Oberhausen. “Im Jahr 2020 haben wir uns zum ersten Mal getroffen – fünf Omas. Uns inspirierte die Gründung der ersten OMAS GEGEN RECHTS in Wien und der vielen Gruppen, die danach auch in Deutschland entstanden sind. Genauso wie sie wollten wir etwas gegen den zunehmenden Rechtsruck in Politik und Gesellschaft unternehmen”, erklärt Cornelia Schiemanowski in einer aktuellen Pressemitteilung.
Inzwischen sind es ca. 25 aktive Frauen, sich monatlich treffen: “Wir freuen uns über jede, die mitmachen möchte: Es gibt weder eine Altersgrenze, noch müssen Kind und Enkel nachgewiesen werden (Kontakt: omasgegenrechts_oberhausen@mail.de).”
In den 5 Jahren haben die “Omas” leider bei vielen traurigen und empörenden Ereignissen gemerkt, wie sehr Rassismus, Antisemitismus und weitere menschenfeindliche Ideologien sich breit machen und welche schrecklichen Taten daraus folgen (wie z.B. die Morde in Halle und Hanau, der Brandanschlag in Erkrath und bei uns in Oberhausen gegen ein Parteibüro). Fast täglich höre und lese man von Drohungen und Beleidigungen gegen bekannte Personen aus Politik und Wissenschaft.
Von 1990 bis 2020 zählte das Bundeskriminalamt insgesamt 113 Todesopfer rechter Gewalt – doch die Zahl liege laut NGOs und Opferinitiativen deutlich höher. “In den vergangenen Jahren haben sich die Rechtsextremen nicht nur vermehrt sondern auch stärker organisiert. So können sie heute mit ihrer Propaganda jedes menschenfeindliche Vorurteil bedienen. Die Krisen der letzten Jahre und die Neigung Sündenböcke dafür verantwortlich zu machen, haben sie dabei begünstigt”, heißt es in der Mitteilung weiter.
So wurde beispielsweise im September 2023 bekannt, dass eine Neonazi-Gruppierung vom Bundesinnenministerium verboten wurde, die mit besonders rechtsextremer Ideologie auch in Oberhausen aktiv gewesen ist. Andere offen rechtsextrem auftretende Gruppen seien bis heute nicht verboten – “und wir haben eine Partei, die AFD, die sich inzwischen öffentlich zur sogenannten „Remigration“ bekennt, was nichts anderes bedeutet als Vertreibung von Millionen Menschen aus unserem Land”.
“Bei uns Omas reicht die Erinnerung weit zurück in eine Zeit, in der einige von uns, aber vor allem unsere Eltern, Großeltern und Verwandten unter NS-Diktatur und Krieg litten oder sogar darin verstrickt waren. Wir erlebten in der Nachkriegszeit oft eine Mauer des Schweigens und Verdrängens, der Relativierung und Tabuisierung. Nur mühsam wurden die grausamen Taten der Nazis bekannt und viele sind bis heute nicht aufgearbeitet. Nachdem die meisten Zeitzeuginnen und -zeugen der NS-Zeit inzwischen gestorben sind, sehen wir uns in deren Nachfolge und in der Verantwortung, diese lebendige Erinnerung weiterzugeben. Gemeinsam mit der Gedenkhalle Oberhausen beteiligen wir uns an der Recherche zu NS-Opfern und der Verlegung von Stolpersteinen. Das gehört zu unserer Verantwortung gegenüber den Opfern und ihren Hinterbliebenen. Und zwar gegenüber jenen aus der Zeit der NS-Diktatur, aber auch für die Opfer und Hinterbliebenen rechtsextremer Anschläge wie in Hanau, in Solingen, in Halle und an vielen anderen Orten”, benennen die Omas weitere Gründe für ihr Wirken.
Es gehe den “Omas” aber auch darum, ganz konkret und aktuell aufzustehen für Demokratie und gegen Rechts. Wenn vor den Bundestagswahlen am 23. Februar 2025 die AFD oder andere rechte politische Gruppen auftreten und für ihre rassistische und demokratiefeindliche Poltitik werben, dann wollen sie dazu nicht schweigen: “Wir OMAS GEGEN RECHTS sind zwar alt, aber nicht stumm. Wir setzen uns öffentlich für eine demokratische, rechtsstaatlich organisierte, freie Gesellschaft ein. Wir sind gegen Rassismus und gegen Ausgrenzungen behinderter und alter Menschen, gegen Frauenfeindlichkeit und Sozialabbau. Wir wollen diese Missstände in Politik und Gesellschaft mit geeigneten Methoden öffentlich machen. Und wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen, um auf die Gefahren rechter Wahlpropaganda aufmerksam zu machen.”
Es geht ihnen um die Verteidigung der Demokratie, um den Einsatz für die gleichen Rechte aller Frauen, Männer und Kinder, um die sozialen Standards, die von unseren Eltern und Großeltern zum Teil bitter erkämpft wurden, um den Respekt und die Achtung gegenüber anderen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe oder Religion.
“Wir mischen uns ein und zeigen Gesicht, damit unsere Kinder und Enkelkinder eine gute Zukunft haben. Gemeinsam etwas zu tun ist uns wichtig – deshalb treffen wir uns monatlich, um uns auszutauschen, um zu diskutieren und Aktionen vorzubereiten. Auch sind wir inzwischen gut vernetzt mit Gruppen aus Duisburg, Bottrop und Essen – und bundesweit. Wir arbeiten mit im Runden Tisch gegen Rechts, weil wir Antifaschismus als eine gemeinsame Verantwortung aller Demokratinnen und Demokraten ansehen”, heißt es abschließend in der Pressemitteilung.
Geplante Veranstaltungen und Aktionen im Januar und Februar 2025:
23.01.2025, 18 Uhr, „Parteienverbot – eine Möglichkeit zum Umgang mit rechtsextremen Parteien und Ideologien?“ zusammen mit Arbeit und Leben, VHS und Runder Tisch gegen Rechts, DGB-Haus, Friedrich-Karl-Str. 24
25.01.2025, 14 Uhr, Offenes Treffen der OMAS GEGEN RECHTS, DGB-Haus, Friedrich-Karl-Str. 24 – Wir stellen uns und unsere Arbeit vor.
Mehrere Termine im Februar: Mit Bauchläden für Demokratie auf Straßen und Plätzen in Oberhausen
08.02.2023 Bundesweiter Aktionstag der OMAS GEGEN RECHTS – Infostand auf dem Sterkrader Wochenmarkt



















