Historiker Bernd Greiner (Foto: Verlag)
Anzeige

Krefeld. Amerika-Experte stellt am 9. Oktober sein neues Buch in Krefeld vor

Eines betont Prof. Dr. Bernd Greiner mit Nachdruck: Sein neues Buch, das er am Donnerstag, 9. Oktober, in der Krefelder Volkshochschule (VHS) mit Leiter Dr. Thomas Freiberger diskutiert, ist keines über Donald Trump. Die ersten Überlegungen hierzu kamen dem Historiker und Amerika-Experten, weit bevor eine Amtszeit des heutigen US-Präsidenten abzusehen war. Viel mehr versteht Greiner sein Buch als eine Zeitreise in die vergangenen 125 Jahre.

Untersuchungsgegenstand ist die amerikanische Gesellschaft. „Dieser Blick ins Innenleben soll aufzeigen, wie das heutige Amerika entstanden ist, das unerbittliche Klassen- und Kulturkämpfe zur Normalität gemacht hat”, erklärt Bernd Greiner. Seiner Spurensuche nach den Gründen für die aufgeheizte Nation hat er den Titel „Weißglut. Die inneren Kriege der USA” verliehen. Diese Studie mündet gleichwohl immer wieder im Hier und Jetzt, was ganz wesentlich an eine Person geknüpft ist: Donald Trump.

Bernd Greiner wagt einen unkonventionellen Versuchsaufbau. „Ich konzentriere mich nicht auf Parteien oder Politik. Der Scheinwerfer meiner Analyse richtet sich auf Aktivisten aus der Mitte der Gesellschaft, die in den USA im Namen der Demokratie seit Jahrzehnten jenseits der Politik Meinungsmache betreiben”, sagt der Amerikanist. Er nennt diese Gruppen „die extreme Mitte”, die sich aus dem bürgerlichen Milieu speise. „Diese Zusammenschlüsse sind zwar äußerst heterogen, haben aber eine gemeinsame Stoßrichtung: Es geht um die Sakralisierung des ‚American Way of Life’. Sie stellen Liberale und Andersdenkende pauschal unter Verdacht, den Staat zu kapern, um mit Steuergeld jene Menschen zu alimentieren, die nichts zum amerikanischen Wohlstand beigetragen zu haben. Das ist in großen Teilen zu einer kollektiven Fantasie verkommen.”

Sechs konkrete Beispiele

Aus einem breiten Fundus an Beispielen hat Greiner sich in seinem Buch sechs konkrete Fällen herausgegriffen. Er setzt zunächst um die Jahrhundertwende an, als laut Greiner gleich mehrere Gruppen eine in den USA aufkeimende Arbeiterbewegung niederschlugen. Weiter untersucht er beispielsweise die American Protective League, eine Art Bürgerwehr zu Zeiten des Ersten Weltkriegs, sowie die American Legion, die als heute größte Veteranenorganisation in der Zwischenkriegszeit aufzublühen begann.

Auch die McCarthy-Ära in den 50er-Jahren sei ohne den Flankenschutz eines mächtigen zivilgesellschaftlichen Unterbaus nie möglich gewesen, konstatiert Bernd Greiner. Das zeitnächste seiner sechs Exempel ist die Tea-Party-Bewegung, die der Autor als „Urschleim der Make-America-Great-Again-Bewegung” ausmacht. Seine These: Die heutigen Verwerfungen greifen auf ein Reservoir an Ideen zurück, die sich in den vergangenen 125 Jahren entfaltet haben.

„Wenn man diese Gruppen im Detail studiert, lernt man, wie es Minderheiten in den USA schon seit über 100 Jahren gelingt, lautstark Themen zu platzieren, Diskursräume zu entern und ein Land unter Spannung zu setzen. Die strikte Unterscheidung in Freund und Feind, das missionarische Sendungsbewusstsein, ein hypertropher Nationalismus und eine minimale Toleranz gegen Abweichler sind die Auswüchse, die das Land heute wie nie zuvor beschäftigen”, meint Greiner. Dabei würden die von ihm beschriebenen Kräfte die Rezeptur, den Staat zielgerichtet zu unterpflügen, perfekt beherrschen. Greiner sagt: „Die bewusste Spaltung, die wir heute erleben, ergibt sich nicht von selbst. Dafür braucht es Akteure, die dies mit Vorsatz betreiben. Die politische Währung in den USA lautet heute: Wer Erfolg haben will, muss wissen, wer wen hasst.”

Zweiter Besuch in der Krefelder VHS

Wenn VHS-Leiter Thomas Freiberger am 9. Oktober mit Bernd Greiner dessen Buch erörtert, ist dieser nicht zum ersten Mal in der Krefelder Volkshochschule zu Gast. Vor rund drei Jahren debattierten die beiden unter dem historischen Rückgriff auf den Kalten Krieg bereits einmal die Gefahr, die heute wieder von Nuklearwaffen ausgeht. Bernd Greiner ist ein ausgewiesener USA-Kenner. Der 73-Jährige studierte unter anderem Amerikanistik und absolvierte in den 70er-Jahren ein Stipendiat in Pennsylvania. Er promovierte mit einer Arbeit über den National Security Council, seine Habilitation legte er mit einer Studie zur Morgenthau-Legende ab.

Seit den 1980er-Jahren lehrt Greiner an verschiedenen Hochschulen sowie Instituten und ist Autor mehrerer Bücher; 2020 veröffentlichte er eine Biographie über den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger. Die Veranstaltung in der VHS am 9. Oktober von 19 bis etwa 20.30 Uhr ist kostenfrei. Anmeldungen sind möglich unter Telefon 0 21 51 / 86 26 64, online unter www.vhs.krefeld.de oder via Mail an vhs@krefeld.de.

Beitrag drucken
Anzeigen