Die neunjährige Liya aus Äthiopien wurde von den Kinderneurochirurgen Claudia Navas und Dr. Lutz Schreiber operiert (Foto: Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen)
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Gelsenkirchen. Vor einem Jahr wurde die Klinik für Pädiatrische Neurochirurgie in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen gegründet. Hier werden Kinder, Kleinkinder und Säuglinge mit Erkrankungen des Gehirns, des Schädelknochens und des Rückenmarks behandelt und operiert. „In den letzten zwölf Monaten haben wir über 700 Patienten ambulant behandelt und mehr als 150 Kinder operiert. Wir sind hier am Standort bestens angekommen“, blickt Chefarzt Dr. Lutz Schreiber zufrieden auf das letzte Jahr zurück. Die 24-stündige Versorgung von kinderneurochirurgischen Notfällen und verunfallten Kindern mit zum Teil schwersten Kopfverletzungen hat sich bewährt – das zertifiziertes überregionale Traumazentrum hat mit der kinderneurochirurgischen Klinik eine weitere besondere Expertise hinzugewonnen.

„Die enge, auch überregionale Zusammenarbeit mit vielen Kinderarztpraxen und umliegenden Kinderkliniken freut mich sehr, denn damit versorgen wir die betroffenen Kinder schneller, besser und ganzheitlicher.

Dies gilt insbesondere für Kinder mit dem Verdacht auf eine Kraniosynostose, eine vorzeitige Verknöcherung der Schädelnähte bei Säuglingen. Eine derartige Erkrankung, die zu krankhaften und folgeträchtigen Verformungen des Kopfes und des Gesichtes führen kann, sollte möglichst in den ersten vier Lebensmonaten mit einer für das Kind schonenden Schlüsselloch-Operation beseitigt werden. „So vermeiden wir später größere Operationen und längere Krankenhausaufenthalte.“ Vor einiger Zeit hat sich eine Selbsthilfegruppe für Familien, deren Kinder Beeinträchtigungen haben oder bereits operiert werden mussten, gegründet, die von der kinderneurochirurgischen Klinik unterstützt wird. Dr. Schreiber: „Solche Netzwerke sind für die betroffenen Familien sehr wichtig, da ein direkter Austausch und eine Unterstützung der Familien untereinander großen Halt geben können.“

Für die operative Behandlung von Kindern aus Entwicklungsländern setzen sich Dr. Schreiber und sein Team immer wieder ein. Wie etwa bei der neunjährigen Liya aus Äthiopien. Ihr gutartiger Hirntumor im Kleinhirn galt in ihrem Heimatland als nicht operabel. Vier Jahre lang lebte das Mädchen mit der lebensbedrohlichen Erkrankung und schweren gesundheitlichen Belastungen. „Der Tumor war so groß wie eine Apfelsine und drückte massiv auf den Hirnstamm. Starke Kopfschmerzen und Übelkeit, Konzentrations- und Gleichgewichtsstörungen sowie motorischen Probleme waren die Folge“, so Chefarzt Dr. Schreiber, der Liya gemeinsam mit seiner Oberärztin Claudia Navas sechs Stunden lang operierte. An den komplexen Eingriff erinnert eine zwölf Zentimeter lange Narbe vom Nacken aufwärts. Mit einer guten Prognose für ihre weitere Entwicklung und ohne gesundheitliche Beeinträchtigung kehrte Liya nach Äthiopien zurück.

Der erste Patientenkontakt erfolgt in der Ambulanz der Klinik für Pädiatrische Neurochirurgie innerhalb von 14 Tagen. Hier finden Ultraschalluntersuchung, Beratung und Diagnose aller kinderneurochirurgischer Krankheitsbilder statt. Kontakt: 0209 369-602.

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