
Nettetal. Statt eines roten Teppichs wurde für die NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur ein Backteig ausgerollt – der war aber immerhin 80 Meter lang. Die Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes NRW hat jetzt das moderne Paniermehl-Produktionswerk der Firma Brata in Nettetal-Breyell besichtigt. Empfangen wurde sie von den beiden Geschäftsführern Michael Wiesner und Stephan Piehler, Bürgermeister Christian Küsters, Wirtschaftsförderer Christoph Kamps, Stadtplaner Markus Grühn, Dr. Anke Schirocki vom Verein Agrobusiness Niederrhein sowie Manuel Britsch (Vorsitzender Ausschuss für Wirtschaftsförderung).
Brata produziert jährlich 100.000 Tonnen Paniermehl und Mischpanaden für Industriekunden, seit 1953 an den Erprather Mühlen in Neuss und seit 2020 auch in Breyell an der Dülkener Straße. Damit werden Convenience-Lebensmittel, also Fertiggerichte wie Schnitzel, Fischstäbchen, Chicken-Nuggets oder auch Gemüse hergestellt, die in fast allen Tiefkühlfächern zu finden sind. Die Auslieferung erfolgt in Säcken, Big Bags oder ganzen Lieferwagen. „Rund 70 Millionen Euro haben wir in den letzten acht Jahren in Nettetal investiert“, erläutert Geschäftsführer Wiesner. Zurzeit entsteht das 15.000 Quadratmeter große Produktionswerk für Mischpanaden, das im Frühjahr in Betrieb gehen soll. Damit wird die Produktion verdreifacht und der Standort Nettetal weiter ausgebaut.
Angefangen hat alles mit Paniermehl für Fischstäbchen. Heute wird Geflügel (38 Prozent), Fisch (29 Prozent), Fleisch (19 Prozent) und sonstiges (14 Prozent) wie Käse, Champignons, Brokkoli oder Zwiebel zu Convenience-Food ummantelt. Die genaue Rezeptur wird an das Zielprodukt sowie den Zielmarkt angepasst und gemeinsam mit den Kunden entwickelt. Der Anteil an Geflügel wächst zurzeit weltweit, aber selbst für panierte Zwiebelringe – sogenanntes Bar-Food – werden 7.000 Tonnen pro Jahr benötigt. Mit einem Anteil von 74 Prozent wird der größte Anteil exportiert – insgesamt in 61 Länder, hauptsächlich innerhalb Europas.
Mit dem gerade beschlossenen Mercosur-Freihandelsabkommen werden sicherlich auch weitere Abnehmerländer dazukommen. Wirtschaftsministerin Neubaur lobte sowohl Brata als auch die Stadt, für die schnelle Planung, Genehmigung und Umsetzung der Baumaßnahmen und gratulierte beiden zu einem regelrechten „Nettetal-Tempo“. Bürgermeister Küsters freute sich über das Lob der Ministerin und betonte die Bedeutung des Mittelstandes für den Wirtschaftsstandort. Und in Breyell wird weiter investiert: Für 2030 ist ein Logistik-Neubau geplant.
Kritischer diskutiert wurden auch Themen wie Fachkräftemangel oder die Preisentwicklung bei den Energiekosten, wobei Brata nicht von der neuen Energiepreisbremse profitiert. „Wir stehen hier aber im Wettbewerb mit ausländischen Produzenten“, klagte Piehler, der auch eine Umstellung von Gas auf Strom durchkalkuliert hat, allerdings ist das noch nicht wirtschaftlich. Neubaur versprach die Vermittlung eines Kontaktes zu einem gleichgelagerten Betrieb, der sich mit der Umstellung auf Wasserstoff beschäftigt.


















