Letzten Freitag gratulierten Uwe Schummer, Guido Görtz MdL und Landesminister Marcus Optendrenk MdL dem Propst Thomas Eicker zur Ernennung zum Regionalvikar  (Foto: Uwe Schummer)
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Kreis Viersen. Der Kempener Propst Thomas Eicker wurde von Bischof Helmut Dieser zum Regionalvikar für die Region Kempen-Viersen ernannt. In einer Festveranstaltung übergab der Aachener Bischof die Ernennungsurkunde. Gemeinsam mit Gabi Terhorst vom Katholikenrat und Pastoralreferent Harald Hüller lenkt Thomas Eicker nun die Geschicke der Pastoralräume im Kreis Viersen.

In der Propsteikirche sprach Uwe Schummer für den Katholikenrat über den Auftrag der Kirche in einer gespaltenen Welt. Der Text im Wortlaut:

„Papst Leo XIV. hat sich bei seiner Vorstellung auf den synodalen Prozess und auf die „missionarische Kirche“ berufen. Wir spüren immer tiefere Gräben in der Gesellschaft. Jedem sein Ego-Tripp. Füreinander da zu sein, sich Zeit nehmen, im Disput neue Erkenntnisse entwickeln ist im Algorithmus von Social Media nicht vorgesehen. Es sind Echoräume, die uns immer nur selbst verstärken und alles andere verneinen. Was gestern noch die Lüge war, sind heute „alternative Wahrheiten“. In diesem Zeitgeist eine missionarische „Geh-hin-Kirche“ zu sein, die überall zu Hause ist, ein toller Anspruch. Jesus sagt nicht, „seid exklusiv und elitär“, sondern „Geht zu allen Völkern.“ Erlebt die Vielfalt der Kulturen und wir ahnen, Gott schaut nicht auf die Riten, er schaut in die Herzen der Menschen.
„Der Geist der Neuerung“ sind die ersten Worte von Papst Leo XIII., auf den sich der neue Papst beruft. Sein Sozialwort „Rerum novarum“ veröffentlichte er 1891 in einer Zeit der Spaltung und des Aufbruchs. Sein Thema, die Arbeit. Der Kern: „So wenig das Kapital ohne die Arbeit, so wenig kann die Arbeit ohne das Kapital bestehen.“ Die erste Enzyklika begründet die Sozialpartnerschaft, lehnt den Kapitalismus und den Marxismus gleichermaßen ab. Dagegen entwickeln die Päpste mit ihren Enzykliken einen eigenen Weg. „Künstliche Konflikte“ sollen überwunden werden, „weil die Arbeit mehr eint, als dass sie trennt,“ so Papst Johannes-Paul II. 1981 in seinem Sozialwort  „Laboren exercens“. Gemeinsames Arbeiten ist besser als jede blutleere Theologie, salbungsvolle Worte ohne Empathie. Missionarisch sein heißt: Unterwegs sein, den Asphalt unter den Füßen spüren, mit dem Blick zu den Sternen. Sonntags kann die Kirche Kraft spenden, Gemeinschaft bilden; die Bewährung zeigt sich als Werkapostel. Die Apostel kamen aus der Arbeitswelt. Sie waren Netzknüpfer, Fischer, Tischler, Zeltmacher. Aus der Arbeitswelt.
Zur Durchdringung des sozialen Lebens sind Laien und Verbände gute Sensoren, sie leisten Lebenshilfe und wollen Bewegung; nicht Erstarrung. Geht raus aus dem Schrebergarten, schaut über die Zäune und geht über die Gräben hinweg. Lebt die Kooperation in Vielfalt. Die Kirche ist keine Partei, doch sie ist politisch und gibt Inspiration und Orientierung für die Politik. Sie kann Brücken bauen, wo Spaltung und Gräben sind. Gemeinsam mit allen Menschen guten Willens.
Ein Kraftfeld der Hoffnung ist das Schreiben „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus. Daraus zwei Kerngedanken: „Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist…Der Bischof wird sich zuweilen an die Spitze stellen, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrecht zu halten, andere Male wird er inmitten aller sein mit seiner schlichten und barmherzigen Nähe, und bei einigen Gelegenheiten wird er hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind, und – vor allem – weil die Herde selbst ihren Spürsinn besitzt, um neue Wege zu finden.“
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