(v.l.) Oberarzt Rostom Gortamashvili, Dr. Andrea Marliani von der Deutschen Herzstiftung, Dr. Caspar Burkhard-Meier und Prof. Dr. Nicolas von Beckerath (Foto: Angela Pontzen)
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Viersen. Allein in Deutschland sind etwa fünf Millionen Menschen von einer koronaren Herzkrankheit (KHK) betroffen, 120.000 sterben jährlich daran. Typisch für die KHK ist die Verkalkung der Herzkranzgefäße, medizinisch auch Arteriosklerose genannt. Die Blutgefäße, die das Herz umgeben und mit Blut versorgen, werden durch Ablagerungen (Plaques) verengt und teilweise verschlossen. Diese Symptome erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Die Deutsche Herzstiftung nimmt in diesem Jahr zu ihren Herzwochen die KHK besonders in den Fokus. Auch das Allgemein Krankenhaus Viersen (AKH) beteiligte sich wieder an der Aktion. Bei einem Vortragsabend beleuchteten Dr. Caspar Burkhard-Meier von der Kardiopraxis Viersen und Rostom Gortamashvili, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Angiologie des AKH, besonders die Aspekte der Prävention, Diagnose und Therapie. Der Chefarzt der Kardiologie, Prof. Dr. Nicolas von Beckerath, führte in das Thema ein und begrüßte die zahlreichen Zuhörer.

„Gesünder leben heißt länger leben. Die beste Therapie ist Prävention“, sagt Dr. Caspar Burkhard-Meier, der sich in seinem Vortrag darauf konzentrierte, wie der Lebensstil die Gesundheit beeinflusst. Zu den klassischen fünf Risikofaktoren für die Entstehung einer Arteriosklerose zählen laut Burkhard-Meier und zahlreichen medizinischen Studien Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, erhöhtes Cholesterin und Diabetes mellitus. Das hohe Lebensalter sei in den vergangenen Jahren als weiterer Faktor hinzugekommen. „Die Ursachen, die zu den Risikofaktoren führen, sind zu 80 bis 90 Prozent auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen“, sagt der Experte und damit von jedem selbst zu steuern. Als ungesund bezeichnet er fettreiche, salzhaltige und fleischlastige Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und Stress. Habe man mit 50 Jahren die Risikofaktoren „im Griff“, lebe derjenige zehn Jahre länger als jemand mit Bluthochdruck, Übergewicht und erhöhtem Cholesterin. Kleine Veränderungen könnten teilweise eine große Wirkung haben: So senke beispielweise eine Gewichtsreduktion um fünf Kilogramm den Blutdruckwert um 4,4mm/Hg und verbessere die Glukosetoleranz erheblich. Auch wenn man mit 50 Jahren noch das Rauchen einstelle, habe das eine positive Auswirkung auf den Blutdruck.

Der Normalwert für den Blutdruck liege bei 120/70 in jedem Alter. Dass der Blutdruck im Alter höher sein dürfe, habe die Wissenschaft in jüngster Zeit revidiert. Dr. Caspar Burkhard-Meier machte mit seinem Vortag Mut dazu, gesund zu leben.

Wenn die Umstellung der Lebensweise nicht reicht und die Herzkranzgefäße durch Plaqueablagerungen die Durchblutung des Herzens bereits behindern sowie Schmerzen auftreten, sollte eine ausführliche und stufenweise Diagnostik im Krankenhaus durchgeführt werden. Oberarzt Rostom Gortamashvili stellte in seiner Übersicht die diagnostischen Möglichkeiten und Therapieformen vor. Je nach vermutetem Schweregrad der KHK wird mittels Computertomografie, einer Stress-Echokardiografie oder Stress-MRT oder einer Myokardszyintigrafie die Diagnose erstellt. So zeige das Stress-Echo das Nachlassen der Pumpkraft des Herzens unter Belastung in den Bereichen, in denen Engstellen in den Herzkranzgefäßen vorliegen, sagt Gortamashvili. Eine Myokardszintigraphie gebe Aufschluss über Durchblutungsstörungen oder Schädigungen des Herzmuskels. Je nach Befund werde zusammen mit dem Patienten eine geeignete Therapie besprochen.

In vielen Fällen ist das Einsetzen eines Stents (kleines Drahtgitterröhrchen) schon ausreichend, um das Gefäß dauerhaft offen zu halten. Während einer Herzkatheteruntersuchung, bei der mit Kontrastmittel die verengte Arterie sichtbar gemacht wird, wird der Stent an die richtige Stelle platziert. Ballondehnungen erfolgen in der Regel vor und nach der Stentimplantation. Seien bei komplexer Erkrankung mehrere Herzkranzgefäße betroffen und oder hätten frühere Behandlungen mit einem Herzkatheter keinen dauerhaften Erfolg gebracht, könnten das Indikationen für eine Bypassoperation sein. „Eine Stentbehandlung weitet die Engstellen in den Herzkranzgefäßen auf, ein Bypass umgeht sie mit Gefäßen, die dem Körper an anderer Stelle entnommen werden“, erklärt Gortamashvili erklärt den Unterschied.

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