflastern denn nicht schneller geht. Und auch dazu gibt es gute Gründe. Das sehr klein gewählte Pflaster ist notwendig, um der Geländemodellierung auf dem Platz nachzukommen. So können beispielsweise die Zuläufe zu den Rigolen gestaltet werden, ohne dass Stolperkanten entstehen. Außerdem wird das Pflaster hochkant verlegt, da es regelmäßig überfahren wird und somit einer hohen Beanspruchung unterliegt. Um ständige gebrochene oder klappernde Platten zu verhindern, hat man sich für diese Variante entschieden. Ein ganz wichtiger Grund, warum der zweite Bauabschnitt im Verhältnis deutlich länger dauert, ist der Tatsache geschuldet, dass in Abschnitten gearbeitet werden muss, um immer einen Laufweg für Passant:innen frei zu halten und den Zugang zu den Geschäften zu ermöglichen. „Das verlangsamt die Arbeiten zusätzlich, da so nicht einfach „durchgelegt“ werden kann“, berichtet der Bauleiter vor Ort.

Und wer finanziert das ganze jetzt überhaupt? Eine häufige Frage, die Bürger:innen sich angesichts der knappen Kasse stellen. Gerade in der vergangenen Woche gab es eine tolle Nachricht für die Stadt Oberhausen. Denn der klimaresiliente Umbau des Kleinen Marktes wird über Fördergelder aus dem Programm „Lebendige Zentren“ finanziert. Für den Umbau des Kleinen Marktes wurden rd. 1,1 Mio. Euro an Fördergeldern bewilligt. Seitdem ist viel passiert. Corona hat die Preise in die Höhe schnellen lassen und die schwere Hochwasserkatastrophe 2021 hat zu einem Umdenken geführt. Das bereits ausgearbeitete Konzept wurde noch einmal vor dem Hintergrund der klimaresilienten Stadtentwicklung angepasst. All dies war bei der ersten Kostenschätzung natürlich nicht mit einzukalkulieren. So schienen die Kosten für die Stadt doch deutlich höher zu werden. Aber nun kam die Programmveröffentlichung im Mai 2023! Im vergangenen Jahr hatte die Kommune noch einmal die Kostenanpassung als Förderantrag eingereicht. Und tatsächlich: Die gesamte zusätzliche Kostensumme für Planungs- und Baukosten in Höhe von rd. 1,15 Mio. Euro wurde als Förderung zugesagt. Damit fließt nochmals die Höhe der ursprünglichen Fördersumme nach Sterkrade.

„Da hat sich der Aufwand für den erneuten Antrag natürlich gelohnt, so Marcus Romanos, Fachbereichsleiter Stadterneuerung, „Wir freuen uns riesig darüber!“. Dennoch bekräftigt er noch einmal, dass er sehr bedauert, wie sehr die Geschäfte unter der Situation leiden, denn für sie ist der Geldsegen der Fördergeber für den Kleinen Markt erstmal nicht relevant.

Bis in diesem Jahr die große Eröffnungsparty gefeiert werden kann, ist noch einiges zu erledigen. Gerade die Pflasterarbeiten direkt vor den Eingängen erfordern noch einmal Geduld bei den Geschäftsinhaber:innen. Wie es fertig aussehen wird, kann man bereits vor Optik Giepen und Spickermann bestaunen, denn die neue Treppenanlage ist fertiggestellt. Auch die Fläche bis zur Eisdiele ist fertig und erleichtert die Erreichbarkeit deutlich. Sobald die Fläche vor dem Nagelstudie und dem Friseur fertig ist, ist das Schwierigste geschafft. Danach muss noch der Anschluss vom Handyladen bis Kaufland erfolgen und dann geht es in der Mitte des Platzes weiter. Alle Geschäfte sind aber weiterhin für die Kund:innen geöffnet, auch wenn die Bedingungen nicht ganz leicht sind. Nach Rücksprache mit dem Bauleiter wird zudem mehr Personal auch an den Brückentagen zum Tragen kommen.

Schon heute kann man sich vorstellen, dass der Kleine Markt hell und freundlich wird. Der kleine Baumhain, das Fontänenfeld, das nicht nur für zusätzliche Kühlung sorgt, sondern ein Wasserspielbereich für Kinder ist und die Spiel- und Sitzgelegenheiten bieten eine abwechslungsreiche Gestaltung und mittendrin thront die uralte Platane.

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