Uedem. „Mit Gemeinsinn und Zuversicht in die Zukunft“
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
jetzt nach Weihnachten und zum Jahreswechsel ist der richtige Zeitpunkt, um innezuhalten, auf das vergangene Jahr 2024 zurückzuschauen und einen Ausblick auf das neue Jahr 2025 zu wagen.
Wir blicken auf ein weiteres schwieriges Jahr mit großen Herausforderungen zurück. Das Jahr 2024 war von vielen welt- und bundespolitischen Ereignissen geprägt, die auch Auswirkungen auf unsere Gemeinde Uedem haben. Besonders der seit fast drei Jahre anhaltende Krieg Russlands gegen die Ukraine und die im Nahen Osten nicht enden wollenden kriegerischen Auseinandersetzungen machen auch uns hier vor Ort sehr zu schaffen. Die Unterbringung von Flüchtlingen ist immer noch eine der größten Herausforderungen für die Kommunen.
Die Welt ist nicht mehr in Ordnung. Auch in Deutschland wurden wir mit schweren Anschlägen und Gewaltakten in Städten wie Mannheim, Solingen und zuletzt auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg konfrontiert. Diese tragischen Ereignisse sind schmerzhaft und fordern uns auf, unseren Zusammenhalt und unsere Toleranz in der Gesellschaft noch stärker zu betonen.
Auch die soziale und wirtschaftliche Lage in unserem Land beschäftigt viele Menschen. Das Leben ist gefühlt teurer geworden. Immer mehr Menschen leben in Armut. Die wirtschaftliche Entwicklung stagniert weiterhin, immer mehr Firmen kündigen Personalentlassungen an.
Die politischen Turbulenzen auf Bundesebene haben zum Ende des Jahres 2024 zu einer weiteren Krise und zum Bruch der Ampel-Koalition geführt. Auch wenn die Ampel-Koalition auf bundespolitischer Ebene vor großen Herausforderungen stand, haben die schwierige politische und gesellschaftliche Stimmung bei vielen Menschen zu Verunsicherung geführt. Die Menschen wollen keinen Streit, sie erwarten von der Politik Lösungen. Die anstehende Neuwahl zum Bundestag am 23. Februar 2025 wird eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft unseres Landes und die Demokratie sein.
Rückblick 2024
Unterbringung von geflüchteten Menschen
In 2024 haben wir in der Verwaltung erneut viel Kraft aufwenden müssen, um den ankommenden Flüchtlingen aus den Krisengebieten hier eine menschenwürdige Unterbringung zu ermöglichen. In der Gemeinde Uedem sind aktuell etwa 285 Menschen in 38 angemieteten Häusern und Wohnungen untergebracht. Das sind zwar nur 15 mehr als noch vor einem Jahr, dennoch gab es 98 neue Zuweisungen. Um für weitere Zuweisungen von Flüchtlingen vorbereitet zu sein, haben wir in 2024 den ehemaligen Edeka-Markt an der Meursfeldstraße zu einer Flüchtlingsunterkunft umbauen lassen. Dort können in 9 Wohnbereichen insgesamt 54 geflüchtete Menschen untergebracht werden. Durch die Schaffung dieser Flüchtlingsunterkunft wird es weiterhin gelingen, keine Turnhallen in Anspruch nehmen zu müssen.
Mir ist bewusst, dass es auch Bürgerinnen und Bürger im Umfeld dieser Wohnanlage gibt, die sich Sorgen machen. Rat und Verwaltung werden alles unternehmen, dass es ein gutes Miteinander zwischen den Flüchtlingen und der Uedemer Bürgerschaft geben wird.
Ich möchte mich bei den zahlreichen ehrenamtlichen Kräften, die die Gemeinde in der Flüchtlingshilfe tatkräftig unterstützen, herzlich bedanken. Ohne Sie könnten wir die Flüchtlingssituation nicht bewältigen.
