Sarah Kramer (Foto: Frauen Union der CDU Ennepe-Ruhr)
Anzeige

Ennepe-Ruhr-Kreis/Berlin. Die Vorsitzende der Frauenunion im Ennepe-Ruhr-Kreis, Sarah Kramer, hat sich zur sogenannten „Stadtbild“-Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz geäußert. Sie ruft zu einer sachlichen und ehrlichen Diskussion auf – und warnt davor, die gesellschaftliche Mitte durch reflexhafte Empörung weiter zu spalten.

„Die Aussage von Friedrich Merz war nicht rassistisch“, betont Kramer. „Wer sie so versteht, verkennt die Bedeutung dieses Wortes und entwertet den Begriff Rassismus selbst. Wir sollten uns sehr genau überlegen, wann wir ihn verwenden.“ Zugleich mahnt sie: „Wenn sich die CDU in ihrer Wortwahl der AfD annähert, bringt uns das keine Wähler zurück – im Gegenteil: Es verletzt viele Menschen, die hier leben, arbeiten und unser Land mitgestalten.“

Sie zeigt Verständnis dafür, was Merz mit dem Begriff „Stadtbild“ ansprechen wollte, kritisiert jedoch die unklare Ausdrucksweise für das vielschichtige Problem und den Verlauf der Debatte: „Ich finde es schlimm, dass zu Demonstrationen aufgerufen wurde, dass der Bundeskanzler in die rechte Ecke gestellt wird und so getan wird, als hätten wir gar kein Problem. Das wird den Menschen nicht gerecht, die diese Wahrnehmung haben. Viele Frauen z. B. berichten, dass sie sich abends nicht mehr sicher fühlen – und das ist auch nicht von der Hand zu weisen.“ Dieses rapide sinkende Sicherheitsgefühl sei ein gesellschaftliches Signal, das man ernst nehmen müsse. Kramer verweist darauf, dass dieselben Stimmen, die heute ein Problem abstreiten, vor kurzem noch eine Strafbarkeit für sogenanntes Catcalling gefordert hätten. „Offensichtlich besteht also ein Problem. Statt uns an Begriffen abzuarbeiten oder uns gegenseitig in Ecken zu stellen, sollten wir Lösungen für die vielschichtigen Probleme suchen, die sich hinter diesem Begriff verbergen.“

Für sie steht fest: „Das ‚Stadtbild‘ ist kein Synonym für Herkunft, sondern ein Spiegel für Ordnung, Sauberkeit und funktionierende Strukturen. Wenn Bahnhofsviertel vermüllen, wenn dunkle Ecken entstehen, wenn sich vornehmlich junge ausländische Männer perspektiv- und planlos auf der Straße aufhalten, wenn Leerstand und Verwahrlosung überhandnehmen, dann geht es um mehr als Ästhetik – dann geht es um gesellschaftliche Spannung und den Verlust des Vertrauens in die Funktionsfähigkeit unseres Staates“, so die Frauenunion-Vorsitzende.

„Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Handlungsproblem“, so Kramer weiter. „Wir wissen, was getan werden muss: Sprache, Bildung und Arbeit. Kein Kind darf durchs Schulsystem gehen, ohne richtig Deutsch zu können. Wer hier lebt, soll arbeiten dürfen – und wer arbeiten kann, soll es auch tun. Nur so schaffen wir Integration, die trägt“

Abschließend appelliert sie an alle demokratischen Kräfte: „Wir dürfen nicht nur Symptome beklagen, sondern müssen handeln. Und wir müssen dabei die Sprache wahren, die unserer Wertegemeinschaft entspricht. Wir brauchen eine klare Politik ohne unnötigen Interpretationsspielraum. Pauschalisierungen, treffen auch jene Menschen, die längst ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft sind und zu unserem Wohlstand beitragen – das bringt uns nicht weiter.“

Beitrag drucken
Anzeigen