Düsseldorf. Bisher gingen weniger als sieben Prozent der naturwissenschaftlichen Nobelpreise an Frauen. Aber der Nobelpreis ist nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt jedoch laut einer aktuellen Studie Licht am Ende des Tunnels. Preise sind Indikatoren für Top-Leistungen in der Forschung, machen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sichtbar und prägen so den weiteren Verlauf ihrer Berufskarrieren. Im BMBF-Projekt „Gender Award Gap“ (2021-2024) hat ein Team vom Centre for Health and Society (chs) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erforscht, inwiefern eine solche Lücke zum Nachteil von Wissenschaftlerinnen bei der Vergabe wissenschaftlicher Preise in Deutschland existiert. Die Studie zeigt, dass die Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen in der deutschen Medizin in den letzten 20 Jahren rasant zugenommen hat.
Sie analysiert mehr als tausend Preise aus über 180 deutschen medizinischen Fachgesellschaften in den Jahren von 2000 bis 2023. Damit hat sich der in internationalen Studien besonders für renommierte Preise festgestellte Gender Award Gap in der Vergabepraxis der medizinischen Fachgesellschaften Deutschlands seit dem Jahr 2000 kontinuierlich verringert.
Insgesamt ist allerdings weiterhin ein Gender Award Gap bei der Vergabe von Ehrenpreisen und bei höher dotierten Forschungspreisen in medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland erkennbar. „Ein Muster ist deutlich zu erkennen: Die prestigeträchtigsten Preise in Deutschland gehen immer noch vorwiegend an Männer“, erklärt Thorsten Halling, Erstautor der Studie und Mitarbeiter am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Weiterhin haben die Düsseldorfer Forscher*innen Strategien zur Erhöhung der Sichtbarkeit von Frauen rund um Preise untersucht. Projektleiter Nils Hansson erläutert: „Erstens sollte sowohl bei den Nominierten als auch bei den Mitgliedern der Preisjurys die Diversität gefördert werden. Zweitens empfehlen wir, dass bei Preisen für Nachwuchswissenschaftler*innen nur das akademische und nicht das biologische Alter berücksichtigt wird. Drittens gilt es, das Nominierungsverfahren so transparent wie möglich zu gestalten, um die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern.“
Die Ergebnisse wurden online first im März 2025 veröffentlicht:
Thorsten Halling, Viola Mambrey, Jessica-Marie Steinert, Roland Seifert, Annegret Dreher, Chantal Marazia, Adrian Loerbroks, Nils Hansson, ”Scientific awards and the gender award gap in German medical societies 2000-2023”, Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharamacology, https://link.springer.com/article/10.1007/s00210-025-03892-8





















