(Foto: Zoo Duisburg / J.  Rodriguez)
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Duisburg. Am Anfang lässt sich das junge Flusspferd stundenweise auf der einsehbaren Anlage beobachten. Die Haltung der speckigen Vegetarier hat Tradition am Kaiserberg. Ihre Art ist vom Aussterben bedroht.

Er ist klein, speckig und bringt Herzen zum Schmelzen: Panya ist ein junges Zwergflusspferd und lebt im Zoo Duisburg. Geboren worden ist das männliche Jungtier am 26.11.2025. Für Mutter Ayoka (18) ist es bereits der fünfte Nachwuchs. Entsprechend routiniert kümmert sie sich um das Jungtier.

Nachwuchs ist stundenweise auf der einsehbaren Anlage zu sehen

Mit der Entwicklung des kleinen Flusspferdes ist das Zoo-Team sehr zufrieden. Jeden Tag wird der Nachwuchs aktiver und erkundet neugierig die Umgebung. „Natürlich ist noch alles sehr aufregend für Panya. Deswegen sind regelmäßige Ruhephasen wichtig, in denen das Jungtier nah bei Mutter Ayoka im Stroh schläft und energiereiche Muttermilch am Euter trinkt“, erklärt Tierpflegerin Melina Tetzlaff. In der Anfangszeit wird Panya stundenweise auf der für die Besucher einsehbaren Anlage zu beobachten sein, bevor es zur Siesta zurück in die rückwertigen Stallbereiche geht. Zoobesucherinnen und -besucher benötigen daher mitunter Geduld, um den kleinen Bullen beim Schwimmen, Tauchen und Schlafen zu beobachten. Denn den Rhythmus geben die Tiere vor.

Panya hütete das Wochenbett – denn er konnte nicht gut schwimmen

Die ersten Lebenstage verbrachte Panya mit Mutter Ayoka im geschützten Stallbereich. „Das ist wichtig, um die Mutter-Kind-Bindung zu festigen und die Aufzucht engmaschig im Auge zu behalten“, weiß Tierpflegerin Melina Tetzlaff, die auf viel Erfahrung in Sachen Flusspferd-Zucht zurückgreifen kann. Gleichzeitig hat der behütete Umgang noch einen wichtigen weiteren Grund: Denn kleine Zwergflusspferde können nach der Geburt noch nicht gut schwimmen. Unter den wachsamen Augen von Mutter Ayoka und dem erfahrenen Team der Tierpflege erkundete Panya schrittweise das Nasse Element. „Dabei beginnt die Badezeit im Flachwasser, sozusagen der Nichtschwimmer-Zone“, schmunzelt die Tierpflegerin. „Und ab sofort ist auch der ‚Schwimmer-Bereich‘ offen, so dass Panya auch in den tieferen Bereichen Tauchen lernt“.

Zwergflusspferde haben in Duisburg Tradition – für Ayoka ist es der fünfte Nachwuchs

Der Zoo Duisburg blickt auf eine lange Tradition und erfolgreiche Haltung von Zwergflusspferden zurück. Seit 1974 lebt die sympathischen Mini-Hippos am Kaiserberg. Seither sind 26 Jungtiere aufgewachsen. Damit zählt der Zoo zu den erfolgreichsten Haltern von Zwergflusspferden in ganz Europa.  Auch Mutter Ayoka wurde in Duisburg geboren. Ihre bisherigen Jungtiere – Nokoko, Jamina, Mudiwa und Mufaro – leben heute in anderen zoologischen Gärten. Panya ist ihr fünfter Nachwuchs und hat eine besonders große Bedeutung in der europäischen Flusspferd-Population. „Bei den kleinen Hippos gibt es akuten Männermangel“, weiß Oliver Mojecki, Zoologischer Leiter in Duisburg. Deswegen steht schon heute fest, dass Panya mit Eintritt der Geschlechtsreife eine wichtige Rolle im Auftrag des Arterhalts spielen wird. „Wenn der Abnablungsprozess zur Mutter einsetzt, wird Panya in einem anderen Zoo eine neue Generation Zwergflusspferde gründen. Den Zeitpunkt wird Ayoka bestimmen“, erklärt der Biologe.

Der Zoo Basel koordiniert für ganz Europa die Zucht der sympathischen Schwergewichte im Rahmen des sogenannten EEP (= Europäisches Erhaltungszuchtprogramm). Oliver Mojecki: „Die Aufgabe des EEP liegt darin, passende Zuchtgruppen oder Zuchtpaare zusammen zu stellen und eine zukunftsfähige Population in Menschenhand aufzubauen“.

Dem Aussterben nahe: Zoo Duisburg hilft beim Artenschutz vor Ort

Ursprünglich leben Zwergflusspferde in den tropischen Regenwäldern Westafrikas. Die Tierart gilt als „stark gefährdet“ und ist in Nigeria bereits ausgestorben. Schätzungen der IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) gehen davon aus, dass in anderen Verbreitungsgebieten in Afrika nur noch rund 2.000-2.500 Zwergflusspferde leben. Das Überleben der Art hängt damit am seidenen Faden. Zum Schutz von Zwergflusspferden engagiert sich der Zoo Duisburg im afrikanischen Taï Nationalpark an der Elfenbeinküste. Hier gibt es noch eine Population der kleinen Hippos. Mit Artenschutzspenden aus Duisburg wird ein ehrgeiziges Projekt von Naturschützern vor Ort unterschützt, den Nationalpark zu schützen und zu vergrößern. Denn trotz dem Schutzstatus sind Wilderei, illegaler Bergbau und Holzeinschlag an der Tagesordnung. Der Taï-Nationalpark ist seit 1982 UNESCO-Weltnaturerbe und mit einer Fläche von rund 5.500 Quadratkilometern der letzte große, zusammenhängende Regenwald in Westafrika. Das Gebiet ist Heimat von zahlreichen hochbedrohten Tierarten: Neben Zwergflusspferden leben hier u.a. Waldelefanten, Schimpansen, Bärenstummelaffen und Dianameerkatzen.

Neues Eigenheim für Duisburgs Flusspferde

Im Rahmen des Masterplans baut der Zoo Duisburg derzeit eine neue Anlage für die Zwergflusspferde. Die Zoogäste werden die saften Hippos künftig aus verschiedenen Perspektiven beobachten: Von unterschiedlichen Besucherantritten lässt sich das gesamte Außenareal überblicken. Mehrere Panoramascheiben ermöglichen einen Einblick in das Warmhaus und die angrenzenden Außenanlagen. Neben verschiedenen Bodengründen, einer dichten Bepflanzung und Schlammsuhlen sind außerdem mehrere Badestellen vorgesehen.

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