(Foto: KIM-E)
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Essen. Mit großer Bestürzung hat die Kommission Islam und Moscheen in Essen e.V. (KIM-E) die Nachricht über die Schändung von Gräbern auf dem islamischen Friedhof „Am Hallo“ in Essen erhalten. Unbekannte Täter haben in der Nacht vom 16. auf den 17. Oktober auf dem oberen islamischen Friedhof „Am Hallo“ mehrere Grabtafeln beschädigt und teilweise zerstört.

Neben umgestoßenen und beschädigten Grabtafeln berichteten Angehörige der Grabfelder, dass auch Grabdekorationen und Blumen samt Töpfen zerstört wurden. Außerdem wurden auf den Grabfeldern Fußabdrücke festgestellt, die auf das Betreten der Grabstellen hindeuten. Besucherinnen und Besucher sowie Angehörige entdeckten die Schäden am Freitagmittag und informierten umgehend die Polizei. Diese nahm den Tatbestand auf und ermittelt in alle Richtungen.


Polizeimeldung vom 20. Oktober 2025, 9.39 Uhr:

Unbekannte beschädigen mehrere Gräber auf islamischer Bestattungsstätte

Am Freitag (17. Oktober) beschädigten Unbekannte mehrere Gräber auf der islamischen Bestattungsstätte des Friedhofs Am Hallo. Der Staatsschutz der Polizei Essen hat die Ermittlungen übernommen und sucht Zeugen.
Gegen 13:00 Uhr rief eine Friedhofsbesucherin die Polizei, weil mehrere Gräber auf dem Friedhof beschädigt waren. Die eingesetzten Beamten stellten fest, dass bei mehr als 40 Gräbern unter anderem Grabsteinplatten, Schilder, Laternen sowie Grabbepflanzung offenbar zertreten wurden. Derzeit gibt es keine Hinweise auf mögliche Tatverdächtige.
Die Hintergründe der Tat sind unklar. Der Staatsschutz der Polizei Essen hat die Ermittlungen übernommen und sucht Zeugen. Sollten Sie etwas Verdächtiges im Bereich des Friedhofs Am Hallo beobachtet haben oder Angaben zu den Unbekannten Tätern machen könne, melden Sie sich bitte bei der Polizei Essen per E-Mail an hinweise.essen@polizei.nrw.de oder telefonisch unter 0201/829-0. (ots)

Muhammet Balaban, Vorsitzender der KIM-E, erklärt zu dem Vorfall: „Nach Bekanntwerden der Tat haben wir die betroffenen Grabfelder gemeinsam mit Vertretern der islamischen Gemeinden besucht und den Vorfall der Polizei gemeldet. Dabei haben wir auch mit den Angehörigen gesprochen und ihre Trauer geteilt. Wir verurteilen diese Tat aufs Schärfste und sind tief bestürzt über diese respektlosen Handlungen. Friedhöfe sind Orte der Erinnerung, der Trauerbewältigung und des Gedenkens – unabhängig von der Religionszugehörigkeit. Diese Tat zeigt, wie wichtig es ist, dass wir als Stadtgesellschaft zusammenstehen und uns geschlossen gegen jede Form von Ausgrenzung und Entweihung stellen“.

Die Kommission Islam und Moscheen in Essen e.V. fordert eine konsequente Aufklärung der Tat und eine klare Haltung gegen jede Form von Respektlosigkeit und Hass gegenüber religiösen Einrichtungen: “Wir erwarten, dass die zuständigen Behörden den Vorfall mit Nachdruck untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Darüber hinaus appellieren wir an die Stadt Essen und die zuständigen Stellen, den Schutz religiöser Friedhöfe und Einrichtungen dauerhaft zu verbessern – etwa durch regelmäßige Kontrollen, bessere Beleuchtung und eine verstärkte Präsenz von Sicherheitsdiensten in den Nachtstunden.”

Zugleich fordert die KIM-E mehr gesellschaftliches Bewusstsein und Sensibilisierung für den respektvollen Umgang mit religiösen Stätten. Bildungseinrichtungen, Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen sollten gemeinsam daran arbeiten, gegenseitigen Respekt und Verständnis zu fördern.


LICHT Essen verurteilt rassistische Tat

Ahmad Omeirat, Ratsherr von LICHT Essen, erklärt zu der Grabschändung: „Jeden Tag kommt es in Deutschland zu Angriffen auf Muslime und muslimische Einrichtungen. Deswegen müssen wir davon ausgehen, dass es sich auch diesmal nicht um Zufall, sondern um eine gezielte, und das heißt: antimuslimische und rassistische Straftat gehandelt hat.“ Dafür spreche auch die Tatsache, dass die Zerstörungen in der Nacht zum Freitag, dem wichtigsten islamischen Wochentag, stattfanden.

„Wir verurteilen diesen Angriff entschieden“, so Omeirat weiter. „Wer Friedhöfe schändet, hat weder Respekt vor der Würde der Toten noch vor den Gefühlen der Hinterbliebenen. Und wer buchstäblich auf den Gräbern einer bestimmten Bevölkerungsgruppe herumtrampelt, der tritt auch unser gesellschaftliches Zusammenleben mit Füßen.“

Der Vandalismus komme nicht aus dem Nichts. „Seit Jahren wird gegen diesen Friedhof von lokalen Medien und Politikern gehetzt und sogar aktiv verhindert, dass mehr Fläche bereitgestellt wird“, berichtet Omeirat. Vor diesem Hintergrund dürfe man sich nicht wundern, wenn sich Täter bestärkt fühlten, zu Gewalt zu greifen. „Es ist wohl auch bezeichnend, dass zwar bereits der türkische Konsul vor Ort war, wir aber bis jetzt noch keine Erklärung des Oberbürgermeisters oder der Stadt Essen dazu gehört haben. Und auch die Medien berichten bisher nicht.“

Es werde zwar immer wieder in Sonntagsreden von gesellschaftlichem Zusammenhalt gesprochen, meint Omeirat. Aber: „Solidarität heißt, sich in solchen Situationen an die Seite der Betroffenen zu stellen und ihnen die Möglichkeit geben, gehört zu werden.“

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