Gemeinsamer Kraftakt für den Krefelder Zoo: (v.l.) Aufsichtsratsvorsitzende Heidi Matthias, Oberbürgermeister Frank Meyer, Zoodirektorin Stefanie Markowski, kaufmännischer Leiter Frank Rusch, Vorsitzender der Zoofreunde Friedrich Berlemann und Architekt Heinz Berger. Polier Emanuel Berg las den Richtspruch vor (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation)
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Krefeld. „Der Bau zeigt, wie wir uns die Arbeit des Zoos im 21. Jahrhundert vorstellen”

Das neue Bauwerk am südlichen Ende des Zoos, das der Oberbürgermeister als „Krefelder Antwort auf die schreckliche Brandnacht” bezeichnet, ist beeindruckend in die Höhe gewachsen: 28 Meter breit, 40 Meter lang, zwei Stockwerke hoch, 1.300 Kubikmeter Beton und viele Tonnen Stahl. Es ist die neue Heimat für drei Menschenaffenarten – Gorillas, Schimpansen, Mangaben – und der erste Bauabschnitt des Artenschutzzentrums Affenpark, das bis etwa 2030 im Krefelder Zoo entstehen soll. „Dieses Gebäude verkörpert den großen gesellschaftlichen Rückhalt für unseren Zoo und die emotionale Verbindung der Menschen zu diesem Ort”, sagte Oberbürgermeister Frank Meyer beim Richtfest. „Der Bau zeigt, wie wir uns die Arbeit des Zoos im 21. Jahrhundert vorstellen – als Wahrnehmung von Verantwortung für bedrohte Tierarten.”

Ganz ähnlich äußerte sich Zoodirektorin Dr. Stefanie Markowski: „Unser gesellschaftlicher Auftrag ist der Kampf gegen das Artensterben. Zoos übernehmen die Funktion einer Arche und dienen darüber hinaus als Ort für Wissenschaft und Forschung.” Das neue Gebäude sei darauf ausgerichtet, die Haltung der Affen nach deren natürlichen Bedürfnissen auszurichten: „Die Basis ist das Wohlergehen der Tiere.” So seien die Erfahrungen der Tierpfleger und Erkenntnisse über das Verhalten der Tiere in der Natur in die Planungen eingeflossen und finden sich in der Struktur der neuen Räumlichkeiten wieder. Zum Richtfest durften die Gäste das komplette Gebäude begehen. Nach der Eröffnung umfasst der Besucherbereich lediglich 200 Quadratmeter, der Rest gehört den Affen, den Pflegern und der Wissenschaft. Hinzu kommen zwei großzügige übernetzte Außenbereiche.

Bau liegt mit 11,5 Millionen Euro finanziell voll im Plan

Vom Gerüst aus sprach Polier Emanuel Berg in Begleitung von Stefanie Markowski und dem kaufmännischen Leiter Frank Rusch den Richtspruch für das Bauwerk. „Es grüßt vom Dach die bunte Krone, dem Handwerk zur Ehr’, dem Bauherrn zum Lohne”, hieß es unter dem Beifall der zahlreichen Gäste. Die Schnapsgläser, in die zuvor Hochprozentiges ausgeschenkt worden war, wurden anschließend auf dem Boden zerschmettert: „Glas, zu Scherben nun zerspringe, Glück und Wohlstand allen bringe.” Die guten Wünsche haben sich bislang erfüllt: Vom Spatenstich bis zum Richtfest hat es keine neun Monate gedauert, auch finanziell liegt der mit 11,5 Millionen Euro budgetierte Bau voll im Plan.

Die Finanzierung für das Drei-Arten-Warmhaus mit Außenanlagen steht auf vier Säulen: Spenden nach dem Brand des alten Affenhauses, Stiftungsgelder und Spenden für den vormals geplanten Schimpansenwald, Zahlungen der Versicherung und Mittel des Hauptgesellschafters Stadt Krefeld. „Wir haben uns schon am Tag nach dem Brand die Hand darauf gegeben, dass dies nicht das letzte Wort zur Haltung von Menschenaffen im Krefelder Zoo war”, erinnerte sich Frank Meyer und dankte dem Stadtrat und der Bevölkerung für den „riesigen Rückenwind”.

Dieser Rückenwind schlägt sich auch in der Entwicklung der Mitgliederzahlen bei den Krefelder Zoofreunden nieder. Fast 2.000 neue Unterstützer seien nach dem Brand hinzugekommen, betonte deren Vorsitzender Friedrich Berlemann: „Mit 6.500 Mitgliedern ist unser Verein größer als sein Pendant in Berlin. Unsere Bürgerschaft steht fest und sicher hinter ihrem Zoo.” Das sei sowohl in großen Spendenevents als auch „durch viele kleine Sparschweine, die geschlachtet wurden”, deutlich geworden. Als Vertreter des Mitgesellschafters der Zoo gGmbH dankte der Chef der Zoofreunde besonders den Tierpflegerinnen und -pflegern: „Sie haben ihr Herzblut gegeben, um den neuen Affenpark so zu gestalten, dass er vor allem den Tieren gerecht wird”, erklärte Friedrich Berlemann in seiner Ansprache. Die Vorsitzende des Aufsichtsrates, Heidi Matthias, ergänzte, sie könne es kaum erwarten, dass die verbliebenen Schimpansen Bally und Limbo „ihr neues großzügiges” Zuhause in Besitz nähmen: „Viereinhalb Jahre nach dem Trauma des Brandes werden sie dann auch wieder neue Artgenossen hinzubekommen.”

Fertigstellung soll bis etwa 2030 in drei Bauabschnitten erfolgen

Als Architekt des neuen Gebäudes hob Heinz Berger die Rolle des früheren Zoodirektors Dr. Wolfgang Dreßen bei der Planung des Affenhauses hervor: „Die Grundidee, wie das Bauwerk aussehen soll, stammt von ihm.” Die meisten Anlagen für die Affen haben eine Höhe von acht Metern und verfügen über einen Naturboden. „Im Inneren des Hauses soll der Besucher sich fühlen, als stehe er innerhalb des Geheges”, erklärt der Architekt. Dafür sorgen sowohl die Anordnung der Räume als auch die großen Sichtfenster. Energetisch wird das Gebäude mit Fernwärme versorgt. Das begrünte Dach wird mit Photovoltaik ausgestattet.

Das „Artenschutzzentrum Affenpark” soll bis etwa 2030 in drei zeitlich aufeinanderfolgenden Bauabschnitten realisiert werden. Unter anderem soll noch ein Haus für Orang-Utans und Gibbons entstehen. Der lange Zeitraum ermöglicht zum einen das Einwerben weiterer Investitionsmittel durch die Zoo Krefeld gGmbH und den Verein Zoofreunde Krefeld, insbesondere für die Bauabschnitte 2 und 3, zum anderen belastet keine über Jahre andauernde Großbaustelle den Zoo, seine Bewohner und die Besucher. Die Stadt beteiligt sich als Mehrheitsgesellschafter mit rund 20 Millionen Euro am Gesamtprojekt.

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