Johan Thorn Prikker, Lebensalter (Das Leben), 1923, 4-teilige Wandmalerei im Kaiser-Wilhelm-Museum, Kunstmuseen Krefeld (Foto: Dirk Rose)
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Krefeld. Durch den verwilderten Garten weht eine warme Frühlingsbrise. In der Ferne sind schon Stimmen junger Männer zu hören. Sie wollen zu ihrem Lehrer, der direkt am Krefelder Stadtwald wohnt. In das Künstlerhaus an der Hüttenallee 150 zog als erster Bewohner 1908 Johan Thorn Prikker mit seiner Familie ein. Das Haus des schlanken Pädagogen mit schwarzem Bärtchen steht für seine Schüler immer offen, und dieses Angebot nutzen sie rege. Der niederländische Maler und Gestalter Johan Thorn Prikker (1868 bis 1932) unterrichtet als Lehrer von 1904 bis 1910 an der Krefelder Kunstgewerbeschule. Während dieser sechs Jahre zählen unter anderem die späteren Künstler Heinrich Campendonk und Helmuth Macke zu seinen Schülern. Die Kunstmuseen Krefeld widmen ihm ab Mitte Mai die Ausstellung „Schöne Anarchie. Johan Thorn Prikker und seine Zeit”. Im Kaiser-Wilhelm-Museum am Joseph-Beuys-Platz wurde nun das vielfältige Ausstellungsprogramm 2026 vorgestellt.

Die Kunstmuseen Krefeld besitzen mit rund 1.000 Arbeiten den umfangreichsten Bestand von Arbeiten Johan Thorn Prikkers überhaupt – darunter ausgeführte Glasfenster, Plakate und Gemälde sowie Entwürfe für Textilien, Glasfenster, Wandgemälde und Mosaike. Im Kaiser-Wilhelm-Museum fertigt Thorn Prikker zudem 1923 in Secco-Technik einen Zyklus im Marmorsaal zum Thema „Lebensalter” mit den Phasen Kindheit, Jugend, Mannes Alter und Reifes Leben an. Die Ausstellung „Schöne Anarchie” wird bis August 2027 zu sehen sein.

Zusammenarbeit mit Brücke-Museum Berlin

Thorn Prikkers bekannteste Schüler, Heinrich Campendonk und Helmuth Macke, kommen beide von Krefeld aus mit den seinerzeit zwei bedeutendsten Künstlergruppen in Kontakt: Helmuth Macke gelangt in den Kreis des Blauen Reiters. Durch ihn wurden Wassily Kandinsky und Franz Marc auf die Bilder Campendonks aufmerksam gemacht. So kam auch Heinrich Campendonk mit 21 Jahren zum Blauen Reiter. Im Jahr 1912 gehörte Helmuth Macke dem Kreis der „Brücke” in Berlin an, wo er Erich Heckel freundschaftlich verbunden war. Die Künstlergruppe „Brücke” und das Kunsthandwerk steht im Fokus einer Ausstellung ab 4. Oktober im Museum Haus Lange in Krefeld. Ihre Mitglieder fertigten unter anderem Möbel, Gebrauchsgegenstände, Briefpapiere, Glasmalereien, Schmuck und Entwürfe für Wohntextilien an. Als Inspirationsquelle diente ihnen dabei auch volkstümliche Handwerkstradition und außereuropäische Kunst. Die Ausstellung findet in Zusammenarbeit mit dem Brücke-Museum Berlin statt.

Werke aus Krefelder Sammlung in Frankreich

Nach der Sammlungspräsentation des „Frac Grand Large – Hauts-de-France” (2024) aus Krefelds Partnerstadt Dünkirchen steht nun der „Gegenbesuch” in der Stadt an der südlichen Nordseeküste statt. Werke aus der Sammlung der Kunstmuseen werden dort ab Samstag, 24. Januar, präsentiert. Die Schau beleuchtet die Verbindung von Kunst, Design und Industrie – von der frühen Werbegrafik und der Bauhaus-Ära bis zu zeitgenössischen Positionen und Design. Auf die Reise von Krefeld nach Frankreich gehen unter anderem Werke von Anni und Josef Albers, Christo, Gilbert und George, Andreas Gursky, Candida Höfer, Wassily Kandinsky, Yves Klein, Karin Kneffel, Claes Oldenburg, Otto Piene, Sigmar Polke und Gerhard Richter.

as Programm der Kunstmuseen Krefeld mit weiteren Ausstellungen 2026 steht unter www.kunstmuseenkrefeld.de. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben kostenfreien Eintritt in die Krefelder Museen. Die Kunstmuseen Krefeld sind eine Kultureinrichtung der Stadt Krefeld.

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