Wirtschaftliche und finanzielle Lage ist noch gut
In unserer Gemeinde ist die wirtschaftliche Lage noch gut. Aufgrund des Branchenmix und der guten Auftragslage konnten die Uedemer Unternehmen gute Umsätze machen, die sich auch in der Gemeindekasse bemerkbar machten. In 2024 zahlten die Unternehmen insgesamt rund 8,2 Mio. € an Gewerbesteuer ein und damit nochmals 0,4 Mio. € mehr als in 2023. Die gute wirtschaftliche Entwicklung sicherte uns in den letzten Jahren die auskömmliche Finanzierung für die gemeindlichen Aufgaben. Ich hoffe, dass dies auch in 2025 noch so bleibt, denn erste Anzeichen einer Abschwächung deuten sich an. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Gewerbetreibenden für ihren unternehmerischen Einsatz, der unserer Gemeinde zugutekommt, herzlich bedanken.
Die Krisen der Welt sowie die stagnierende Wirtschaftslage spüren wir auch in unserem Gemeindehaushalt. Bauprojekte werden teurer als geplant, Zuschüsse und Fördermittel vom Bund und vom Land NRW fließen nicht mehr so wie in den Vorjahren. Nach aktuellem Stand wird das Haushaltsdefizit der Gemeinde Uedem für das Jahr 2024 etwa 0,5 Mio. € betragen, in den Folgejahren bis zum Jahr 2028 sogar jeweils rund 2,0 Mio. €, sodass die Ausgleichsrücklage mit einem Bestand von aktuell rund 13,2 Mio. € schnell aufgebraucht sein wird. Weiter steigende Sozialaufwendungen und Transferaufwendungen (Allgemeine Kreisumlage und Jugendamtsumlage) sind trotz der gestiegenen Steuereinnahmen nicht zu kompensieren. Zusätzliche von Bund und Land NRW übertragene Aufgaben für die Städte und Gemeinden wie beispielsweise der Offene Ganztag für Grundschulkinder (OGS) oder die Versorgung von Geflüchteten sind gesellschaftlich notwendig, aber unterfinanziert. Das verschlechtert die Finanzlage weiter. Das Land muss dringend die Zuweisungen im Gemeindefinanzausgleich erhöhen. Auch das Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, bezahlt!“) muss eingehalten werden.
Dabei müssen wir in der Politik auch ehrlich sein und den Bürgerinnen und Bürgern auch sagen, wie es um unser Land bestellt ist. Dem Bund und dem Land NRW fehlt es ebenfalls an Finanzmitteln. Daher müssen wir sowohl im Bund und im Land als auch in der Gemeinde Uedem Prioritäten setzen, denn nicht alles Wünschenswerte ist zukünftig noch bezahlbar. Auch bei der Gemeinderatswahl und Bürgermeisterwahl am 14.09.2025 sollten wir Politiker keine Wahlversprechungen machen, die wir letztlich nicht einlösen können.
Dennoch sollten wir nicht zu pessimistisch in die Zukunft schauen. Unsere Infrastruktur in der Gemeinde Uedem (Straßen, Gebäude und Anlagen) ist in einem sehr guten Zustand. Hier macht sich bezahlt, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in das Gemeindevermögen investiert haben. Zudem liegt die aktuelle Verschuldung bei nur 263 € je Einwohner.
Planungen und Maßnahmen
Trotz der schwierigen gesamtpolitischen und wirtschaftlichen Lage konnten wir in unserer Gemeinde in 2024 viele wichtige Projekte auf den Weg bringen und Maßnahmen umsetzen.
In den Ortsteilen Uedem, Keppeln und Uedemerbruch konnten die Bebauungsplanverfahren für neue Baugebiete abgeschlossen werden.
Zur Erweiterung des Gewerbegebietes (3. Reihe südlich der Molkereistraße) wurden bereits einige Ackerflächen erworben werden. Bis Mitte des Jahres 2025 hoffen wir die verbleibenden Grundstücke erwerben zu können, um dann die Bauleitplanverfahren für das etwa 6 ha große Gebiet durchführen zu können.
Die Erweiterung der Grundschule für den Offenen Ganztagsbereich (OGS) ist ebenfalls weit fortgeschritten und wird bis zum Schuljahresbeginn 2025/2026 fertiggestellt sein.
