Gerade in der kalten Jahreszeit muss bei Rettungseinsätzen rund um Menschen mit starker Unterkühlung auf Verschiedenes gesondert geachtet werden (Foto: J. Buckenmaier/MHD)
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Köln/Rhein-Ruhr. In der kalten Jahreszeit stehen Rettungskräfte oft vor besonderen Herausforderungen, wenn Temperaturen sinken und der Alltag von Eis und Schnee bestimmt wird. Hintergrund: Patienten müssen bei Notfalleinsätzen vor Kälte geschützt werden. Die Gefahr einer Unterkühlung ist zu bestimmten Zeiten besonders hoch, und der Gesundheitszustand eines Menschen kann sich hierdurch erheblich verschlechtern. Der Rettungsdienst der Malteser setzt daher auf unterschiedliche Maßnahmen, um seine Patienten warmzuhalten.

Einfache Maßnahmen und Vorsicht bei schwacher Körpertemperatur

Zunächst wird beispielsweise schon beim Eintreffen am Einsatzort darauf geachtet, Patienten möglichst zügig von einem kalten Untergrund sowie von Nässe oder Wind zu isolieren. Die Standheizung im Rettungsfahrzeug wird bei Einsätzen in Betrieb gehalten und Türen nur kurz auf und zugemacht. Rettungsdecken mit silberner Beschichtung tragen dazu bei, körpereigene Wärme zu reflektieren und sind auf jedem Rettungswagen neben den üblichen Einmaldecken vorhanden.

Grundsatz: Wärmeerhalt statt aktive Wärmezufuhr

Wichtig zu beachten ist aber vor allem ein Punkt: „Der Grundsatz ist bei uns in erster Linie der Wärmeerhalt und weniger eine aktive Wiedererwärmung“, warnt Rettungsdienstleiter Ralf Bischoni von den Maltesern NRW. Grund: Bei massiv abgesunkener Körpertemperatur eines Patienten kann die aktive Wärmeerzeugung sogar sehr gefährlich werden.

Falsche Wärmebehandlung kann zum Tode führen

Durch Reibung oder andere externe, äußerliche Wärmezufuhr kann es bei Menschen, deren Körpertemperatur bereits unter 30 Grad Celsius liegt, zum sogenannten Bergungstod kommen, d.h. kaltes Blut aus den Extremitäten fließt bei der Rettungsmaßnahme zurück in den Körperkern und senkt die Kerntemperatur weiter. Neben schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen begünstigt dies eine Gerinnungsstörung sowie eine Übersäuerung des Körpers, was potentiell tödlich sein kann. Daher empfehlen die Malteser aus Nordrhein-Westfalen auch Ersthelfern am Unfallort unbedingt darauf zu achten, nur solchen Patienten, die noch nicht stark unterkühlt sind, im Bedarfsfall aktiv Wärme zuzuführen. Auch aktive und passive Bewegung dieser Patienten ist bei fortgeschrittener Unterkühlung aufgrund der vorgenannten Gefahren so weit wie möglich zu vermeiden.

Genau auf Stadium achten

Während im leichten Unterkühlungsstadium lediglich kalte Extremitäten, Kältezittern, schnelle Atmung, Müdigkeit sowie langsame, undeutliche Sprache beim Patienten zu beobachten sind, sind beim mittleren Stadium bereits Schläfrigkeit, verlangsamte Atmung, Muskelstarre und Verwirrung Erkennungsmerkmale. Bei schwerer Unterkühlung liegt dann Bewusstlosigkeit, sehr langsame Atmung, ein schwacher Puls bis hin zum Herz-Kreislaufstillstand vor. Bei Verdacht auf mittlere oder schwere Unterkühlung sollten Ersthelfer daher immer den Rettungsdienst unter der 112 rufen, den Betroffenen vorsichtig an einen windgeschützten Ort bringen und kalte nasse Kleidung sofort entfernen. Der Körper sollte dann gegebenenfalls abgetrocknet und mit trockenen Decken oder Rettungsdecken umwickelt werden, wobei auch der Kopf zu bedecken ist. Wenn der Patient wach und bei Bewusstsein ist, kann sanft Wärme in Form von gezuckerten Getränken, wie Tee, zugeführt werden.

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