Das interdisziplinäre Team der neuen Mutter/Vater-Kind Station im Alexius/Josef Krankenhaus setzt sich für die psychische Gesundheit von Eltern mit Kleinkindern ein (Foto: © St. Augustinus Gruppe)
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Neuss. Es ist ein Angebot, das im Rhein-Kreis Neuss einzigartig ist und auch bundesweit echten Seltenheitswert hat: Im Alexius/Josef Krankenhaus wurde jetzt eine neue Mutter/Vater-Kind Station ins Leben gerufen. Sie richtet sich an Eltern mit psychischen Erkrankungen in der sensiblen Phase rund um Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit. Deutschlandweit besteht eine deutliche Unterversorgung mit spezialisierten stationären Behandlungsplätzen für die sogenannte Peripartalpsychiatrie. Mit der neuen Station in Neuss stehen nun 14 weitere Behandlungsplätze zur Verfügung.

Die Leitung der neuen Station teilen sich Dr. Dörte Jenett, Oberärztin und Fachexpertin für Peripartalpsychiatrie, sowie Antje Rügen, pflegerische Stationsleitung. „Wir möchten Eltern in dieser herausfordernden Lebensphase auffangen, stärken und ihnen Mut machen, sich Unterstützung zu holen“, betont die Medizinerin. Aufgebaut wurde das Angebot von Dr. Martina Schüürmann, ärztliche Departmentleitung, und Dorota Weißenfels, pflegerische Departmentleitung. Aufgenommen wird dabei immer das betroffene Elternteil mit einer psychischen Erkrankung – Mutter oder Vater –, gemeinsam mit dem Kind. Das andere Elternteil ist nicht Teil der stationären Behandlung, kann aber selbstverständlich in den therapeutischen Prozess einbezogen werden.

Postpartale psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen betreffen deutlich mehr Eltern, als viele glauben. Studien zeigen, dass bis zu 20 Prozent aller Mütter und bis zu 10 Prozent aller Väter nach der Geburt psychische Symptome entwickeln – mit vermutlich hoher Dunkelziffer. Das Behandlungsangebot der neuen Station richtet sich an Eltern mit Kindern im Alter von 0 bis 18 Monaten. Viele Betroffene schämen sich oder glauben, sie müssten einfach nur stärker sein. „Dabei sollte genau das Gegenteil der Fall sein“, sagt Rügen: „Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung – sich selbst und dem eigenen Kind gegenüber.“

Eine Besonderheit der neuen Station ist, dass die Kinder mit aufgenommen werden. „Postpartale Erkrankungen wirken sich häufig auch auf die Beziehung zum Kind aus. Wenn wir diese Bindung fördern, stabilisiert sich oft auch der psychische Zustand der Eltern“, erklärt die Fachärztin.

Das Behandlungsangebot umfasst vielfältige Therapien – darunter Einzel- und Gruppentherapien, Babymassage, Ergo-, Musik- und Sporttherapie, Aromatherapie sowie therapeutisch begleitete Mahlzeiten. „Eltern erleben bei uns, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind – die Gruppe trägt und gibt Halt“, beschreibt Rügen. Alle Angebote zielen darauf ab, elterliche Kompetenzen zu stärken.

Das multiprofessionelle Team besteht aus ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten, Pflegefachkräften, klinischer Sozialarbeit, Ergo- und Sporttherapie sowie einer Genesungsbegleitung, die aus eigener Erfahrung weiß, wie belastend diese Lebensphase sein kann. Zudem arbeitet das Team eng mit Kinderärzten in Neuss, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, dem ambulanten wir2-Bindungstraining sowie den Hebammen des Johanna Etienne Krankenhauses zusammen, die regelmäßig auf der Station Sprechstunden anbieten.

„Eltern vertrauen uns das Wertvollste an, was sie haben: ihr Kind“, sagt Rügen. „Darum legen wir großen Wert auf eine vertrauensvolle Begleitung im Alltag und auf Ansprechpartner, die wirklich da sind.“

Mütter und Väter, die sich in einer Krise befinden, können sich kurzfristig zu einem Vorgespräch auf der Station Maria melden. Eine Einweisung durch Hausarzt, Frauenarzt oder Psychiater genügt. „Niemand soll lange auf Hilfe warten müssen – jede Woche zählt, wenn Eltern in einer seelischen Ausnahmesituation sind“, so die Oberärztin.

 

Kontakt für Betroffene und Interessierte:
Alexius/Josef Krankenhaus
Station Maria (Mutter/Vater-Kind Station)
Telefon: 02131 529 24160
E-Mail: a.kloska@ak-neuss.de

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