Was mit ehrenamtlichem Engagement alles möglich ist, zeigen die nächsten drei Maßnahmen. In Uedem konnte mit viel Eigenleistung des Uedemer Tennisclubs das Tennisplatzhaus für 300.00 € saniert und modernisiert werden.
In Keppeln errichteten unter Führung des Trägervereins Bürgerbegegnungsstätte Keppeln die Bürgerinnen und Bürger sowie Vereinsmitglieder weitgehend in Eigenleistung einen Anbau an der Bürgerbegegnungsstätte und richteten dort zwei Kegelbahnen ein. Die Kosten betrugen etwa 675.000 €, wozu die Gemeinde einen Zuschuss in Höhe von 100.000 € und ein unverzinslich zurückzuzahlendes Darlehen von 93.000 € gewährte. 125 Freiwillige leisteten an 150 Tagen insgesamt 5.000 Arbeitsstunden.
Ein weiteres mit viel ehrenamtlicher Unterstützung aus der Bürgerschaft getragenes Projekt war der Bau des Dorfgemeinschaftshauses in Uedemerbruch. Die Baukosten betrugen 2,133 Mio. €, die Eigenleistung der Brucher rund 6.500 Arbeitsstunden. Hier ist ein Ort der Begegnung entstanden, der das dörfliche Leben weiterentwickeln und stärken wird.
An dieser Stelle möchte ich mich für den unermüdlichen Einsatz aller ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bedanken, die durch ihre Arbeit und ihr Engagement maßgeblich dazu beigetragen haben, dass diese drei Projekte so realisiert werden konnten.
Neben diesen besonderen Projekten baute die Gemeinde für etwa 267.000 € eine Padel-Anlage mit zwei Plätzen auf dem Tennisplatzgelände in Uedem, die auch von Nichtmitgliedern genutzt werden dürfen. Eine weitere Sportstättenbaumaßnahme war der Umbau der Leichtathletikanlagen in einem Halbkreissegment von Asche in Kunststoff (Tartan) auf der Uedemer Sportplatzanlage.
Ausblick 2025
Unsere Gemeinde zukunftsfähig zu machen und die erreichte Lebensqualität zu bewahren, ja möglichst zu steigern – das sind die Ziele auch für 2025, die Rat und Verwaltung leiten.
In die Infrastruktur wird die Gemeinde Uedem auch in 2025 wieder investieren. Nach Fertigstellung der Erweiterung der Grundschule wird endlich der Schulweg ausgebaut und der Kanal erneuert. Ferner wird der Wirtschaftsweg Kühnenstraße bituminös befestigt. Daneben sind Entwurfsplanungen für weitere Straßenausbaumaßnahmen in 2026 (Klosterfeld und Stichweg Gocher Straße) zu erstellen.
Bereitstellung von preisgünstigem Wohnraum
Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt ist die Bereitstellung von preisgünstigen Wohnbauflächen in den Ortsteilen, damit sich junge Familien den Traum eines Eigenheimes erfüllen können. Ebenso ist für Alleinerziehende und Menschen, die sich kein eigenes Haus leisten können, ausreichend bezahlbarer Mietwohnraum zur Verfügung stellen.
Die Erschließungsarbeiten (Straßen- und Kanalbau) im Wohnbaugebiet „Im Mörsfeld“ in Uedem sind schon weit fortgeschritten. In den neuen Wohnbaugebieten in Keppeln (Bereich zwischen Beginnenfeld und Am Beginnenkamp) und in Uedemerbruch (Albersfeld Teil II) soll mit den Bauarbeiten Anfang 2025 begonnen werden. Die Vermarktung für die Baugrundstücke in Uedem läuft außerordentlich gut, bereits 17 Wohnbaugrundstücke und 4 Grundstücke für Mehrfamilienhäuser (sozialer Wohnungsbau) sind schon verkauft. In Keppeln und Uedemerbruch wird in Kürze mit der Vermarktung begonnen. In allen drei Baugebieten wird in der zweiten Jahreshälfte 2025 gebaut werden können.
Zudem wird an der Entwicklung eines weiteren Baugebietes für den Ortsteil Uedem an der Keppelner Straße gearbeitet.
