Mülheim an der Ruhr. Wie geht es mit den Ruhrbania-Baufeldern 3 und 4 weiter? Die Freien Wähler Mülheim an der Ruhr werben für einen Kurswechsel: nicht erst alles zubauen und dann hoffen, dass es funktioniert – sondern schrittweise entwickeln, kleinteilig testen und mit viel Grün gestalten. Herzstück des Vorschlags sind zwei Bausteine: ein Pop-up-Quartier als temporärer Start und schwimmende Ruhrterrassen als neue Nutzung des Flusses.
Pop-up statt Beton: erst testen, dann final bauen
Statt sofort großflächig neu zu bauen, soll Ruhrbania 3/4 zunächst als temporäres, modulares Quartier starten – mit Container- und Leichtbau-Strukturen, Pop-up-Flächen und einem lokalen Markt-Konzept. Ziel ist, die richtigen Nutzungen – Gastronomie, lokale Produkte, kleine Läden – real zu erproben, bevor man sie dauerhaft festschreibt.
Maximilian Eitner, Kreisvorsitzender der Freien Wähler Mülheim an der Ruhr: „Ruhrbania 3/4 darf kein weiteres Baufeld werden. Wir müssen den Standortvorteil Ruhr endlich ausspielen – mit Angeboten, die Menschen wirklich anziehen und die auch finanziell realistisch sind.“
Konkret schlagen die Freien Wähler vor:
- Pop-up-Markt „lokal & besonders“: kleine Stände/Boxen für Röstereien, Bäcker, Feinkost, Blumen, Kunsthandwerk – bewusst kleinteilig, damit Einstiegshürden sinken.
- Interim-Gastro: kleine Betreiberflächen mit Außensitzen – saisonal erweiterbar.
- Grün als Grundprinzip: Schatten, Sitz- und Liegebereiche, Entsiegelung, Aufenthaltsqualität – statt steiniger Hitzeinseln.
Eitner: „Wir wollen keine zwei Jahre Brache und danach Erdgeschosse ohne Leben. Wir wollen, dass die Stadt schnell spürbar merkt: Hier passiert etwas.“
Die Ruhr nutzen: schwimmende Terrassen mit Gastro und Kultur
Zweiter Schwerpunkt: der Fluss als Bühne. Die Freien Wähler schlagen ein modulares Ponton-Konzept an der Ruhr vor – als schwimmende Terrassen, die sich saisonal betreiben und bei Bedarf zurückbauen lassen.
Nico Schwarz, Mitglied der Freien Wähler Mülheim an der Ruhr: „Das ist eine der letzten großen Innenstadtflächen am Wasser. Wenn wir jetzt wieder maximal versiegeln, verlieren wir Aufenthaltsqualität. Wir wollen ein offenes Konzept, das funktioniert – und zwar im echten Leben, nicht nur auf dem Papier.“
Bausteine:
- Schwimmende Ruhrterrassen als Aufenthaltsflächen
- kleine Gastro-Module (Café/Bar/Kiosk – kein Großkomplex)
- Live-Musik im kleinen Format (z. B. Akustik, kleine Sets – stadtverträglich)
- Pilotbetrieb: erst eine Saison testen, dann erweitern
Schwarz: „Wenn wir über Ruhrbania reden, darf die Ruhr nicht nur Kulisse sein. Pontons sind ein schneller Weg, den Standortvorteil Wasser erlebbar zu machen – ohne gleich alles dauerhaft zuzubauen.“
Faire Mieten: Umsatzmiete statt Mondmiete
Ein zentrales Element des Vorschlags ist das Miet- und Betreiberkonzept: Statt hoher Festmieten sollen Umsatzmieten bzw. hybride Modelle (niedrige Grundmiete + Umsatzanteil) den Einstieg erleichtern – gerade für lokale Anbieter, Gründer oder kleine Gastronomie.
Eitner: „Wir brauchen keine Mondmieten, die nur Ketten überleben. Wir brauchen Modelle, bei denen auch lokale Leute eine echte Chance haben – sonst ist das ganze Gerede von Vielfalt nur Deko.“
So kann die Stadt – bzw. der Entwickler – wirtschaftliche Risiken reduzieren, während Betreiber nicht an hohen Fixkosten scheitern. Ergänzend schlagen die Freien Wähler kurze Laufzeiten mit Verlängerungsoption vor: Wer funktioniert, wächst. Wer nicht funktioniert, wird ersetzt – ohne jahrelange Leerstände.
RS1-Radrampe als Schlüsselstein für die Innenstadt
Neben Aufenthalts- und Wasserqualität setzen die Freien Wähler einen dritten Hebel: die direkte, komfortable Verbindung vom RS1 in die Innenstadt. Eine Radrampe sei dabei ein zentraler Baustein – nicht nur für Radfahrer, sondern für die Innenstadt insgesamt.
Schwarz: „Der RS1 ist ein Frequenzbringer. Wenn die Anbindung in die City wirklich gut ist, bringt das Menschen direkt ins Zentrum – und genau davon profitieren Gastronomie, Marktangebote und der Handel.“
Forderung an Verwaltung und Politik
Die Freien Wähler fordern, Ruhrbania 3/4 nicht als reines Bauprojekt zu behandeln, sondern als Stadt-Experiment mit klaren Leitplanken:
- Interimfläche (Pop-up/Container/Leichtbau) fest einplanen
- Grün/Entsiegelung als Grundprinzip verankern
- Ponton-Pilot für eine Saison starten
- Umsatzmieten/Startmodelle verbindlich anbieten
- RS1-Radrampe als Schlüsselprojekt konsequent vorantreiben





















