(Foto: Burghofbühne Dinslaken/Nadja Blank)
Anzeige

Dinslaken. Als erste Premiere im neuen Jahr bringt die Burghofbühne Dinslaken am Freitag, 9. Januar den Kultroman „Herr Lehmann“ von Sven Regener für das Theater heraus. Die Vorstellung findet um 20 Uhr in der Kathrin-Türks-Halle Dinslaken statt. 

Fast 25 Jahre ist her, dass der Debütroman des Sängers und Element-of-Crime-Gründers Sven Regener monatelang auf den Bestsellerlisten stand und seinen Ruf als Autor begründete. Er warf darin einen humor- und liebevollen Blick auf das Kreuzberger Milieu der 80er Jahre kurz vor der Wende und entwickelte in fünf weiteren Romanen der Folgejahre ein ganzes Universum sich berührender Figuren, Orte und Handlungen. Zum Kultstatus von „Herr Lehmann“ trug sicherlich auch Leander Haußmanns Verfilmung aus dem Jahr 2003 bei. Übersetzungen in 16 Sprachen zeugen von einer Fangemeinde auch über Deutschland hinaus, die der lakonische Wortwitz und die sympathisch-schrulligen Figuren bis heute begeistern.

Die Handlung spielt im Sommer und Herbst 1989. Frank Lehmann füllt hinter dem Tresen Kreuzberger Kneipen den Suchenden und Sich-Treiben-Lassenden flüssigen Lebensinhalt ab. Wenn er nicht selbst auf der anderen Seite des Tresens sitzt und in alltagspoetischen Auslassungen seine Sicht auf die Welt teilt, von der er nicht viel mehr erwartet als ein glückliches, ereignisloses Leben. Ihm geht es gut. Aber seine Welt ist West-Berlin im Schatten der Mauer Ende der 80er Jahre – keine Zeit für ruhige Zeiten also. Frank Lehmann, der von seinen Freunden nur „Herr Lehmann“ genannt wird (obwohl er diese Kombination aus Duzen und Nachnamen für das Übelste hält) verliebt sich nicht nur unerwartet. Es kündigen sich auch noch seine Eltern zu Besuch an, sein Freund Karl verliert in der Vorbereitung seiner ersten Kunstausstellung langsam den Verstand und mit der schönen Köchin kann er sich partout nicht auf ein Rezept für den perfekten Schweinebraten einigen – oder die Liebe. Dass ein ungeliebter Botengang in den fremden Osten frühzeitig in einem absurden Verhör der DDR-Grenztruppen endet und letztens Endes auch noch die Mauer fällt, ist da fast nur noch das Sahnehäubchen. Aber Herr Lehmann weiß: „Es kommt nicht darauf an, dass es wie früher ist; es kommt darauf an, dass es gut ist.“

Die Wendungen des Plots sind jedoch nur halb so wichtig, wenn es nach Regisseur Mirko Schombert geht. Wichtiger für ihn, der sich selbst in Bezug auf den Roman als „Fanboy der ersten Stunde“ bezeichnet und deshalb ein ganz besonderes Interesse an dieser Inszenierung hat, ist eher eine Stimmung oder ein Lebensgefühl, das aus dem Roman spricht: „Ich glaube, dass viel von dem, was in dem Roman steckt an Grundhaltung, an entspannter Sicht auf die Welt, uns allen heute gut tun kann. Herr Lehmann ist ein Mensch, der das Leben einfach erstmal passieren lässt und mit einer Mischung aus Optimismus und Realismus in dieses Leben hineingeht. Das kann man unambitioniert oder naiv finden, ich habe aber eine große Sympathie für diese Haltung, weil sie eine große Offenheit zeigt, eine große Spontaneität und ein In-Sich-Ruhen, indem man so umgeht mit dem, was einem im Leben begegnet.“ Humor hat dabei ebenfalls eine wichtige Funktion. „Ich liebe den Humor, den Sven Regener seinen Figuren in den Mund legt. Das sind in der Regel nicht die großen Pointen oder Schenkelklopfer, der Humor liegt eher in der Skurrilität der Figuren, in der Situationskomik und im Sprachwitz, mit dem er arbeitet. Und das versuchen wir natürlich auch in der Inszenierung zum Leben zu erwecken“, führt Schombert weiter aus.

Zum Leben erweckt wird außerdem der „Sound der 80er“. Zahlreiche Hits dieser Zeit finden Eingang in die Inszenierung. Musiker Jan Exner ist wieder in Doppelfunktion dabei, nicht nur im Produktionsteam, sondern auch auf der Bühne als Live-Musiker Jürgen, der in den Kneipen Coverversionen bekannter Songs zum Besten gibt. „Das schafft einerseits Atmosphären, bringt aber auch eine gewisse humoristische Note mit rein“, meint Schombert.

Karten für „Herr Lehmann“ sind an der Stadtinformation am Rittertor, bei Sportkultour Hiesfeld und online erhältlich. Außerdem läuft die Premiere auch im Jugend-Abo „StudioStürmer:innen“ der Burghofbühne.

Herr Lehmann
Elektrolyte, Liebe und der Sound der 80er // Schauspiel nach dem Roman von Sven Regener

Inszenierung Mirko Schombert // Bühne und Kostüme Jörg Zysik // Musik Jan Exner // Dramaturgie Nadja Blank // Regieassistenz Julia Kempf
Ensemble: Frank (Herr Lehmann) Markus Penne // Karl Arno Kempf // Katrin (Die Köchin) Anna Marzinzik // Erwin, Mutter, Heidi Christiane Wilke // Rainer, Polizist, Grenzer, Arzt Hendrik Vogt // Jürgen, Vater, Schizo Jan Exner

Premiere Freitag, 9. Januar 2026, 20 Uhr, Kathrin-Türks-Halle Dinslaken

Karten VVK: 20/24 €, Abendkasse: 24/28 €, ermäßigte Preise: 50 %, erhältlich an der Stadtinformation, Rittertorhäuschen, Ritterstraße/Ecke Althoffstraße, 46535 Dinslaken, Tel.: 02064 66 222, bei Sportkultour in Dinslaken-Hiesfeld oder online unter https://stadt-dinslaken.reservix.de (zzgl. Service- und Versandgebühren)

Beitrag drucken
Anzeigen