Umsetzung des Oberflächenentwässerungskonzeptes Keppeln
Nachdem der Antrag auf Bewilligung von Fördermitteln abgelehnt wurde, hat die Verwaltung die rund 1,1 Mio. € teuren Maßnahmen ausgeschrieben. Anfang des Jahres soll mit dem Bau der Versickerungsbecken an der Kalkarer Straße und an der Tackenstraße begonnen werden. Die Fertigstellung ist für Mitte 2025 geplant.
Das Oberflächenentwässerungskonzeptes Uedemerbruch, speziell für die Kleinsiedlung im Bereich der Kreuzung L 77 / K 4, kann erst nach Abschluss von Grundstücksgeschäften umgesetzt werden. Mit der bituminösen Befestigung der Bohnenstraße wurde der Wirtschaftsweg so geneigt, dass abfließendes Oberflächenwasser bei Starkregen in die Wiese ablaufen kann.
Klima- und Umweltschutz
Das Klimaschutzkonzept der Gemeinde Uedem wurde im Januar 2024 verabschiedet. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Für 2025 ist die Erstellung eines Mobilitätskonzeptes geplant. Zu den Kosten von rund 89.000 € erhält die Gemeinde eine Förderung in Höhe von 53.500 € (60 %). Zudem wird die Verwaltung mit der Erstellung der kommunalen Wärmeplanung beginnen. Aktuell beschäftigt sich die Gemeinde auch mit dem Thema Tiefengeothermie. Hierzu wurde im Dezember 2024 eine Absichtserklärung (Letter of Intent) für eine interkommunale Zusammenarbeit mit der Stadt Goch und der Gemeinde Weeze beschlossen.
Dank für Ehrenamtliches Engagement
Abschließend möchte ich mich nochmals bei allen, die sich im zu Ende gehenden Jahr ehrenamtlich für unsere Gemeinschaft engagiert haben, ganz herzlich bedanken. Sei es in den Vereinen, der Feuerwehr, den Hilfsorganisationen, den kommunalen Gremien, den Kirchen, den Einrichtungen oder einfach nur in der Nachbarschaft – in unserer Gemeinde wird sehr viel wertvolle Arbeit geleistet. Einen Verein möchte ich beispielhaft herausstellen, nämlich das Jugendorchester Uedem, das im Dezember den Heimat-Preis 2024 verliehen bekommen hat. Im Miteinander liegt der Schlüssel zur Bewältigung der Krisen und zur positiven Gestaltung unserer Zukunft – in der Welt und erst recht in unserer liebens- und lebenswerten Gemeinde Uedem.
Ich danke allen, die zum Zusammenhalt und vorbildlichem Für- und Miteinander beigetragen haben.
Zum Schluss meines Rück- und Ausblickes zum Jahreswechsel 2024/2025 möchte ich allen Bürgerinnen und Bürgern, die 2024 mit Sorgen und mit Trauer leben mussten, Trost und Kraft wünschen, um den Beginn des neuen Jahres mit neuer Zuversicht begehen zu können.
Das kommende Jahr 2025 wird alles andere als einfach. Es hilft aber nicht, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir werden die Hoffnung nicht aufgegeben.
Positiv denken und handeln, mit Mut in die Zukunft gehen und Krisen als Herausforderung verstehen und meistern. Das ist die Maxime, mit der ich auch unseren Bürgerinnen und Bürgern signalisieren möchte, dass wir uns von den unterschiedlichen Krisen nicht abhalten lassen, unsere Gemeinde weiterzuentwickeln und noch „liebenswerter und lebenswerter“ zu gestalten.
Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht.
Wenn wir gemeinsam dafür arbeiten, überlassen wir die Entwicklung nicht dem Zufall.
Starten wir mit Energie und Zuversicht in ein neues Jahr.
(Dieter Krüger)
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, für das neue Jahr 2025 alles Gute, viel Glück, Gesundheit und Zufriedenheit und unserer Gemeinde viel Erfolg.
Bleiben Sie zuversichtlich!
Ihr
Rainer Weber
Bürgermeister



















